Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- Nr. 16. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 Zeit des späteren Mittelalter» forschte man mit größtem Fleiße nach solchen Geheimnissen und gerade Dr. Hartlüb schien der Mann dazu, äbnliche Siudün gelrüben zu habe», denn er war ein derübniter Alchymist, Halle ei» Werk über dieKniist, aus der Hand zu wahrsage», geschrieben »nd galt überhaupt als ein Mann von iingcwöbnlichem Wisse». Ihm giandle man znlranen zu dürfen, daß er auf seinen Reis,n in Italien das Geheimuiß kennen gelernt und später in seinem Hause einen Versuch angesteilt habe. Andere moUicn den Ursprung der Lampe gar in die Zeit der Römer zur:ickvers>tzen, ohne zu bedenken, daß sich in München keine Spuren einer römischen Niederlassung finde». Die Nachricht von den! geheimnisvollen Funde gelaugte auch zu den Ohren des Fürsten San Severo in Neapel, eitlem damals berühiuten Altenhamssoi scher, der wenige Jahre vorher ei» Werk über die cn'igcn Lampen der Alten herausgegeben halte. Die Sache zog seine Ausmelksamkeit mächtig au. Einer seiner Freunde wendete sich in seinem Aufträge an den Grasen von Rathiamshansen, Kaminerherrn des Kurfürsten Maximilian von Bayern und dieser sendete ihm Abschristen mehrerer Münchener Berichte über die in Frage stehende Angelegenheit, versprach auch noch weiteres Material. Inzwischen acnachrichligle ein Graf Wackerbarl in DreSden de» bevollniachligten Minister d,s Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen am Hose zu Neapel, Baron von Wariisdors, daß er an ihn bereits eine Copie des iil der Gruslkirche gefundene» Glases und ein Flälchchen mit der darin enthaltenen Flüssigkeit zur Aushändigung an den Fürsten San Severo abgejchickl habe. Bald danach fand sich der Fürst im Besitze beider Gegenstände. Den Docht Halle» schon die Ar beiter in München w'ggeworsen »nd von dem Wachs, das zum Verschluß des Glases gedient und das noch vorhanden war, hatte Graf Wackerbarl nichts beigelegt. Der Fürst, selber ein erfahrener Chemiker, zog noch Andere zit Ralhe, mii den ihm übersendeten Inhalt der geheimnißvollen Lampe wissenschaftlich zu bestinimen. Ihre Ansicht ging übereinstimmend dahin, daß die fragliche Flüssigkeit nichts weiter sei, als Wasser mit einem Niederschlage ans 11tin hergestelllen Phosphors, und das; der von den Maurern weggewotfene Docht wohl ei» Stäbchen des letzteren gewesen. Eine andere Frag.׳ aber war die, ob die Lampe zur Zeit der Auffindung ivirkiich gebrannt habe, wie behauptet worden. Sie mußte unbedingt verneint rverdcir, wenn man rvußle, daß das Glas oben mit gelbem Wachse vollkommen verschlossen gewesen und die Oeffnnng im Wachs erst durch Herausziehen des Dochtes einstand. Im luftdicht geschlossenen Raume konnte vom Brennen einer Larnpe keine Rede sein, was mit den Eigknschaslen des Phosphors znsaminentras. Ein Brennen rnußle aber rintreten, sobald das in! Glase befindliche Wasser nicht vollständig von der atmorpärischen Lust abgeschlossen war und soweit verdunstete, daß es unter den obersten Theil des Phosphorsräbchens herabsank oder ein Zutritt der Luft an das Letztere durch eine vorübergehende Erschütterung des Gefäßes erfolgte. Die im Wisser vorgefniidenen Phosphorbestaildtheite erklärten sich einfach als das Ergcbniß jenes Verbrennungsprocesses. Eine tvlche Erschütterung war aber im Momente des Ansfindenü des Glases auf zweifache Weise möglich: einmal infolge der Hübe aus das Gestein des Pfeilers, mittels deren die Maurer die Verbindung der eiuzeluen Maneriheile lönen, und dann infolge des Heransnehinens des Glases durch die Maurer, weiche nach ihrer Weise derb genug zngcgriffen haben dülste», wobei der ganz dünne Wachrverschiuß Schaden genommen haben ,nag. Was die Wahrnehmung eines Lichtscheines in früherer Zeit durch P Placidus Lcbarl und Andere betrifft, so ließe sich dieselbe durch die Verduustnng des Waffers im Glase namentlich in der wärmeren Jahreszeit einfach genug erklären. Für diese Erklärung spräche auch die Thaljache, daß dieser Llchlschein nicht jederzeit,!onbern nur bisweilen wahrgenommen wurde. Ebenso natürlich war, daß die Lampe zu brennen aufznbören schien, als die M lürer selbe aus der dunkeln Mauer- Nische ans Helle Tageslicht hervorzogen: eS liegt diese Erschcinnng in der natürlichen Beschaffenheit der Phosphorfl,mme. Wie kam aber das Glas mit ,'einem Inhalt in jene Nische? Der Prinz San Severo ist der Ansicht, eS sei dies nur zufällig geschehen nnd denkt dabei an Dr. Harilieb, den derühniten Chemiker. Der konnte das Glas in der Abficht, eS später ivleder zu holen, in die Nische gestellt haben, und dann durch Vergeffen oder irgend äußere Umstände daran verhindert worden sein. Allerdings dalire die Entdeckung deS Phosphors aus einer viel späteren Zeit, aber schon nlanche Etfindung sei mit dem Erfinder zu Grabe gegangen und später noch einmal gemacht worden. Ueber dies könnte gerade die Herstellung des Phosphors in j 11er finstertil Zeit dein betrcsf.noen Gelehrten gefährlich geworben sein. Aehnliches hätten auch andere Natnrfmsch.r noch viel später i» wert aufgeklärteren Zeilen ihun zu müffen geglaubt, so insbejoildere Brand selber, der zuerst den Phosphor hergestelll und die feste Absicht gehabt habe, sein Geheimniß mit ins Grad zu nehmen. Von wesentlicher Bedeutung für die Erklärung des 1750 in der Gruslkirche zu München gemachte» Fundes erscheint andererseits eine cigcnlhümliche Mittheilung des Baron Andreavon Kempelen, Canonicns au der Doinkirche zu Preßburg, eines Mannes, der um dieselbe Zeit lebte und fich einer umsaffenden Bildung ersreule. Baron Kcmpelen erzählt, er habe sich einmal längere Zeit in Konstan inopel ausgehalten und dort oster und auf vertraulichem Fuße mit einem jüdisch,n Kaufmann verk,hrk, der damals das Aint kines Rabbiners an der dortigen Lynagoge bekleidete nnd ein in seinent Fache außerorbentuch uuur» richteter Man» war. (Schluß folgt.) Ueber das Zeitalter der Propheten Joel, Ainos. Obadja. Von Dr. S. Kusnitzli. (Schloß.) 3. Ob ad ja. Gehen wir nun etwas näher aus den Inhalt der Obadjanischen Prophezeiungen rin. Der ganze erste Vers ist Einleitung, durch welche der Prophet seine Hörer und Leser mit dem Gegenstände seiner Red? sofort bekannt machen will. — Echt oratorisch ist dir Aufforderung an alle Völker zum Kriege gegen Evom dargeft. at und dem Inhalte nach, wenn auch mit anderen Worten auSgedrückt. ähnlich dem Ausrufe an die Völker zur Bestrafung der Feinde Gottes oder seines Volkes in Joel IV, 9. Daß dort unter den Feinden Juda's besonders Edom gemeint sei, darauf ist an der betr,ffende» Stelle hingewiefen worden. V. 2 u. 3 sollen den Uebermuth und die Selbstübet Hebung Edoin's geißeln. Von Gott als klein im Berhällniß zu den aiidern Völkern hingestcllt, habe eS sich herausgenommen, sich über Andere zit erheben, und dünke sich auf der nuumehrigen Höhe feines Glückes so sicher, daß eS Keinen mehr fürchten zu brauchen meint. Es leuchtet ein, daß ein glücklich geführter Krieg cs so ausgedlafe» haben muß, wie es der Ausdruck zeigt: ״Der Uebermuth deines Herzens Hai dich verleitet," jedenfalls zu einem bedeutenden Schritte, und zwar zu», Kriege gegen Juda, auf den der Prophet dann V. 10 zurückkommt, während er dazwischen Edom eine Niederlage proph, zeiht, wie es sie unmöglich sich vorstellen könne. — I» V 7 schildert er, wie Edom in dem feinen jähen Sturz herbeisührenden Krieg zwar anfangs nicht ohne Bundesgenoffen fein werde, wie diese aber treulos im entscheidenden Augenblicke es im Stiche laffen, ja, ihre Waffen gegen Edom selber kehren wer- > den, ovivohi sie, wahrscheinlich tu» es zu jtürzen, es zum l Kriege verleitet haben. Und dies, schließt der VerS, wird