Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- Nr. 16. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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dem sonst für so klug und weise geltenden Edom znstoßen, woran sich dann V- 8 eng aiischließt. — Das Wort מקטל in V. 9 wird von der LXX zu V. 10 herüberg-zogen, der sodann mit de» Worten beginnt: ״Wegen des Gemetzels u d.r Ruchlosigkeit deines Bruders Jacob ״ Ewald übersetzt es ״obne Kamps", eine Uebersetznng, die zwar iniosern »ichi ganz willkürlicb ist, als im Arabijeben dae-jelbe Stamniverbnin in der!11. die Bedeutuug von ״kämpseu" hat, aber für unsere Stelle nicht paßt, da in den voi hergelieuveu Versen gewiß von einem Kampse die R.de ist, der die Vernichtung Eoom's zur Fo!ge haben würde. Jäger fahl das מן in מקטל »ich! negaiiv (ohne), sondern canjaiio aus (>v׳gen) und ftudet hier einen Anklang a» du-Wane in Joel l v, 19: אשר שפכו דם־נקיא בארצם; mir scheinen jene Worte in Joel eine Umjehieibuug dieses mit emei» gewichtigen Worte bezeichneren Ausdrucks '?מקט zu s>in. — Von V 10 bis 15 wird nun dos Betrugen Edom's gegen Juda geschildert, welches die vom Propheten ang. kündigte Strafe nach sich ziehen werde. Schon der Beginn dieser Schilderung zeigt, dag Obadja von derselben Begebenheit spricht, von der auch Joel und 2111105 reden, »in daran die Veiküudignng eines Strasgerichtes gegen Edom zu knnpsen. Der Ausdruck: מחמם אודך יעקב entspricht gewiß den Worten Amos' ( Am. I. II): על רדפו בחרב אחיו und denen Joei's (Joel I V, 19): .מחמם בני יחורר und findet sich in Jereinir nicht — Rach den folgenden vier Versen töiinen nur uns die Feindseligkeiten Eoom's gegen Jura >׳>.r so vorsreüeu, baß zu der Zeit, da andere Feinde in Judäa Emsalke gemachl. Edom ansäuglich eine abwarlenbe Stellung eingenommen, als wollte es nach den ersten kriegerischen Ereignisse» sehen, auf welche Seite sich der Sieg neigen wülde, um davon seine Theilnahme an dem Kriege gegen Juda abhängig zu machen; und als nun d>-r Krieg eine für Juda ungünitige Wendung nahm, da fiel auch Edom in das Gebiet Juda's ein. Nun werben in Ämos, Cap. 1, mehrere Feinde ausgezahlt, die zu Ufi.'s Z il mit Inda Krieg gesührl, und zwar Philister und Phöuiziei, ans die Ainos die Eoomüer folge» läßt; ebenio werde» iil Joel IV. 4 die Phönizier und Philister als Feinde Juda's ang. führt, nach deren Al fernguug, wie wir an jener Stelle gez-.igi, der Prohhet sich gegen Edom Ivendet. Es ist demnach kein Zweifel, daß unter 1רים und נברים hier jene Volker,ch iflen gemeint sind, und nicht die Chaldäer, die sonst gewiß als einzige und so gewaltige Feinde Juda's genannt uwrden wäre». Auch der 2l»sdrnck ועל ירושלם ידו נורל meist sofort auf Joel I V, 3 hin. wo es heißt: ואל עמי ידו מרל; ans der V rgleichung dieser beiden Stellen gehl übrigens deutlich hervor, daß unter ירושלם nicht gerade die Stadt Jerusalem geilt int sei» muß, sonder» auch ihre Bevölkerung (vgl. Jes. XL,, 2). Es ist also I hier gar nicht au eine Zerstörung Jerusalems zu denken, > was diejenigen, die Obadja nach Jeremia ausetzen, wie Ewald u. A, in ihrer B.haupiung brstärkt hat. — Und nicht nur ihr, sagt V 16, werdet die Frucht eurer bösen Handlung ״ genießen, sondern auch allen andern Feinden Israels wird es so ergehen; sie werden für ihr Verhalten gegen dasselbe büßen und schließlich der Vergefienheil anheimf.llen. Dies allein ist der richtige Sinn des V 16, und nicht der, wie ihn einige Exegete» nehmen, um hierin einen Hinweis ans die Zerslöruna Jerusalems zu finden*) Der ׳Ansang des V. 17: ובהר ציון תהיה פליטה erinnert an die gleiche» Worte in Joel 111, 5, die Joel oon Obadja entlehnt zu haben scheint, da sie bei Obadja, den U.berging von den Edomiler» zu den Israeliten, von denen bis z» Ende gesprochen wird, bildend, viel mehr am Platze sind, als bei Joel. Es ist also auch hier nicht an eine völliga Zerstörung Jerusalems zu denken. Wir wollen hiermit nusere Abhandlung beschließen und nur noch einige historische Benierkungeu zur Erhärtung unserer Beh luplung hinzufügen, daß Obadja z. Z. llsta's gelebt und prophezeiht hat, und daß der 2lnlaß zu seiner Strafrede gegen Edom ein Krieg dieses Volkes gegen Juda gcwe- י) vgl. über diesen Derl meine Dissertation S. 3?. sen, in dem Juda unterlegen -war, da zu gleicher Zeit oder ganz kurz vorher auch Phönizier und Philister Einfälle in sein Land gemacht. Ein Krieg mit Edom muß jedenfalls zugegeben werden, wie ihn auch Bleek in seinen Benierkungeu zu Joel, Ewald in deneit zu Amos anzunehmen gezwungen sind. Zu welcher Zeit in der 52jährig.n Regierung dies,- Königs der Krieg st itig sniide», laßt sich zwar nicht bestimmt «ngeben; wahrscheinlich ist es jedoch, daß es zu Anfang seiner Regierung gewesen, da er später sehr mächtig geworden w ir. (Vgl. 11 Chron., Cap. XXVI.). Ufia mar 16 Jabre alt, als er zur Regierung gelangte, und die umliegenden, seinolichen Völkerschaften werde» wohl damals de» Zeitpunkt für geeignet gehalten haben, fich auf Kosten Juda's zu bereichern und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Edomiler halte» noch besonders Ursache gegen den jugendlichen König zu ziehen, van den, fie keinen kräftigen Widerstand erwarten mochten, da sie von dessen Vater Amazja auf eine schreckliche Weise gedemüibigt worden waren. (Vgl. Il Kö». XIV, 7 und II. Cbron. XXV, 11 u. 12) Der Prophet m!g überhaupt oon Ufia, trotzdem er ansangs unterlegen war, große Hoffnungen gehegt haben, die sich dann auch in der Th it erfüllt haben» und deshalb durste er Edom mit solcher Bestimmtheit sichern Untergang prophezeihen. Fragen wir zuletzt nach der Reihenfolge dieser drei Pro» pheteu, so hat sich diese aus unserer Abhandlung fast bestimmt ei geben. Als den älteste» niüffen wir Obadja annehmen, da, wie eben erwähnt, der Krieg mit Evom in de» Anfang der Negierungszeit Ufia's zu setzen ist, und dieser Prophet der beiden Ereigniffe, die fich ebenfalls zu Ufia's Zeit zugetragen, des Erdbebens und der Heuschreckeup.age, niit keinem Worte Erivälntnng!Hut. Und gesetzt auch, daß das uns überlieferte Buch Obadjr's wegen seiner Kürze nur ein Bruchstück seiner Prophezeiungen bildet, so bleibt unsere Behauptung doch noch aufrecht. Denn es läßt sich kaum annehmen, daß gerate der verlorene Theil dieser Schrift jene Ereigniffe berührt haben soll, während sie in dem uns erhaltenen Theile gar nicht er» wähnt sind. Es läßt sich demnach fast mit Bestimmtheit de- Haupte», daß Obadja noch vor jenen Ereigniffe», also noch vor Ämos und Joel, prophezeihl hat. Als den älteren dieser beiden Propheten hat sich 2l!»os ergeben, da das Erdbeben, welches den Hauptgegenstand seiir.r Prophezeiung ausmacht, vor der Heuschreckenplage und der sie begleitenden Dürre und W,1ffern0lh statlgefunden hat, von denen das Bach Joel hauptsächlich handelt. Die Reihenfolge unserer drei zeilge» nöisljchen Propheten wäre also die umgekehrte von der im Kanou beobachteten: Obadja, Amos, Joel. Lileraturberitht. Recrnsiooen. Vkeßner, Dr. K. Die drei Aufgaben meines Berufs. Antrittsrede. Rogasen 1873. Selbstverlag. ES »st bei ver Verschiedenheit der Richtungen im Judenthum Keinein zu ver. raten, wenn er die Ansichten, die er zu den seinigen macht, mit allen Merteln der Veredtsamkeet v.rtheidigt uno verficht. Aber e« giebt doch gewisse Grenzen des Anstandes, die von einem Gebildeten n.cht überschritt n werden dürsen. Zn ver genannten Predigt entwirft .vr. P.sein eentrittsprogrammu. denn,t viese Geicgenh.it, um gegen die Rabbin« unserer Zeil ioszueiehen. Er n.nnt sie ״Rabbiner im Ornat und Varret," (2. 17) die das Gefühl unter das Eominanüo (0 der Vernunjt stell.n wollen. <2. 13.! »Biete Anttskoll.gcn,- so he ßt es S. 11. ״erheben sich nicht über das Riv.au der seichten, synagogalen Vorträge." Aber anders v.-rspricht es Hr. P. zu than, er wird im alten Sinne, wie es die נדולי ארץ gcthan haben, die Gemeino« brlehren. Da hü re denn der Le er und staune! Auf S. 12 wird Schiller, wie Hr. P. ans erkennend hinzuf.egt, ״der grüßte deutsche Dichter." (gut, daß Schiller kein Rabbin. r war, sonst wäre er bei yrn. P. n.cht so gut fortgeko.innen- und zwar aus der ״Jungfrau von Orleans" citin uno 1um näheren Verstanoneß sogar rn einer 8ic o.rrkt daraus verwiesen, »»»>» ״י fiiu yt, P. im Sinne un» Geiste der נאונים lehren! Wahrlich, der selige 9t. Akiba Eg-r und R. Wsses Fellchenseld. dessen Rachsotger tzr. P. ,e.