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Das jüdische Literaturblatt · 1873-01-01 · Nr. 16. (1873) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
Nr. 16. (1873)
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische WmliuMl. Zur BtlruchtnnA alttr Jubentljum u Juben detreffenbc» litcranfdun CrCditinungrn auf 6rm förbictr dkk vtzilosophie.Keschiti»lr.Lchno>1i»>hie,ttzhe»lozie, Brientati», Lagere, chMfteli»», Liturgik, PübagoM»/> HerauSgegeben von Rabbiner vr. M. Rahmer in Magdeburg. Bücher der rinTctilj^igrn Lik- 1 ratur, welche der Nr» bei ״Züb. I Titrratttrbtatt" in FNagbrburg I (ober brr «Zvrarl wochenschr- I in Steltinj zugesaubt werben, I fiubr» in biefem Blatte «in- I gehenbe Besprechung. I Nr.1L Erscheint i —2>nal nivnatlich. Preis pro Jahrgang 1 Thlr. Für die Abonnenten der ״Joraelitischen^Wochenschrist" gratis. Zu beziehen durch alle Postanstalien u. Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Fries« 2. Jahrgang. Ein geheimnißvoller Fund. Von Carl Albert Regnet.*) Im Jahre 1285 halte» die Münchener die Synagoge und mit ihr einhiinderlachijs'g Inden jeden Alters und Äeschlechis verbraiint. Die Syit.igoge lag noch in Trümmern, als 1440 Herzog Albrecht der Dritte die wenigen noch in München vorhandene» jüdischen Familien ans der Stadt und dem Lande verwies und ihre Hänier einzog und verkaufte. Um diese Zeit war ein damals berühmter Lehrer der Arzneikunde,!)r. Hans H.irtlieb, Leibarzt de- Herzogs und seiner Gemahlin. Ihm schenkte das fürstliche Paar ״dar Hams hie zn München an der Judengrsien gelegen, dainn vor Zeilen die Judenjchuel gewesen," und das an der Stelle zn suchen ist, welche in unseren Tagen der östliche Theil des Gebäudes der königlichen Polizeibireciion und der jüngst für den Dienst des königliche» Stadtgerichts München links der Isar, Abtheilung für Strafsachen, errichtete Bau einnimmt. Hartlieb lieg die unteren Theile der Ruine in eine Kirche der heuigen Jungfrau umwandeln und später, des zahlreichen Zuspruches halber, den ein darin anfgestelltes Besperbild fand, erweitern. Die Kirche kam 1494 an das Bencdictinelkloster Andechs. Im August 1750 veranstaltete der damalige Administrator eine Jubelseier des dreihnnderijährigen Bestandes der ״Gruftkirche," wie sie genannt wurde, und die bei dieser Gelegenheit ciugegaiigenen Opfer waren,so beträchtlich, daß man daran denken durste, die Kirche einer gründlichen Nestauralio» zu unterstellen. Rümmer 6XIX der Münchener Zeitung vom 26. Juli 1753 enthielt ans der ersten Spalte nachstehenden Bericht aus München: ״Die merkwürdigen Dcukmahle des grauen Alterthnms verdienen allerdings angemerkt zn werden, Nachdem man vor gut befunden die sogenannte U. L. Fraucu-Gruft allhier in etwas zn erweitern, fand man in einem gemauerten Pfeiler ui einer gläsernen Ampel ein in den Weltgeschichten bekanntes so benahmsctes ewiges Licht, wie solches die Alten in den Gräbern und Pyramiden, wo ihre Verstorbenen hinterlegt wurden, anznzündeii pflegten. Diese Lampe hat die Gestalt eines t-selchs, ist in der Höhe mit Wichs verstopft und der ,inst, in welchem noch so viel Biiimöt vorhanden, daß gar wenig abgeh, k, mithin der Mtterie »ach noch vielen Jahr- Hunderten genug halte, ist ין• weit wie ein Fliegeuglas — uwran ein Stengel, so einer Hand breit lang ist. in welchem der Dachl befindlich war nnd das Licht brannte." Dieser Fund machte damals großes Aussehen im In- und Anslande, und der letzte Administrator der Gruf.kirche, Pater Placidus Scharl, der in der Gelehrtenwell damaliger *) Aus der nnssenschastiichen Beilage der ״Lcipz. Zeit." Nr.St d. I. Zeit einen geachteten Namen hatte, — er war auch der Gründer des später berühmt gewordenen Naturalien-CabinetS in Andechs und von 1796—1798 Rector des Münchener Lycenms — hinterließ dem Kloster sorgfältige Anfschreibunge« über diesen Vorgang, denen ׳Nachstehendes entnommen ist. Durch bei» größeren, zum Abbruch bestiinmien Pfeiler führte eine Treppe in die obere Kirche. Bei»» Abbrechen desselben stießen die Maurer auf eine Höhlung, in der ein Licht bräunt». Alle sahen das Licht noch brenne«, allein der alsbald sich einsteilende Luftzug löschte eS aus. Der herbeigrrufen« damalige Administrator Pater Hoerl b zeugte vor Jedermann, er habe das Glas, in welchen» das Licht brannte, noch warm nnd den Docht »och glimmend gefunden. Oben »var cs bis ans eine ganz kleine O.sfaung für den Docht mit ,Wa^S.verschloss-׳». In dem Glase war eine gelbliche Flüssig-!fit, die noch den dritten Theil des Glases füllte.׳ Als man den Docht mit einem feinen Drahte herailsziehen wollte, siel er bei der leisesten Berührung in sich zusammen und trübte die vorher ganz Helle und durchsichtige Flüssigkeit. Neben dein Glase stand auch ein unglanrter Topf, in dem Gebeine aufbewahrt waren. Dieser z rbrach beim Herausheben uird die vermoderten Gebeine zersträublen. Das gefundene Lampenglas erregte allgemeine Aufmerksamkeit, ivurde in der oberen Kirche auf einem Windgestelle zur Besichtigung für Jedermann ausgesetzt und dann an den kurfürstliche» Hof gebracht, als eben der Kronprinz von Sachsen, nachmaliger König Friedrich Christian, anwesend war. Dieser erbat es sich voi» seinem Schivager, dem Knrsürslen Maximilian Josef ill. als G. schenk und stellte es iir seiner Aniiquiläten-Sammlung zn Dresden auf. Die Frage, wie dieses Licht in den Pfeiler hineingrkommen und was seine Bestimmung gewesen, beschästigte alsbald Gelehrte und Ungelehrte. Paier Placidus Scharl bezeugte, er habe als Knabe beim Auf- und Absteigen der durch den dicken Pfeiler gehenden Treppe öfter in einer tief sich in denselben hineinzlehendeu O.ffnuug einen Lichtschein »vahrg,nominen nnd auch andere Knaben hätten dieselbe Beobachlniig gemacht. Desgleichen wollien auch andere Leute von einem Punkte des Pfeilers aus einen Lichtschein habe» ausgehen sehen. Daraus erhellt wenigstens soviel, daß jenes Glas nicht in den Pfeiler cingemanerl g1׳׳vese», sondern in einer v,rborgeuen Verlusnng desselben geilanden haben mnß, ivas wohl zn be»ch:eu ist- Rach allen gegebenen Daten darf auch als sicher angenominen werde», daß an den Pfeilern nichts mehr gebaut oder sonst geändert worden, seitdem l)r. H.irtlieb den sie umgeb,ulen Raum in eine Kirche »iiig• statte: Halle. So war den verschied.usten Couj c!»reu Raum g'geöen. Ria» erzählte sich, die alten Römer hätten die Knust verstanden, sogenannte ewige Lo.mp,n herzustellen. I» der

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