Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1873-01-01 · 13. (1873) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
13. (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5367336-5990812-5990915--0296-5367407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 51 — nach ihnen um II Tage größer als da» Mondjahr? Der Sonnenzirkel wurde auf 28 Jahre berechnet? Zur Bestimntung der Tageszeiten hatte man die Sonnenuhren? Boa diesen Tageszeiten ist es wieder nur eine Stunde am Tage, wo die Sonne sich unS ganz zeigt, die Mittagsstunde? Die Gestalt der'Sonne ist nach einem Lehrer des 4. Jahrh. n., Rab Papa, eine rothglüheude Kugel, ganz, wie wir sie am Morgen bei ihrem Aufgange und Abends i« ihrem Untergänge sehen? _ (Schluß folgt.) ‘Miilr. r. 1 M Absitz, 6. Spätere wollen diese Bestimmung auch für den Mond gelten taffen. Das, 'Posaebiru A4, 'öanbedrm 91. 'Bada datbra 25. ‘Pesachiai 94. 'Die kalte Temperatur in Brunnen und Wafferguellen wird auf das tangsame Eindringen der Sonnenhitze in den festen Körper der Erd« zurückgeführt, die sich erst nach mehreren Monaten, also erst im Winter, ganz des Innern der Erde bemächtigt, '?«aelnm 94. Diese Lehre ist von R Nathan, einem Lehrer des 2. Jahrh. n. 'Das. 'Siehe Abth I. Jahr, Jahreszeiten. Vergl, Lidr. r. 1 N. Absch. 34, wo in Bezug auf die klimatische Beschaffenheit Palästinas dies« 4 Jahreszeiten bestimmt werden: Tischri, ganz Eheschwan und Kisleo ist die Zeit der Aussaat; Kislev, ganz Lebet und Schebat ist Winter: Schebat, ganz Adar und Nisan ist di« Zeit kühler Witterung; Nisan, ganz Jjar und Sivan Erntezeit: '/, Sivan, ganz Tamus und '/, Ad ist Sommer; Ab, ganz Ellul und Tischri Hitze "Jalkut zu Ps. §. 672. 'Mdr.r. 1 R. Absch. 12. ’ Midr. r. 1 M. Absch. 33. *Beracboth 59. *Khelim 12. 4. Edajoth Absch. 3., wo sie ״Stundensteine" beißen. *Pesaohim 94. 'Baba balbra 84. Erklärung zweier Bibelstellen. Bekailntlich liefern die Stellen Genesis 12, 6 und 13, 7 für manchen Exegeten ״untrügliche Spuren," die auf ein geschichtliches Ereigniß hindeuten, welches erst in der nachmosaischen Zeit ei,,trat. Es soll nämlich an beiden Stellen: והכנעני והפרזי או ישב בארץ .״ והכנעני אז בארץ das ״אז״ eilte Zeit voraussetzen, da der K'nani nicht mehr im Lande war. Betrachten wir nun elftere Stelle im Zusammenhang mit ihrem Vordersätze: ״Uud Abram zog im Lande bis an den Ort Sichem, bis an die Terebinthe Moreh; und der K'nani war damals im Lande," so erscheint, ganz abgesehen von dem kritischen ״damals", nach dem gegebenen Wortlaute, der der Hauptsache nach mit allen namhaften Uebersetzunge» übereinstinimt, der logische Zusammenhang zwischen Vorderilnd Nachsatz etwas locker. Wie anders hingegen gewinnt der Vers an Klarheit, wenn wir והכנעני אז כארץ als Causalsatz nehmen und wiedergeben: ״denn*) der K'nani war damals im Laude," und zwar nicht etwa schon seßhaft, sondern eben int Stadium der Einwanderung. (Raschi z. St., der keineswegs unsere Schwierigkeit heben, sondern nur die nachsolgende göttliche Erscheinung motiviren will, gicbt zufällig dieselbe Erklärung.) So enthielte nun dieser Nachsatz die Erklärung dafür, daß Abraham, der doch iu der Absicht, in Palästina sich niederzulasten, von Haran weggegangen, dennoch das Land gleichsem flüchtig durchwanderte, ohne zu einem festen Wohnsitz zu gelangen. Daß aber der K'nani vor der Einwanderung Abrahams selbst nach nicht überall in Palästina seßhaft war, ergiebl sich aus der zweiten fraglichen Stelle, wo es zum ersten Male heißt: ״und der K'nani und Perisi wohnte (ישב) damals im Lande." Dies aber spricht zu einer Zeit, da Abraham nach seiner Rückkehr aus Aegypten zum zweiten Maie zwischen Bethel und Ai sein Zelt aufgcschlagen hatte. Man beachte nur die Auslastung des Verbums in dem Satze: והכנעני אז כארץ, wodurch jedes Zeitverhältniß ausgeschlosten bleibt und der noch schwankende Zustand im Lande angedeutet.sein mag, nnb wiederum das bestimmte: ישב »woh- *) Die Coujunction 1 ist nicht nur verbindend, sondern auch erklärend und rmgegenjetzmd, je nach ihrer Steilung von Erujai-, Folgerungssätzen u. s. w. neu", an der zweiten Stelle, und die Richtigkeit unserer Erkläruag dürfte entschieden sein. Es kontmen hiezu aber noch folgend« beachtenSwerthe Moment«, tzlcn. 10, 18 wird ausdrücklich berichtet, daß die Riederlaffung de- K'nani innerhalb der daselbst (B. IS) gezogenen Grenzen erst später eintrat, als die der altern Chamiten in ihrem Lande. Und so ersehen wir in der That audem späteren SiegeSzuge deS Kedorloomer und seiner Berbündeten, die hier hauptsächlich noch auf Ureinwohner Palästinas stieße», daß die Riederlaffung deS K'nani selbst nach der Trennung Abrahams und Lot», wenigstens im Binnenlande, nur auf einige Landstriche sich erstreckte. Ja vielleicht gelangten erst jetzt, nach dein BerheerunzSzuge des Kedorloomer und seiner eigenen Flucht vor Abraham und deffen kananischen Bundesgenosten, die Kananiten zu einer ungestörten Ausbreitung im Lande. Während sonach erstere Stelle de» gährenden Zustaud der kananitischen Einwanderung andeutet, den Abraham bei seinem Eintritt in Palästina Vorstand, und der ihn zwang, den fruchtbaren Landstrich Sichems wieder zu verlasten und sein Zelt in dem weniger fruchtbaren und darum weniger begehrtem Gebirgslande, zwischen Bethel und Ai, auszuschlagen, wird unS an der zweiten Stelle von der nunmehrigen Seß- Hastigkeit seitens des K'nani und Perisi, selbst in dieser Gebirgsgegend, erzählt und ei» Grund mehr angegeben, weßhalb es Abraham und Lot mit ihren großen Heerden zu eng hier wurde. Auf eine andere Weise läßt sich nicht absehen, waS die zweite Stelle noch besagen will, nachdem an erster«! schon die Anwesenheit des K'nani im Lande erzählt ist. Nach dieser Erklärung ergiebt sich, daß beide Stellen nur als mosaische recht verständlich sind und in den Sinn des ganzen paffen, hingegen als etwaige spätere Zusätze nur abgeristene und weniger verständliche Notizen enthielten. vr. M. I. Mühlfelder. 1- Lileraturbericht. Rccensionkn. Arirdmann, M. Der Blinde in dem biblischen und rabbinischen Schriftthume. Beitrag zur jüdischen AlterthumSkünde. Wien 1873. Es war ein sehr ansprechender Einfall deS anschlagfrohen L. A. Frankl, die Gründungsgeschichte des durch ihn geschaffenen israelitischen BlindminstitutS *) in Wien durch einen Beitrag wissenschaftlicher Art bereichern zu laffen, der den Blinden im jüdischen Schriftthum zum Gegenstande haben sollte. Zur Ausführung dieser Untersuchung hat er den bekannten, verdienstvollen Gelehrten M. Friedmann in Wien angeregt, der in der That vorzüglich berufen war. den zerstreuten Stoff zusammenzutragen und zu gliedern. Es gab zwei Arten, diese Aufgabe zu lösen. Die verschiedenen Angaben, die vornehmlich in der rabbinischen Literatur über Blindheit und Blinde sich finden, konnten mit den übrigen, auS den! Alterthum von andrem Böllern her bekannten Anschauungen und Vorstellungm zusammengehalten werden und so durch Vergleichung die Aufsassung und Kmntniß dieses Leidens, wie sie in Israel verbreitet warm, beleuchtet erscheinen. Zu dieser Arbeit gehörte vor Allem ein sicheres Berstänvniß der rabbinischen Berichte, das aber nach dem heutigen Stande unserer rabbinischm Lexicographie durchaus nicht oorhandm ist. Es tagt sich nicht leugnm, daß in dieser Behandlungsweise viel Verlockende» liegt, ja daß diese die allein wissenschastlich fruchtbare gmannt werde» kann. Jedoch ist eben die Unmöglichkeit, in dm wichtigsten Punktm eine Vergleichung anstelle» zu können, von viel zu sehr bestimmender Bedeutung, als daß nicht der Versuch solcher Behandlung bald anfgegebm werden müßte. Es blieb somit nur die zweite Art, den Gegenstand zu behandeln, übrig, nämlich die, ״den in der altjüdischm Literatur zerstrmtm Stoff zu sammeln, zu ordnen und wiederzugebm, so daß diese Arbeit jedenfalls als ein Beitrag zur jüdischen Alterthumskunde geltm mag." Diesen Weg hat Friedmänn eingeschlagm; man darf daher nicht von ihm fordern, was er nicht zu leistm unternommen. Seme Ausgabe war «4 nur, alles Wissmswerthe über den Gegenstand, soweit di« untersuchten Quellm es bieten, zusammenzustellm; weitiäufig« Erklärungen schwieriger *) Das Blindeninstitut auf der hohen Warte in Wim. Monographie nebst wiffrnschastlichen und biographischen Beiträgen. Wien 1373. Luratorium des iSr. Blindeninstituti.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.