Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- 13. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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— 52 — Punkt« darj man bei ihm nicht suchen. Zn zwei Theilen und einem Anhang hat er den aus völlig zusammenhangslosen Einzelheiten bestehenden Stoff bewältigt und übersichtlich »ntergebracht. Der erste Theil handelt, wie der Inhalt dies ganz klar erkennen läßt, eigentlich nur vom Auge, seiner Krankheit und deren Behandlung, enthält also gewissermaßen den anatomisch-pathologischen Theil, während der zweit« sich mit dein Blinden, de: Blindheit und deren Geschichte, also dem historisch-psychologischen Theile beschäftigt. Es läßt sich der Anordnung eine klardurchdachte Folgerichtigkeit nachrühmen, die bei der Zusammeithangslosigkeit und gleichsam Sprödigkeit des Gegenstandes nicht eben leicht zu bewerkstelligen war. Der Anhang enthält eine Zusammenstellung zum Theil sogar eine Charakteristik der in der Bibel und im Talmud vorkommenden Blindm. Mai» erkennt hierin das deutliche Bestreben, in dieser Arbeit alles auf Blindheit und Blinde im altjüdischen Lchristrhum zerstreu, sich Beziehende gewissenhaft und mit möglichster Vollständigkeit vorzusühren. Aber nicht über zerrissenes Geröll führt uns der Weg, eben und zusammenhängend verläuft die Darstellung, die di« Einzelheiten geschmackvoll zu veriveden und zu verwerthen weiß. Doch hat der im Ganzen dürftige Stoff die Gefahr geboten, daß in harnrlosen Einzelheiten zu viel gejucht und darnni gesunde» werden tonnte, aus uusruchtdar steinigen Lyatsachen geistige Funken geschlagen und fünft־ sich hervorgelockt würden, und dieser Gefahr ist Ariedinann oft nicht entgangen. Einige flüchtige Beinerkungen mögen dies zeigen. — Di« Gleichnamigkeit für ״Auge" und ״Quelle" im Worte יןץ erklärt sich leicht. F. glaubt aber, der durchaus verständlichen Erklärung dieser Thatsache »och die neue hinzusüge» zu muffen, die diese Gleichnaniigkeit ״in einer alten mythischen Vorstellung", nach welcher der Quell des Lichtes und des Wassers einem Dämon zugetheilt war, begründet sieht (6. 84). Solche Ueberspitzigkcitcn sind dem gesunden Geiste der Sprache fremd. S. 94 giebt F. es rundweg als Thatsache an, daß ״Selbstblendune, aus religiöser Verirrung im jüdischen Alterthum" vorgekommen sei. Für eine solche culturgeschichtlich sehr wichtige Angabe sollte inan unumstöhliche Beweise erwarten. F. stützt sie aber aus die dcrusene Stelle Matth. 5, 30—7צ, wo vom Ausreißen des rechten AugeS die Rebe ist. Zwar sagt F. selbst, ״diese schwärmerische Aufforderung sei nur figürlich" gebraucht worden, fügt aber hinzu: ״unter dem Volke wurde ihr wahrscheinlich genügt." Diese Vermurhung würde kaum ernst zu nehmen sein, wenn nicht F. dies ״durch die älteren rabbinischen Nechtsquellen zur Genüge bewiesen" sände. Aber der Hintergrund der halachischen Ber- Handlung über Selbstverstüinmelung an Auge und Hand mag eher ein politischer, wie schon Rappoport (}. Haschachar 4, 194) vermnthet, als ein religiöser gewesen sein, wenn überhaupt mehr als ein Rechtssall dahinter liegen soll Ader Thalsachen beweiseit und solche weiß F. — nicht auszubringen, denn die ״Sagen und Erzählungen", die von solchen Selbstblcndungen berichten, finden sich nur erst in spärlichen, späten und trüben Quellen ivgl. 1, 117—119 in den Anmm.) Die Beweise sür die als Thatsache angegebene Häufigkeit der Selbstblcndung im jüdischen Alterthum wären also noch zu erbringen. Ebenso sind die Beweise sür das behauptete häufige Vorkommen der Blindheit im alten Israel unzureichend, so der Beweis aus den biblischen Gesetzen zum Schutze der Blinde» (S. 192), die bloßer Ausfluß der milde» Weisheit sein mögen, wie sie die Bibel auch gegen den Tauben dethätigt. Wen» A. aus den angeblich fünf prosaischen und neu» poetischen Redeweisen, die die hebräische Sprache ausweise» soll, ״einen noch schlagenderen Beweis für diese Thatsache" ableiten will, so müßte eben erst bewiesen werden, daß alle diese Ausdrücke wirklich Blindheit bezeichnen. Auch die rabbinischc Sprache soll in dem Ausdruck סגיא נהורא ,,der Lichtreiche" sür ״Blind" das Gleiche beweisen. Wenn dieser Ausdruck überhaupt nicht ein Wunsch ״er,möge viel Licht haben", מאוד עי(ים aber (2 Amu. 1(5) eine Elypse des gleichen SiniteS sein soll, so beweist er die Häufigkeit der Blindheit zum utinvcsten — nicht. Eine wohl kaum erlaubte Verallgemeinerung ist es, 10 seiusühlig und psychologisch taktvoll sic auch bemerkt wird, wenn S. 106 gesagt ist, ״daß Blinde manchen Dingen, welche einen bcstimmlen Ausdruck zu ihrer Bezeichnung haben, Namen geben, die von einer Gehörwahrnehinung herrühreu." Wenn R. Joseph (Hub. l.athra 23 a) oen Raden ״Korkor" nennt, so mag dies vielleicht gar ein lautmalender Ausdruck der Volkssprache gewesen sei», wie auch im Lat. eorvus und »»Deutschen״Krähe" das onomalopoelischc Element dieses Namens dem- .ich ist. Verfehlt scheint — last not least — die Ableitung des schwierigen Ausdrucks עיניו מלודניות aus dem Targumworte מלדנה , wonach die Uebersetzung ״aus der Scheide d. h. aus der Höhle heraustretende Augen" lautet, (l, Anm. 57.) Dieses Wort wäre »ach dieser Ableitung ein sprachliches Ungeheuer, das der rabbinischen Wortbildung noch weit mehr und gerechtfertigteren Spott cintrüg«, als das übelberuscne Verbum תרש , von תרומה gebildet, da das Targumwort מלמה als Uebersetzung von 1 מתערה. Sam 17, 51, aus der Präposision לדנה «״» מן — מ - de!» heb:. נדנה (>-Chr. 21,27) zuiammcngesetzt, unmöglich noch weiter als Grundwort zu nelie» Bildtingen verwendet werde» kann. Solche Einzelheiten thun übrigens der Bcdeutung des Ganzen keine» Eintrag, das immerhin als eine schäyenswerthe Leistung begrützt werden muß. Die jüdische Literatur ist nicht so glücksich wie die übrigen, Nachschlagewerke zu besitzen, in denen über die Anschauungen und Lchrbegrisse, die das jüdische Alterthum über die vertchtedensten Gegenstände sich bildete, Umiassrnoes uno Sicheres ju holen wäre. Zusammenstellungen, wie die vorliegende, wenn sie mst jolchei» Fleiß« und solcher Sachkenntniß und obendrein in so geschmackvoller Darstellung angeserligt sind, wie dies«, verdienen als dankenswerth« Borarbeiten zu umfaffeuderen Werken Anerkennung und Verbreitung. Die modernc jüdische Wissenschaft bedarf der tüchtigen Monographiecn nur zu sehr, denn ohne die Sicherheit und Verläßlichkeit des Einzelnen entbehrt das Ganze des dauernden Haltes. D. St. Aka«i, B. Salomo. Sittenlehreu und Sittenschilderungen der spanischen Inden im Anfänge des 15. Jahrhim derks geschrieben. (Zum zweiten Male mit verbessertem Texte und Zusätzen herausgegeben van 1)r. Äd. Jellinek. Wien 1878 Herzseld und Baner. Es giebt nichts Neues unter der Sonne, sagt der Prediger. Ob er diesen Satz auch aufrecht erhalten haben würde, wenn er den Verfall de« JudenthumS in unseren Tagen mitangesehen hätte, daran hat füglich schon Mancher gezweifelt. lind doch gilt sein Satz auch hier, es hat selbst mit dem Zudenthum bereits ganz ebenso schlecht ausgesehen, wie heute. Und es ist nicht gleichgültig, dies nachgewiesen zu sehen, von Augenzeugen aus längst verwichenen Zeiten sich dies bestätigen z» laffen. Der Uninuth, der inanchen Treugesinnten ob des Treibens von heute ergreifen möchte, ist ein gefährliches Gefühl. Wunder geschehen nicht mehr und da dein immerwährenden Sinken der Religion von keiner Seite Einhalt gethan wird, so glaubt dann selbst der der Geschichte unkundige Fromme, es sei zu Ende mit ihr, eine Wiederbelebung gar nicht zu hoffen, das Judenthun, todt sür iminer. Da sind dcmt die Zeugnisse von Werth, die gleiche und noch ärgere Zustände schildern als die heutigen. Vom Ende des 14. Jahrhunderts erzählt uns in diesein nunmehr in zweiter Auflage erscheinende!» Schristchen Joseph Alami, wie die Juden seiner Zeit in Spanien geehrt und hochgestellt waren, aber auch, wie ״Ieschuruin ausschlug" und den angestaininten Glauben schnöd verwarf. Putzsucht und Verschwendung, Betrügerei und schmutzige Gewinnsucht, Verachtung der jüdischen Wissenschaft und ihrer Träger, Entheiligung des Gottesdienstes, Prunk und Leerheit i» den Bethäusern, Unwiffenheit der Vorsänger, Schlafen bei der Predigt, offene Entweihung des Sabbath uns der Gesetzesvorschriften — und das uni 1391. Man könnte sich einen Nutzen versprechen voit dein Schristchen, dem sein unermüdlicher Herausgeber einige Beitrüge ähnlicher Zeugnisse angehängt hat — es ist aber gut hebräisch. D. St. Literarische Notiz. Dcr Dichter und Gelehrte R. Moses Sakkuto, geboren in Amsterdain 1649 und gestorben zu Mantua im Jahre 1697, war ein Schüler des Amsterdamer Sderrabbiners R. Saul Morteira. Sein; talmudischen Kenntnisse waren allgemein anerkannt. Als Kabbalist erwarb er sich einen großen Namen; seine zahlreichen Werke über die Kabbala haben ihrer ' Zeit großes Aussehen erweckt. Auch als Dichter wird er gelobt. Viele, sowohl große als Keine, Gedichte sind von ihin gedruckt. Das portugiefisch-israelitische Seminar tn Amsterdam besitzt ein Manuskript mit dem Titel ׳שירי ומכתבי מהר״ם זכות worin viele Gedichte und Prosastücke von ihm Vorkommen, die bis heute unbekannt sind. Wir theilen die nachfolgende» (nach den Mittheilungen eines gesch. Mitarbeiters aus dem ״Nieuw Israel. Weckbl." Nr. 35) als Probe mit: יום בא א׳ מגדולי המשוררים לנסותני בשתי שורות אלה שבכל מלה ומלה תמצא הצ״די וסמן נתן ואשר לו צ״ד• אץ יחרץ חרוץ ורוץ ירוץ יצוק להציק צר ויפרץ פרץ׳ יציל אצילי נוצרי מצוד. יציק להציק צוץ מצוקי ארץ: אני השיבותיו בתשלומי כפל וקראתיו ציידי המכפלה: יוצג עצת קצין בצדקתו יעלוץ וינצל באומץ מרץ קצב בצרותיו יצו הצור קבץ יקבצנו לדיצת ערץ וצבא מציקים צוררי צדיק יצוד כהצפור בצני קרץ ובקץ צבא קיצם עצמיהם יצמית בצרבת וצור החרץ ואחר כן שלחתי לו זה ואמרתי יאמר נא ב״ית אח״רון ידאב ורב ירעב לבב שובב יכאב ויתעצב לרוב זהב ירחיב כאחאב לב ויתלהב ויאהב הב הב לרוב זהב כזאב בחרב יחריב משגב ולהתקרב יקרב לרוב זהב מריב ודובב מקשיב כזב •עקוב ורב ׳קוב לרוב זהב רוכב ושוכב יתשוב יתאב ילעיב באב יתעב לרוב זהב ישוב ויסוד יעזוב הטוב יוסחב בגב רגב ברוב זהב Verantwortlicher Rebacteur: l)r. M. Rahm er. Druck u. Verlag von Schar nke L Eüppers i» Barby.