Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- 13. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/5367336-5990812-5990915--0295-5367406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 50 — Ewald ist, wie so oft, dem Richtigen wieder s'hr nahe; aber gleich darauf verläßt er die gefundene richtige Spur wieder. Er sagt nämlich in einer Anmerkung zu unserer StM: ״Und ankündigen wird sich jener große, ,chreckliche Tag der richtenden Jahre durch alle die schrecklichsten Zeichen am Himmel und ans der Erd«, wie sie nach bereits Erlebtem die Einbildung jenen! großen und schrecklichen Tage entsprechend noch ungeheurer und schreckender sich denkt, als Blut und Feuer in der Luft (ein Phänomen, wie das neulich im Asiatic journal, Nov. 1838 oder Ausland 1839, Jan. S. 84 aus Indien berichtete), Rauchsäulen, wie sie bei Erdbeben aus Bulcanen aufsteigen, Sonnenfinfternisie u. s. w." — In V. 5 drückt Joel mit andern Worten dasselbe aus, was Amos (IX, 9. 10) sagt, daß Gott von seinem Bolle nur diejenigen an der verheißenen, idealen Zukunft wird theilnehmen taffen, die Gott anrufen und rhu wahrhaft bekennen. "Run geht der Prophet aus den schon angedcuteten Gerichtstag Chiles gegen die Juda feindlichen Rationen näher ein. Gott werde alle diese Rationen in das Thal Josaphat (des Gottesgerichts) versammeln uild mit ihnen dort Abrechnung halten für das, was sie seinein Bolle angethan, indem sie es unter die Völker zerstreuten, sein Land unter sich thcilten, durch das Loos ausgewählte Knaben und Mädchen schnöden und geringen Gewinnes halber in die Sklaverei verkauften. Darauf werden die Völker selbst angeredet, nämlich Tyrus und Sidon, also die Phönizier und die Philister, welche beide ail Juda Vergeltung üben wollten für ihnen angethane Unkillen. Daß dieser Theil des Cap. IV mit Amos I viele Vergleichungspunkte hat und auf eine Gleichzeitigkeit beider Propheten schließe» läßt, ist klar und ist auch von Kar blickenden Exegeten angcdeutet worden (vgl. Bleek, der Prophet Joel). Daß Joel hier die Edomiter nicht nennt, die Amos an jener Stelle als die erbittertsten Feinde darstellt, ist einfach dadurch zu erklären, daß er ihnen eben als den erbittertsten Gegnern eine längere Strafrede hält, die bald darauf folgt, und sie auch gleich daraus am Ende des Buches noch einmal nennt. Als Einleitung zur Ankündigung dieses Strafgerichtes dienen mehrere Verse, in denen die umliegenden Völker, von denen, da Phönizier und Philister schon früher abgefertigt worden, als eigentlicher benachbarter Gegner Judäas nur noch Edom übrig bleibt, sich zum Känrpf zu rüsten aufgefordert werden. Auch wird ihm eine sichere Niederlage verkündet, da das Maaß seiner Vergehungen voll ist, und es gleich überreifem Getreide gewissermaßen mit der Sense weggemäht werden würde. — V. 45 und 16 schildern, wie schon oben erwähnt, das Erdbeben, d. h. der Prophet nimmt die Naturerscheinungen vom Erdbeben her, um den zukünftigen Schrecken und die Angst der besiegten Feinde ins rechte Licht zu setzen. Tabei werden die Israeliten gerettet werden, indem Gott ihnen Stütze und Schirm sein und in Zion oder Jerusalem thronen werde, das dann von keinem feindlichen Fuße mehr betreten werden soll. — V. 18 enthält wiederum einen Trost nach der Heuschreckenplage und der Dürre, indem große Fruchtbarkeit an Wein und Getreide und beständige, befruchtende Gewässer verheißen wird. — Daß in V. 19 plötzlich Egypten, das bisher im ganzen Buche nicht genannt ist, als Feind Israels auftritt, ist allerdings etwas auffallend. Es ist aber wahrscheinlich, daß die Egypter zu gleicher Zeit Judäa angegriffen haben, da zu jener Zeit, wie aus Obadja ersichtlich ist, mehrere Völker in Judäa eingefallen sind. Die Anschuldigung des Blutvergießens bezieht sich jedoch gewiß mehr auf Edom, das sowohl in Joel, wie in Amos als erst vor Kurzem Krieg führender Feind Israels fortwährend bezeichnet wird, während Egypten nur an dieser einen Stelle erwähnt ist. ״Die Edomiter", bemerkt Bleek zu unserer Stelle, ״müffen allerdings wieder vor Kurzem Einfälle gemacht HLben. Dies ergibt sich auch aus Auws I, 11." (Schluß folgt.) Die Astronomie im Bom Dr. I. .Hamburger. (Fortsetzung.) h. Die Sonne. Schon in Abtheilnng I. ArtHel: ״Sonne" bemerkten wir, daß auch nach der Bibel die Seime nur ״Leuchte," maor, aber nicht selbst ״Licht," or, ist. In diesem Sinne wird ihre Bestimmung in Bezug auf die Erde von einem Lehrer des 2. Jahrh., R. Jochanan, angegeben: ״Die Sonne ist zum Leuchten geschaffen."' lieber die Planetenbahn der Sonne ist die Mittheilnng nicht unwichtig, daß schon die jüdischen Weisen behaupteten: ״das Rad, die Sonne, stehe fest, und die Planeten wandeln" gegen die Annahme der Weisen anderer Völker, ״daß die Sonne sich bewege und die Planeten feststchen."' Doch nahmen auch sie eine Bewegung der Sonne au und zwar, wie R. Juda L in einer Unter.׳ redung mit Antoninus (s. d. A) bemerkt, in der Richtung von Osten nach Westeir.' Die Andeutung einer Ellipsenbewegung haben «vir in - dem Streit zweier Lehrer des I Jahrh. n., des R. Eliefer und N. Josua, von denen der Eine die Erde mit einer Halle vergleicht, bereit Nordsiite nicht eingeschloffen ist, so daß die Sonne dort über den Horizont steigt, aber der Andere die Erde eingeschloffen (rund) darstellt, so daß die Sonne bei Nordost wiederkehrt.' Mit der Ansicht nichtjüdischer Weisen ist die Lehre des N. Juda I. (im 2. Jahrh.), daß die Sonne des Nachts unter der Erde, bei den Antipoden, sich befinde.' Wie in dieser Annahme der Wechsel zwischen Tag und Nacht, so wird auch der von den Jahreszeilen auf die Nähe und Entfernung der Sonne in ihrem Einfluffe auf die Erde zurückgeführt. Im Sommer ist die Sonne in der Höhe des Himmels, so daß deren Strahlen senkrecht fallen, daher die Wärme auf der Erde und die Kälte in den Quellen/ aber im Winter befindet sich bie Sonne an dein Rande, שיפולי des Himmels unseres Horizontes, ihre Strahlen fallen nur abschüssig, es ist somit auf der Erde kalt und in der Erde warm.' Eine andere Stelle macht dies noch deutlicher: ״In den Monaten Nisan (April), Jjar (Mai) und Sivan (Juni) tritt die Sonne am Horizont hervor unoerhüllt, frei und hell, בהדיא, um Schnee und Eis zu schmelzen; im Tamus (Juli), Ab ^August) und Ellul (September) durchzieht sie die bewohnte Welt, um die Früchte reif zu machen; im Tischri (Oclober), Cheschwan (November) und Kisleo (Dezember) ist sie in den Meeren, um die Ströme auszuirocknen; im Tebeth (Januar), Schebath (Februar) und Adar (März) befindet sie sich in der Wüste, damit sie die Saaten nicht ausdorre."' Man hat in diesem Ausspruche, wo vom Lause oder den» Befinden der Sonne die Rede ist, nur an ihren Einfluß zu denken, und die Angabe» bedürfen keiner weitern Erklärung. Genauer ist die Sonne in ihrem Einfluffe auf die Erde angegeben in den Benennungen der 4 Jahreszeiten durch: ״Thekuphoth," Wenden: 1 der Frühling: ThekuphathNisan,Wende des April, der Eintritt der Sonne in das Sternbild des Widders; 2. der Sommer: Thekupoath Tamus, Wende des Juli, Eintritt der Sonne in das Sternbild des Krebses; 3. der Herbst: Thekuphath Thischri, Wende des Oktober, Eintritt der Sonne in das Sternbild der Waage und endlich: 4. der Winter: Thekuphath Thebeth, Wende des Februar, Eintritt der Sonne in das Sternbild des Steinbockcs.' Ebenso wird die Verschiedenheit der Zeit der Tag- und Nachtlänge bezeich: net: 1. Thekuphath Nisan, Wende des April, bis Thekuphath Tamus, Wende des Juli, ist die Zunahme des Tages, der Tag leiht von der Nacht; 2. Thekuphath Tamus, Wende des Juli, bis Thekuphath Thischri, Wende des Oktober, ist die Zunahme der Nacht, der Tag zahlt der Nacht zurück; Thekuphath Thischri bis Thekuphath Tebeth, Wende des Februar, wächst die Nacht, die Nacht leiht vom Tage, und Thekuphath Tebeth bis Thekuphath Nisan, Wende des April, wächst der Tag, die Nacht giebt dem Tage chr Geliehenes zurück." '" Im Ganzen wird der Lauf der Sonne, wie wir schon oben ׳ bemerkten, nach 12 Monaten bestimmt.' Das Sonnenjahr ist