Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- 13. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5367336-5990812-5990915--0294-5367405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MW l'ilcraliirlilnit. Z»r Beleuchtung aller -«dentham u Juden betreffenden liltrurischen Lrscheinunge» aus dem Gebiete der Philosophie,Geschichte.SthnogrLphie.Lhrologie, prientolio. Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di׳. M. Rahme» in Magdeburg, Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Ned de« ״Ii». pteraturbtatt" in Magde'-'rg (aber der ״Jorael. «ochenschr.- in Stettin);»gesnndt «erde», finden in diesem Platte eiagetzeude Ptsfirechung. 13 Erscheint 1—2mal monatlich. Preis pro Jahrgang 1 Thlr. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochen- ♦ schrift" gratis. Zu beziehen durch alle Postanstalien u. Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese 2. Jahrgang. Ueber das Zeitalter der Propheten Joel, Amos, Obadja. Von Dr. S. Kusnitzki. (Fortsetzung.) Ich gehe, da ich hier nur die wesentlichsten und für meine Behauptung wichtigsten Stellen berühren kann, sogleich aus V. 10 über, aus den ich in der Erklärung des Cap. I V. in Autos andeutungsweise hinwies, als ich von den Gründen sprach, die inich zu der Annahme veranlaßten, daß die dort in V. 9 angekündigte Dürre und Heuschreckenplage vou Auws als zukünftige angegeben werden. Hier in V. 10 sagt Joel ganz deutlich: ״Vor ihm (dem Heuschrrckenschwarme) erzitterte die Erde, erbebten die Himmel," worunter gewiß nur das Erdbeben genuint ist, wie derselbe Ausdruck in Bezug auf das Erdbeben auch von Amos gebraucht, wird (Cap. VIII, 8: העל זאת לא תרגז הארץ)• Außerdem weist uns der -Mite Theil des V. 10 auf Cap. IV, 15 hin, der diesem wörtlich gleicht, und an den sich der die Erscheinungen beim Erdbeben schildernde Vers sofort anschließt; auch schon der erste Theil unseres Verses hat dort in V. 16 eine entsprechende fast durch dieselben Worte ausgedrückte Stelle (ורעשו שמים (ארץ), wo nur ein Zeugma angewendet ist. Daß aber dort von den Erscheinungen des zu Amos Zeit stattgehabten Erdbebens die Rede ist, geht aus der vollständigen Gleichheit des ersten Theiles des betreffenden Verses mit dem ersten Theile des V. 2 im Cap. I des Amos hervor. Daß die neuern Exegetcn von der Beziehung dieser beiden ganz gleich lautenden Schilderungen Nichts ermähnen, ist wunderbar. Rah in er thut der Gleichheit dieser beiden Stellen Erwähnung, indem er (vielleicht zur Entschuldigung Amos') nleint, Amos hätte einfach von dem Ausspruche Joels Gebrauch geinacht, um ״sich gleich im Eingänge seiner Rede als dessen unmittelbaren Fortsetzer" zu bekennen. Daß aber Joel ntit denselben Worten auch dieselben Erscheinungen, das Erdbeben schildert, hat auch er übersehen. In einer Anmerk. bezieht er die beiden in Joel vorkommenden, dasselbe fast mit denselben Worten sagenden Stellen (Cap. II, lO u. 11, n. Cap. IV, 15 u. 16).auf den Donner, der die Heuschreckenschwänne verscheuchte (Grätz' Monatsschrift 1870, c. 293). — Diese Ansicht scheint jedoch nicht ganz wahrscheinlich zu sein. Ein Prophet, wie Amos, wird wohl schwerlich an die Spitze seiner Reden gewissermaßen als Motto einen Ansspruch setzen, den ein anderer Prophet zur Bezeichnung eines ganz andern Ereignisses, u. noch dazu eines ncbensächlichen, gebraucht hat. Etwas Anderes ist es schon, wenn beide Propheten dasselbe wichtige Ereigniß schildern. Clelsen wir nun zu der Stelle zurück, von der wir etwas abgelenkt haben, zu Joel II, 10, so sagt der Prophet in diesem Verse: Vor ihm (dem Heuschreckenschwarme) fand ein Erdbeben statt u. s. w, Demnach würde für uns daraus folgen, daß das Erdbeben zu Amos' Zeit früher - stattgesnnden hat, als die Heuschreckenplage und die zu gleicher Zeit herrschende Wasseruoth und Dürre. Daß die beiden Plagen kurz, ja unmittelbar auf einander folgten, scheint aus dem folgenden Verse her orzngehen: ״Und der Ewige läßt seine Sttmme erschallen vor seinem Heere; denn sehr zahlreich ist sein Lager" u. s. w.*) Der Prophet sieht also das Erdbeben gewissermaßen als Vorboten der Heuschreckenplage an. Hiernach war es Joel, der von Amos die das Erdbeben schildernden Worte entlehnt hat. — Der Ausgang des V. 17 sowie der des V. 19 sagen deutlich, daß das Volk außer der damals herrschenden Heuschreckenplage uoch kurz vorher vom Kriege heimgesucht worden sei, in Folge dessen es seine volle Selbstständigkeit wenigstens eine Zeit lang eingebüßt habe. Dies ergiebt sich auch aus dem in den beiden letzten Versen des Cap. II sich wieder- ,hylenden Schluß, der durch diese Wiederholung an Kraft und Nachdruck gewinnen soll. Er soll gewissermaßen eine tröstende und aufrichtende Antwort Gottes sein auf das Clebet der Priester in V. 17. In den beiden letzten Capiteln setzt der Prophet seine trostreichen und ermuthigenden Verheißung-m für die Zukunft fort, aber in gesteigertem Maße, indem er gleich den andern vorchiskianischcn Propheten auf eine glückliche, messianische Zeit hinweist, deren Eintreten besonders damals von den in Folge so vieler vorangegangener Plagen und Leiden gebeugten und für das Kotteswort empfänglichen Gemüthern der Judäer auf das Sehnsüchtigste herbcigewünscht werden niußte. Hierbei läßt sich ebensowenig, wie bei Amos der Hinblick und die Bezugnahnie auf die noch bei den Zeitgenossen in frischem Angedenken lebenden Heimsuchungen und Qualen verkennen. Ist vorher ein allgemeiner Gerichtstag Gottes prophezeit worden, damit an dem Volke selbst seine Vergehen und Gräuelthaten geahndet werden, so wird von nun an ein strenges Gottesgericht über die Völker verkündet, die Juda gepeinigt und treulos an ihm gehandelt haben. — Gleichwie Amos (VIII, 11. 12) das Eintreffen einer befferen, idealen Zeit in dem Erwachen des Wiffensdurstes und in dem Suchen und Forschen nach dem Gottesworte erkennen läßt, so sieht auch Joel (III) in der allgemeinen Gotteserkcnntniß, in dem ״Sich-Ergießen" des göttlichen Geistes über Jünglinge und Jungfrauen, über Sclavcn und Sclavinncn das eigentliche Merkmal einer segensreichen, glücklichen Zukunft. — Die verschiedenen VRrhrzeichen, die der Prophet hier angiebt, scheinen ein Erzcugniß seiner von dem kürzlich Gesehenen und Erlebten noch aufgeregten Phantasie zu sein und wahrscheinlich in gesteigertem Maße die das Erdbeben begleitenden Raturer cheinungen zu enthalten. *) Ich glaube, ba& der Ausdruck לפני hier nur oder wenigstens besser als temporal zu fassen ist. Der Prophet sagt, daß Gott der yerrschenven Heuschreckenplage eine andere oorauSgesch.ckt habe: den» zahlreich ist sein Lager," d. h. verschiedenartig sind die Plage», die Go.t gewissermaßen als seine Boten und Vollführer seines StrasgerirbtS aus die Grde sendet.