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Das jüdische Literaturblatt · 1873-01-01 · 11.12. (1873) · p. Seite 46

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
11.12. (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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— 46 — unb Ehrfurcht, endlich Gebote, Borschristen. Satzungen, Zeugnisse, aber keine Glaubenslehren. baS ist eine Einmischung philosophischer nichtjüdischer Element«. Der Berf. theilt die Wichten ferner in die bekannten 3 Theile: im Grunde jedoch sind nach israelitischer Auffassung alle Pflichten Pflichten gegen Gott. *) In den einzelnen Abschnitten finden sich Definitionen, di« nicht adäquat sind; so die von Religion, Frömmigkeit, Eid; Auffassungen, die den Kern der Sache nicht treffen, so z. B. die über Gebet. Wir haben eigentlich wenig Tesilloth und Techiiwth, dagegen recht viel« Stück« aus der Thora, dm Psalmen, Prophetm, dem Talmud, endlich Pijutim. Alle diese Erzeugniffe der synagogalen Andacht Gebete zu nennm und sie nicht jo zu scheidm, wie sie in der That geschieden sind, dünkt uns eben «ine unrichtig« Auffassung; «S gibt kein Schema-Gebet. — Solche Gründe ferner für Gebot« und Verbote anzugebcn, die nicht seststehm, ist in der Schule bedenklich, wenn man sie als die alleinigen und unzweiselhasten darstellt. Dies thut der Versaffee z. B. bei dm Sprisegejetzm. Wir jandm es ebmso bcdmklich, wmn Vers, unter dein Ramm ״religiöse Gebrauche" nur hauptsächlich Milah, Tephillin, Zizith, Mcsusoth nennt, und in einer Anmerkung kurz die Speisegesetze, Trauergesetze berührt. Der AuSdruck ״Gebräuche" für biblische Gebote ist entschieden verwerflich, nnd dazu ist es gerade in unserer Zeit Pflicht, diese so sehr vernachlässigten Mizwoth zur Achtz.ng zu bringen, und leine wegzulassen, wie es Vers, timt. Wir vermißten ferner bei dem Kapitel: Gottesdienst, die Erwähnung der 4 ausgezeichneten Sabbathe, bei dem über Eid wirb die Vorsicht in Gelübden uno Bctheurungr» u. s. w. nicht scharf genug hervorgehobm. Es ist auch nicht richtig, wmn der Vers. (S. 37) dem Meineidigen jede göttliche Versöhnung abjpricht. Sonderbar ist auch die Bezeichnung: ״Messiasreich" und dabei die Umgehung der Annahme eines Messias in der Definition. Entweder man gebe den Ausdruck ״Messias" aus, oder crkmne an, daß die Z e i t des Messias ohne das persönlicheErscheinen eines solchen undenkbar ist. Auch der Ausdruck ״Sage" (L. 29) siic Haggada har etwas Anfechtbares; ״Erzählungen" ist rnsosern besser, als es von dem verletzenden Nebensinn srei ist, dm das Wort ״Sage" hat. Z»>» Schluffe köunen wir an Aeuszezlichkeiten bemerken, daß diese 22. Auslage viele Druckfehler (besonders in den hebr. Wörtern) hat, auch sind die Angaben über den Fundort einzelner Videlstellcn nicht ganz eorrect. Am Schlüsse des ReligionSelemmlarunterrichts als Vorbereitung zur Entlassung wirb das Merkchen, nach der oben angegebene» Seite verbessert, sür Mädchen und sür Knaben, die wenig hebräisch gelernt habm, recht zweckmäßig und nutzbringend sein, Wohl aber der Religionsschule, die soviel im Hebräischen leistet, daß sie aller systematische» Religionsbücher entbehren kann. (So lange dieser recht ״fromme" Wunsch der, gcsch. Hrn. Reccnscnten sich nicht erfüllt,'— unb eS ist jetzt weniger denn je Aussicht dazu, — wird die jüd. Religionsschule doch zu solchen Hilssmittetn greisen müssen, und da ha: das Herxheimer'sche Religionsbüchlein des ziemlich neutralen Standpunkts wegen, den der Vers, darin einzuhalten sichtlich bemüht ist, — daß es ihn! nicht immer gelungen, gehl aus dir vorstehenden Recension nur allzudeullech hervor. — ein Bürgerrecht in sehr vielen jüd. Religionsschulen sich bereits erworben. Red.) Aueriach, Dr. Aakoö. Biilische Erzählungen für die israclitifche Jugend. Erstes Bändchen. Leipzig: F. A. BrockisltuS. 1873. ״Dein Silber ist zu Schlacken geworden, dein Wein durch Waffer geschwächt." Mit diesen Worten des tiefsten Schmerzes ist auch das ilrthcil über obiges Bändchen gesprochen, dessen V«rsasser eS (Wahlscheinlich auS pädagogischen Gründtii!) gewagt hat, die U> Lundcöworte in seiner Uedersetzung zu verstümnieln, unb ganze Sätze aus ihnen weg;»- iaffen. Die Theorie der Verdünnungen, Extraet« und Surrogate aus dem Gebiete der Religion in der Art dieses Aersassers auSgesührt, wird zu einer Gefahr sür unsere Jugend. Die schönsten biblischen Erzählungen sind in diesem Bändch-n oft ihr-r wichtigsten Stellen beraubt, der Segen Jacobs, daS Lied am Meere, Gespräche der Erzväter mit Gott, die Worte Josephs und seiner Brüder sind zum großen Theile gekürzt und geändert, wichtige biblische Vorschriften wcggelassen oder nur so weit wiedergegcben, daß aus ihnen eine rituale Verpflichtung für unsere Zeit — nicht inrhr zu ersehen ist. Ueber Beschneidung, Verbot des BlutgcnusseS, des Äesäuerten am Pehach, Gebot des Scl.aufädcntragen, der Thephillin, Verbot der unreinen Speisen u. s. w. lein Wort. Versager scheut es auch nicht, neu« Ucb»rfetzung»n zu geben, und statt des biblischen Worte» die liebersetzung des Targun, zu gebrauchen. Aber sonderbar! Eine« hat der Verfasser sür pädagogisch gehalten, «ine Stelle aus Sirach zu eitiren, um eine biblische Lehre anschaulich;» niachcn. DaS Bändchen scheint unS eine giftige Frucht an dem Baume der niodemcn Pädagogik zu sein, deren Wurzeln Nahrung aus dem Sumpfboden religiöser Zwcisclsucht ziehen und drssin Wachsthum die künstliche Gluth mod.rner Bibelkritik und der eisige Wind der nüchternen pietätsloscn Rcsormbcsircbungcn geleitet haben. Wir lünnen darum von der Einführung dieses Schulbändch.ns »n unsere Schulen nur bringend abrathen. Aerkirt, S. Kurz gefaßter Abriß der hebräischen Paul- und Formenlehre. Ha>nburg, Hoffman« u. Campe. 1873. *) 2» systematische» Religionsbüchern für die Schule dürste diese übersichtliche Dreitheilung beizubehalten sein; eine Thcilung in Pflichten gegen Gsü und gegen Neben,»eiffäun sinket s>» schon bei älteren jüd. Religionsphilosophe» und Cominentatore». zRcd.) Dieses zweckmäßig ausgefiattete Büchlein enthält den für den h«- brätschen Elementarunterricht nothwendigsten grammatischen Stoff in angemeffener Gruppirung und kann so für den Lehrer ein Führer fein. Es bwtet aber nur Regeln, sehr wenig Beispiele, A,r kein« Hebungen uno kann deshalb zu stillen und häuslichen Arbcetcn nicht verwendet werden. Im Anschluß an den Uebersetzungsunterricht wird es bei geschicktrin Unterricht dem Schüler die Wiederholung grammatischer Regeln erleichtern. Di« Benennung der Consonanten (ß 1) entspricht nicht der Aussprache sür die Vokal« (§ 2), für die elfteren würde sich tabellarisch« Form der Aufftellung «nlpfehicn; die Form der Regeln ist nicht immer bestimmt genug. Doch ist das Büchlein im Ganzen zu empfehlen. Bücherschau. Schriften in hebräischer Sprache. ס־מנהת אני על התורה• Dieses posthum« Wer? de« fei. OberrabbinerS von Altona. Jacob Sttlingcr, herausgegeben vom Sohne des Vers., enthält Deraschoti! zu sämmtlichcn Wochenabschnitten des Pentateuch, die einen wahren Schatz herrlicher Erltärungen v,n Bidetverfen und Agadoth in sich bergen. Dieselben zeichnen sich ganz besonders dadurch auS, daß der Berf., vertraut mit den die Gegenwart bewegenden Zcitsragen, auch heimisch aus den verschiedenen Gebieten nwdernen Wiffens, eS verstanden hat, das Richtige und Wahre dieses Wiffens durch tunstvolle, aber ungekünstelte Deutung in jene alten nicht jetten dunkeln und räthsilhasten Aussprüche der Agava hineinzutragcn, oder, wie der Vers, gewiß sagen würde, j-nes aus diesen zu schöpfen. Es ist oft überraschend, in tatmudeschen Parabeln, wie z. B. in denen des Rabbi bar bar Ehanah, ganz urovcrne Ideen verborgen zu sehen, die der Vers, glerchsam aus ihnen h, rausschäll. Beispiele dieser Art bietet säst jed« Seite dar. Die Aussrucksweise ist klar und leichtsaßlich. Für Rabbiner und Prediger, denen es bei ihren Vorträgen nicht um bloßes Wortgeklingel und Phrase zu thun ist, sondern die die jüdische Predigt auch mit echljüdischem Geiste und Wissen füllen möchten, dürsten -dies« Deraschoth «ine unschätzbare Fundgrube sür jüd. Hoinilien sein. Der Benutzung des Wertes nach sieser Seile hin wird durch das von Hrn. Lehrer W.ltkowcr in Alwna zusammengestellte Vcrzeichniß der vorkommenden Bibel- und Midrascherltärungen bedeutend erleichtert. Das Werk ist durch denselben Hern» sür den billigen Preis von 20 Sgr. zu beziehen. 2) קדש הלולים Ein« Gedächtnihrede auf R. Simon, den Iochai und R. Mosis IffectS, von Joseph Kohcn-Zedek. (Nebst einem Anhange הוספת קדושה von dessin Sohn David Kohen-Zedel). Attona 1873. Die vorliegend« zur 300jährigcn Gedächtnißseier des רמ״א vom ehemaligen Redakteur des ״Hamewasser" und ״Hanescher" und Herausgebcr des ״Ozar Chochma" und anderer hebr. Schriften bei seiner zufälligen Anwesenheit in Krakau in ein-r dortigen Synagoge gehaltene Derascha, ist ein kleines Originalstück. Der Berf. handhabt die hebr. Sprache mit Meislerschait, mit Geist und — Witz, in Erter'scher Manier, (so läßt er B. den Geizigen singen: ״;מעות ציר* ישועה׳Wztgist" nennt er ״ התן דמים• a- ׳(•»י n schwingt die Geißel der Satyr« über die Bestredungen der Nabbinervcrsaiuuilungen und Synoden, über Hyperlritikcr (wie den Herausgeber des Hechatuz) u. A., man findet vieles Richtige und Geistreiche in dem Schristchen. aber gerade daS, was man von einer solchen Gedächtnihrede zunächst erwartet, etwas über das Leben und die Wirlsamkeit der Gefeierten, über ihren Einfluß auf die Entwickelung deü Jubenthums zu erfahren, vernffßt man ungern darin, und alle Bonmots und noch so scharzsinnigen Aperyu's entschädigen uns dafür nicht. S. 11 bezeugt der Vers., daß der TodeStag des רמ״א laut bft Zuschrift auf seinem Leichcnstcine und nach dem Gemeindebuche לג בעומר שנה ז עזל״ב«»• Der ״Anhang" bringt einen Briesivechs l zwischen dem Vers, und seinem Sohne, der mit einigen Zusätzen des Letzteren zu der Derascha des Erster» schließt. Herr David Eotzn-Zedet berichtigt auch die traoirte Ansicht, daß R'ma nur 33 Jahre alt geworden, er habe vielmehr ein Aller von ü'50 »׳ Jahren erreicht. Hr. Cohn-Zedek (Ms) documcntirt sich ebenfalls als recht g wandten hebr. Stylisten, und sehr bewandert in Halacha und Hagada. 3) Jathan Koronel. זכר ביען Neifecompendium für religiöse Juden, nebst vielen Erläulcrungen über verschicbeue isr. Gebräuche u. s. w. Wien. 1872. Selbstverlag. Dieses Wert enthält eine Zusammenstellung aller von Reisenden zu beobachtenden Goicmonicn und religiösen Observanzen. Lämmtlichc einschlägliche Materien sind vom Verfasser mit einem stauncnSwerthen Biencnfleih meist aus seltenen gedruckten und ungedruckten Ritualwerken und Response» — durch Vermittelung des Bibliophilen I. Halderstamin in Vielitz dem Vers, zu Gebote gestellt — zusammcngetragcn und alphabctisch geordnet. DaS säst 20 Bogen umsaffcnve schön georuckrc Wert, wird, wenn cs nur von solchen gelaust werden sollte, die es gebrauchen könne» und wollen, d. h. von gelehrten und fron.men jüdischen Reisen^» und Auswanderern, nicht allzuviel Käufer finden, darum sollten auch unser« daheinisitzenden Reichen nicht zurückstehe» de» gelehrten und als Editor von kebräisäien bandschrislichcn Schätzen bekannten Verfasser durch Ankauf seines Werkes zu sirneren Editionen auszumuntern.

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