Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- 11.12. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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Bon diesem ihren astronomischen Wissen, wie dasselbe sich in den Aussprüchen des Talmuds erhalten hat, bringen wir hier: I. die Besprechung deS Planetensystems: II. die Bestimmung der Sterne und Sternbilder nnd III. die Beobachtungen der Kometen. Alles Andere, besonders die praktischen Resuitirungen aus denselben, behandeln wir in dem Artikel: ״Aalender." I. Die Planeten. Die Zahl derselben ist hier wie im Alterthum überhaupt, nur sieben, die man die sieben Wandersterne, ׳כוכבי לבת nennt. Einzeln heißen sie: 1. die Sonne, 2 <שמש ׳המד der Mond, 3 <ירח ׳?*בנדן• der Merkur, ׳כוכב Stern; 4. der Venusstern, ׳נונד Glanz; 5. der Mars, מאדים, der Rothe; 6. der Jupiter, ׳צדק Gerechtigkeit; 7. der ©aturn,׳שבתאי der Sabbatstern. Man sieht, daß es griechische Termen sind, die durch entsprechend hebräischeu Namen wiedergegeben sind. *) Gleich den 7 Planeten werden auch sieben Himmel, שבעה רקיעץ, genannt, eine Bezeichnung der sieben kreisenden Bahnen derselben. '1 Ein Anderer spricht von zwei Himmeln, als den zwei Himmelskreisen, von denen eine die Sphäre der Sternen- und Planetenbahnen und die andere die das All umschließende Sphäre ist. ’) Die Lehrer, in deren Namen diese Sätze vorgetragen werden, sind R. Juda und R. Sinion b. L. und gehören dem zweiten und dritten Jahrhundert n. an. Die Umlaufszeit der Planeten wird nur allgemein angegeben: die der Sonne in 12 Monaten, deS MondeS in 30 Tagen, des JupiterS in 12 Jahren, deS SaturnS in 30 Jahren, deS VenussterneS in 10 Monaten und des Mars in 18 Monaten.') Auch den Gebrauch bei den alten Aegyptern, den verschiedenen Planeten in einer gewisien Ordnung die 24 Stunden des Tages zu weihen und den Tag nach den Planeten zu nennen, auf den die erste Tagesstunde kam, oder dem die erste Tagesstunde geweiht war, kannten sie, den sie in ihren astronomischen Berechnungen anwendeten. *) Diesen allgemeinen Angaben reihen wir die der speziellen Besprechung jedes Planeten im Einzelnen an. A. Sonne nnd Erde, a Die Erde. Dieselbe ist nach dem ptolemäischen System der Mittelpunkt, um welche die Planeten kreisen, sie wird in diesem Sinne gleichbedeutend mit ״Welt" ") gehalten und führt im Talmud den Namen: olam, ׳, ׳ע1לםWelt." ״) Doch mied dieses Weltsystem in den vielen astronomischen Lehren des Talmuds schon stark angezweiselt; es werden Beobachtungen mitgetheilt, die mit demselben in Widerspruch stehen. Die Lehrer des 3. und 4. Jahrh. n., R- Jona u. a. m., kennen die Erde in einer runden, kugelförmigen Gestalt, ihnen erscheint sie einem Ballen, ׳כדוד ähnlich. ") Möglich, daß auch die Lehre von der Bewegung der Erde eine Vertreterin in dem Satze hat: ״Warum heißt die Erde im Hebräischen «rez, ׳ארץ Läuferin? (nach Annahme seines Stammes דוץ, laufen, ״Läuferin.") Sie läuft den Willen ihres Schöpfers zu vollziehen. ") Eine andere nennenswerthe Beobachtung ist die eines Lehrers im zweiten Jahrhundert, R. Nathan, die Erde befindet sich unter einem Planeten, der, wohin wir auch gehen, immer in unserm Gesichtskreise bleibt; die Erde ist also nicht der Mittelpunkt der Planeten. (Pesachim 94). Der Umfaug der Erde wird auf 24000 Mil (— 6000 Meilen — dem Umfange deS AequatorS) angegeben. ") Die Entfernung der Erde vom Himmel, dir Sphäre der anderen Planeten (siehe oben was unter ״Himmel" verstanden wird) ist nach dem Lehrer R. Jochana» den Sakai im 1. Jahrh. ein Weg von 500 Jahren. ") Fortsetzung folgt. ') Beruchoth 59 a. *) Chagiga 12 b. *) Sabbatb 86. *) Epinhan. Opp. I. 6. 34. s. Petav. •) Sabbatb 156. und 120. Midi•, r. 1 M. Abschn. 10. ') Cbagiga 12 b Maimonidea Jeaode Hathora Abschn. 4, wo dieselben unter dem Namen: ״Kreise," גלגלים vorkommen. ') Chagiga 12. ») Midr. r. 1 M. Abschn. 10! ') Pirke de R. Elieser cap. 6. Berachoth 69. Bergt. Raschi daselbst. Man nahm de« Planeten >n solgender Reiheordnung an: 1. Saturn, 2. Jupiter, 3. Mari 4. Sonne, 5. Venus, 6. Merkur und 7. Mond. Denkt man sich die erste Nachtstunde, die zu Mittwoch gehört, als di« des Saturn, so war die 7. Stund« dem Monde, die 8. dem Saturn, dir 9. dem Jupi׳ ter, die 10. dem Mar-, die 11. der Sonne, die 12. der Venus, di« 13. als die erste Stund« des 4. Tages, Mittwoch dem Merkur, die 8. «iedee dem Merkur, Montag Jupiter, Dienstag Venu«, Mittwoch Saturn, Don׳ nerstag Sonne, Freitag Mond, Sonnabend Mars. Es kommen dahir aus di« ersten Tagesstunden von Sonntag di« Sonn«, Montag der Mond, Dienstag der Mars, Mittwoch der Merkur, Donnerstag der Jupiter, Freitag die Venus und Sonnabend der Saturn. Wir bemerken, daß der Tag nach 12 Stunden von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends, ebenso die Nacht nach 12 Stunden von 6 Uhr Abends bi- 6 Uhr Morgens gerechnet wird, so daß unsere 7. Stunde als die erst« Tagesstunde zu rechnen ist, ebenso die 1. ׳Nachtstunde 7 Uhr Abends. ״) Sieh« Abth. I. Art. W:lt. ״) Pesachim 94. und an anderen Stellen׳ ") Midr. r. 4 M. Abschn. 13. Jerus. Aboda sara Abschn. 3. ״) Midr. r. 1 M׳ Abschn. 85. *] Im Buche Eohar zum 3 M. Seit« 14. haben wir die Notiz: ״Die bewohnte Welt, ׳ישיבא die Erde, ist in runder B.wegung gleich einein Ballen, wenn die Bewohner der einen Fläche oben sind, b«< finden sich di« andern unten; wenn bei diesen der Tag leuchtet, ist es bei Jenen finster, so daß die einen Tag und die Andern Nacht haben." ") Pesachim 9 t. Diese Notiz ist von Raba, einem Lehrer des 3. Jahrh. n. Bekanntlich trägt dre Aequatorlinie 5400 Meilen. ") Pesachim 94. Vergl. Hammer Encyklopüdie S. 479. wo der Weg von 500 Jahren bei den Mahumedanern als Bezeichnung des Laufes der Sonne bei ihrem Untergang« gilt. *] Dann müßte an der angef. Stelle (°• רוץ) st ךצו)ה$ (v. ך^ה) gelesen werden. Red. Literaturbericht. Recrnfioneu. Kisker, Leopold, Rabb. Beiträge zur Rabbinischen Sprach- und Alterthumskunde. Wien 1872. Herzfeld und Bauer. 126 Seiten. Die ve-liegend« Schrift ist ein erfreu! ches Zeichen des aus dem Gebiete derabbinischen Studiums herrschenden regen Geistes. Ist in unserer Zeit jede derartig« Kundgebung der Anerkennung werth, so ist di« Arbeit des Herrn Eisler um so verdienstlicher, als sie in recht ansprechender, knapper Form reichen Inhalt darbietet, ganz besonderaber wohlthuende Anregung gewährt. Den Haupttheil deS Werkes bildet ein kleines Gloffar oder vielmehr eine Blumenlese aus dem Aruch, welch.׳, von den Leistungen Land au's ausgehend, derselben, soweit sie der Berichtigung bedürfen, rectificirt und dabei zumeist die von Mussafia gegebenen kurzen Andeutungen in recht geschickter Weise verwendet. Aber selbst zu dieser Benutzung Mussafia'S gehört viel selbstständiger, kritischer Sinn und ein gewisses philologisches Zartgefühl, das dem Verfasser denn auch zu Gebote steht. Gerade solche Studien, wie die vorliegenden, bieten der linguistischen und etymologischen Steckenreiterei den weitesten Spielraum, und darum verdient der ruhige, nllchtern« Tact, der dies« Arbeit auszeichnrt, hervvrgehoben zu werden. Einzelne gewagte Conjecturen und Emmdationm thun dem Eindruck« des Ganzen keinen Abbruch. Außer dem Gloffar finden wir noch mehrere kleine Auffätze über einschlägige Materim, die Texteskritik des Aboth d. R. Nathan, Bemerkungen zum Commentar Midoth Sofrim von I. H. Weih zur Mecheltha, welche meist Gloffcn oder aphoristische Rotizm enthalten. Beachtenswerth ist das ״zur Texteskritik des Aruch" überschriebme Lapitel, das aus den bisher unberücksichtigt gebliebenen Commentar des R. Simson b. Abra- Ham aus Sms aufmerksam macht, der im 13. Jahrhundert «ine der ältestm und daher wohl auch gmauestm Aruchhandschristen benutzt hat. Mehrere angeführte Stellen mit den Abweichungen der späteren Ausgaben von der des Rabbi Simson bieten ganz überraschende Fingerzeig« über die Wandlungen des Aruchtextes seit jmer Zeit. Es ist zu wünschen, daß der Berfaffer diese Keinen Auffätze, die einzeln im Bm-Ehananjä und in den ״Forschungen" erschienen sind, in erweiterter Gestalt veröffmtlich«, an Anerkennung kann es ihm nach dm bisherigen Leistungen nicht fehlen. Hkauverts- und Affichtenke-re für israelitische Schulen von vr. S. Herxheimer, Herzogl. LandeSrabbiner in Bernburg. 22. Aufi. Leipzig, Druck und Verlag der Roßberg'schen Buch- Handlung 1873. Ein Schulbuch, das die 22. Auflage erlebt, wo die Auflagen nicht auf höherm Befehl veranlaßt, sondem durch da- Bedürsniß und das freiwillige Verlangm der Lehrer und Gemeinden «ntstandm sind, besitzt bereiti eine recht beredte Empfehlung, die selbst der strmgste Recensrnt anerkennen wird. Dem greism Berfaffer ist darum auch die Freudr -u gönnen, die er in so bescheidmer und wohlbegründeter Weise in der Borred« zu dieser Auflage ausspricht. Da er aber selbst gesteht, daß das Werkchm noch mannigfach verbeffert werden könnte, so wird des Recmsmtm Ausgabe, auf einige Mängel aufmerksam zu machm, keine uugerechtfertigte sein. Der Berfaffer theilt die Religionslehre, auf eine Einleitung gegrüadet, in Glaubmslehr« und Pflichten- oder Sittenlrhre sS. 5). Diese Eintheilung ist eine dem Geist de- JudenthumS nicht ganz entsprechende, so beliebt sie auch bei Manchen ist. Gerade das biblische Judmthum kennt nur ein Wissen (׳(דעה ein Vertrauen (׳(אמונה dann Liebe