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Das jüdische Literaturblatt · 1873-01-01 · 11.12. (1873) · p. Seite 43

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
11.12. (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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— 43 — ebenso der ungeheure Heuschreckenschwann gemeint, wie im Joel I, 6: ״Denn ein Volk erhebt sich über mein Land." Die Ortsbestimmung ״Bon der Gegend um Chamath bis an den Steppen-Fluß," die Ewald als den deutlichsten Beweis seiner Behauptung betrachtet, dah das genannte Volk daS der Assyrier sei, paßt ebenso gut auf die unsrige, wenn man an den Ausdruck in Joel II, 20 denkt: ״Und den vom Norden הצפוני werde ich von euch entfernen," der deutlich sagt, daß die Heuschrecken sich von Norden nach Süden verbreitet hade», vom nördlichsten Punkte des nördlichsten Reiches bis an den südlichsten, von wo sie dann nach Inda übergegangen. — Von dieser letzten Plage gehl ver Prophet im Anfänge des Eapitel VH. auf die Gesichte über, in denen Gott ihm die Plagen, die über beide Reich: verhängt worden waren, angezeigt. Ank,lüpfend an die unmittelbar vorhergehend: Erwäh nung der Heuschrecken, verkündet er zunächst das über diese Plage gehabte Gesicht. Von diesem gelangt er, gewissermas'.en in umgekehrter Ordnung, in V. 4 aus das Gesicht, betreffend das Erdbeben.*) Dann wendet sich der Prophet, da er vom Kriege spreche» soll, nicht schon jetzt in B. 6 gegen Juda, sondern zunächst gegen Israel, dcffen Untergang er bei der größeren Verderbtheit der Sitten näher bevorstehcn sieht, als den Juda's, dem er ebenfalls, aber erst im Anfänge des Eapitel VIll, ein gleiches Schicksal prophezeit.**) Es fei hier nur noch bemerkt, daß selbst am Schluffe des Buches, in den trostreichen Worten, sich deutlich der Hinblick und die Bezugnähme des Propheten auf die drei in seinem Buche besprochcnen Plagen erkennen läßt. Der erste, einen Trost enthaltende Vers, V. II, sagt, daß Gott die eingestürzte Hütte Davids wieder aufrichten, ihre Riffe ausbeffern, sic wieder Herstellen und ausbauen wird in ihrer früher״ Herrlichkeit, Worte, die sicherlich auf die Verwüstungen des Erdbebens Hinweisen. V. 12 bildet ebenso unzweifelhaft einen Hinweis auf den Krieg mit Edom, indem er Edom aus der Mitte aller andern Völker heraushcbt, um Israel deffen Land zuzuführen Endlich ist es nicht minder einleuchtend, daß die letzten drei Verse in Rücksicht auf die Heuschreckenplage gesprochen sind, in Folge deren Saatfeld und Weinberg verödet uud verwüstet worden. V. 13 schließt sogar fast mit denselben Worten, die wir am Ende 1:s Buches Joels, Cap IV, 17 finden, und die gewiß nur einen Trost nach der Heuschreckenplage enthalten. — Wenden wir uns nun dem Propheten Joel zu. 2) Joel. Während bei Amos unter den Exegeten nie ein Streit darüber herrschen konnte, in welche Zeit mir ihn zu sitzen haben, da er uns selbst dieser Verlegenheit enthoben hat, dagegen der Inhalt und die Veranlasiung seiner Prophezeihungen von ,lur sehr Wenigen ganz erkannt wurde, verhält es sich mit Joel beinahe umgekehrt. Denn obgleich von den alten Exegeten manche den wahren Anlaß der Joel'schen Prophezeihungen erkannt haben, so stimmen die neueren bis auf höchstens zwei darin überein, daß eine weit verbreitete und lange anhaltende Heuschreckenplage den Hauptanlaß derselben bildet, ohne welche man vergebens sich um das Verständniß des ganzen Buches abmühen wird. Dagegen herrschen die verschiedensten, widersprechendsten und sellsamste» Änsichten über das Zeitalter dieses Propheten; die Ansichten gehen hier von der Mille des 10. bis zuin Anfänge des 6. Jahrhunderts auseinander. Auch darüber ist man noch nicht ganz einig, ob der Prophet eine schon gegenwärtige Plage schildert, oder blos die Weiffagung einer zukünstigen giebl. Die meisten n.uern Exegeten entscheiden sich jedoch iür die elftere Ansicht. Die lebhaft» Art der Darstellung läßt in dem Leser fast keineu Zweifel darüber auskommen, daß der Prophet ein eben erlebtes, ihm noch vor Augen schwebendes Ereigniß schildert. Eine Widerlegung der vielen falschen Behauptungeil in Be¬ *) Ngl. Rahmer in Grätz's Mmat-schr. 1870, ® 555. ") 3. meine Dissertation. K. 17 ff. treff der Zeit des Propheten und der Heuschreckenplage gestattet weder Zeit noch Raum; vielmehr werden wir positiv die Zeit zu bestimnren suchen, indem wir die wichtigsten Momente hcrvorheben, die wir direct oder indirect, auSkührlich oder nur andeutungsweise im Buche Joel erzählt finden, um mit Hilfe dieser das Zeitalter des Propheten zu bestinimeu. Schon die Anrede in V. 2, besonders die Frage zeigt uns sofort, daß eine gegenwärtig herrschende Plage geschildert wird. ״Ist solches je dagewescn?" V. 4 und ff. führen uns den eigentlichen Gegenstand vor, nnl ^effoutiuillon der Prophet znin Volke zu reden sih gedrängt fühlt. Ee sino H:uschreckenschwarme, die verheerens mi ׳ z.rnörend unHumt, die Feld und Weinberg derartig abnagen uns kahl michen, daß nicht nur Bauer und Winzer darüber in bittere Klagen ansbrechen müffen, sondern selbst die Priester zn Trauer und Buße aufgefordert werden, weil es für den Altar Gottes sowohl an Mehl-, als an Trankopfer mangelt. Die erste Art der verschiedenartig bezeichneten Heuschrecken qjj kommt außer in Joel, hier und II, 25, nur noch in AmoS IV, S vor; und schon dies kann darauf führen, daß beide Propheten dieselbe Plage meinen. Dies giebt auch Ewald, der die Entstehung unseres Buches in die Zeit des unmündigen Königs Joas verlegen will, wenn auch nur mit Rückhalt, zu, indem er sagt: ״Sie (die Heuschreckenverheerung) mag unter denen sein, weiche Amos IV, 9 meint." — Daß in den geschichtlichen Büchern der heiligen Schrift dieser Plage keine Erwähnung geschieht, will Ewald dadurch begründen, daß die Wirkungen einer solchen Plage nicht so nachhaltig sind, wie z. B. die eines Krieges. Dieser Mangel an historischen Nachrichten kann jedoch demjenigen, der auch diesen Propheten in die Regierungszeit des Königs Usia setzt, nicht so sehr auffallen, da wir in den geschichtlichen Büchern über diese Zeit wohl manche Lücke haben; ist ja auch das Erdbeben in denselben unerwähnt geblieben. Auch Bleek sagt über diese Zeit: ״Die Geschichtsbücher des A. T. berichten ohnehin über die langjährige Regierung jener beiden Könige (nämlich Usia und Jerobeam II) nur sehr kurz und summarisch." — Der Anfang des V. 6: ״Denn ein Volk stieg heraus über mein Land", gab wohl Anlaß zu der bildlichen Auffaffung der Plage als von Kriegsschaaren; jedoch ist die bald darauf folgende Schilderung dieses Volkes und seiner Verheerungen geeignet, den wahren Sachverhalt darzuthun. — V 15, in dem diejenigen, welche die Plage bei dieser erste» Prophezeihung als noch nicht eingetreten ansehen, ebenso wie in Cap. II, I I einen Beleg für ihre Behauptung finden, beweist für sie nichts, da unter ״dem Tage des Herrn" keineswegs die Heuschreckenplage selbst, sondern ein allgemeiner göttlicher Gerichtstag zu verstehen ist, als deffen Vorbote oder auch schon Anfang der Prophet jene Plage ansieht. Aus V. 19 und 20 ersieht man, daß zugleich mit der Heuschreckenplage, Regeninangel und große Dürre geherrscht haben, derartig, daß selbst ״das Vieh des Feldes" in den Flüssen und Bächen kein Wasser vorfano zur Befriedigung seines Durstes. Dasselbe ergiebt sich auch aus Amos, Cap. IV, 7. und 8., wo ebenfalls von einem großen Negenmangel die Rede ist, in Folge deffen die Menscheu von einer Stadt zur andern wandern werben, um ihren Durst zn stillen, woraus dann sogleich von den Heuschrecken gesprochen wird. Capitcl II beginnt mit einer Aufforderung des Piophelen, die Posaunen ertönen zu taffen, um dem Volke damit den nahen Gerichtstag Gottes anzukündigen, es also zur Buße anjuregen. Die Schilderung dieses Tages, an dem dichte Finsterniß herrschen werde, finden wir auch in AmoS V, 18. und 20. Es scheint daher, daß die Propheten jener Zeit bei jeder schweren Heimsilchung des Landes und des Volkes an einen nahe bevorstehenden Gerichtstag gedacht haben, als dessen Anfang sie schon die jedesnialige Plage betrachteten, der dann andere, vielleicht noch schwerere folgen würden. Dies gcht aus der eben angegebenen Stelle in Amos hervor, als auch aus der nnsrigen in Joel II, 2. — Nachdem der Prophet im ersten Thelle dieses Verses dem am AnSgange des vorher-

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