Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1873-01-01 · Nr. 9. (1873) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
Nr. 9. (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5367336-5990812-5990913--0277-5367395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 35 — r »iverde ich in der Behandlung der Prophezeiungen Joels dartbun, die, wie ich hier nur andeuten will, von denselben Plagen handeln. — Den übrigen Theil des Buches Amos kann ich hier nur vorübergehend berühren und nur noch auf einige Stellen Hinweisen, die meine Behauptung bestärken: Aneos und Joel reden von denselben Plagen, wenn auch der eine diese, der andere jene Plage mehr hervorhebt. In Cap. VI. richtet der Prophet, wie schon der erste, einleitende Bers zeigt, seine Mahn- und Strasredcn an die Großen beider Reiche; und cs ist wahrscheinlich, daß der Prophet diese Rede nach seiner Rückkehr in das Reich Juda gehalten hat, wenn der Anlaß und der .Hergang der Peränderung seines Aufenthaltes erst im folgenden Kapitel erzählt wird, ge,viffermaßen als deutlicher Beleg für die Verstocktheit Jsraets, dem er unmittelbar vorher sichern Untergang prophezeit, uni daran das schlimme Ende seiner eigenen, namhaft gemachten Verfolger anzuknüpfen. Nachdem der Prophet in V. 8 dieses Eapiiels noch einmal versichert hat, daß dir Plagen von Gott beschlossen und verhängt seien, geht er wiederum auf eine kurze Schilderung derselben ein. Die Verse 8, 9 und 10 schildern deutlich den Krieg und die itt dessen Gefolge gewöhnlich «intretende Pest, deren verheerende Wirkungen so lebhaft geschildert sind, daß es fast sicher ist, der Prophet rede von einer »och damals herrschenden Pest, welche dem Kriege unmittelbar ג gefolgt ist. Unter עיר scheint hier Jerusalem, die Hauptstadt z des Reiches, gemeint zu sein, wie auch aus dem Ausdrucke נאוי יעקב hervorgeht, der den Tempel zu Jerusalenl bezeichnet (vgl. Ps. XLVII, 5). Der Prophet sagt aber, daß selbst der Tempel, den Gott bisher geliebt, jetzt ein Gegenstand des Abscheu's für ihn sei, da in ihn, bloße Werkhciligkcit geübt werde. Der Prophet droht also hier mit einer Einnahme Jerusalems und Schändung des Tempels: und da, wie schon erwänt, ein Krieg Edoms gegen Juda durchaus angenommen werden muß, was auch noch aus Joel und Obadja gezeigt werden wird, so läßt sich mit Wahrscheinlichkeit annebmen, daß der Prophet hier im Hinblick aus jenes Ercigniß die Drohung eines nochmaligen feindlichen Einsalles ausgesprachen hat. (Fortsetzung solgt.l Erklärung einer Targumstelle. Bei den vielseitigen Erörterungen des Wortlautes des Targum Onkelos zu Numeri V. 2. und der Interpretation desselben durch Raschi daselbst, dürste vielleicht die Beleuchtung dieses Gegenstandes von einem neuen Gesichtspunkte aus nicht ganz ohne Interesse sein. וכל טמא?*נפש des Bibeltextes dort giebt O. durch: 8׳וכל דמסאכ לטמי נפשא דאגש wieder. Raschi z. St. vindicirt dem Worte טמי hier Cie Bedeutung ״Knochen, Gebeine," und beruft sich auf mehrfache Analogien aus Bereschith rabba. Die Hanpleinwürse gegen diese Erklärung sind: a) Die scheinbar unmotivirte Einschiebung des Wörtchens •׳לטמי indem דמסאב לנפשא דאנשא genügend hem Texte entsprechen würde. b) Die dagegen sprechende abweichende Norm des O-, עצם gewöhnlich mir גרמא zu übertragen. Vgl. Luzzato, Oheb Ger und Lcvy chald. Lexicon. Allgemein anerkannt ist die Rücksichtnahnle des O. auf Halachischc Bestimmungen, zu deren Gunsten er nicht selten in seiner Paraphrase sehr wesentsich von dem Bibeltexte abweicht. (Siehe Luzzato Einleitung zu Oheb Ger S. 10.) Als Eonsequenz erscheint wohl mit Recht die möglichste Präcision bei solchen Stellen, wo es sich gerade um Feststellung der einschlägigen Halacha handelt. " OnkcloS war hierbei hauptsächlich bestrebt, daß in seiner liebersctzung die rccipirte Halacha in klarster Weise gewahrt, und im Ausdrucke Alles streng vermieden werde, was irgendwie dieser Klarheit Eintrag thun könnte. Gehen wir nun zu den vorgedachten Einwürfen über! Ad a) entbehrt die Hinzu- 1 ftigung von לטמי durchaus nicht der Begründung; sie findet I vielmehr ihre volle Berechtigung in der halachischen Bestimmung, daß schon das äußerst geringe Maaß eine- עצם כשעורה מן דרמת in Bezug auf טומאת מגע vollständig die Geltung eines מת שלם habe. Hätte nun aber O. schlechtweg דמסאב לנפשא האגשא übertragen, so würde, im Widerspruche mit der Halacha, daraus gefolgert werden können, daß hier einzig nnd allein die Verunreinigung an einer Leiche im Zustande ihrer Integrität gemeint sei. Hierdurch erledigt sich von selbst die Seitens Luzzato aufgeworfene Frage, warum denn O. von allen anderen Theilen des menschlichen Körpers gerade die Knochen hervorgehoben habe? Was nunmehr den Einwurf ad d) betrifft, so fühlte sich O. schon deshalb angeregt, hier den Ausdruck טמי statt des normalen גרמא S" wählen, weil jenes sich ausschließlich auf Gebeine von Todten bezieht, während unter עצם נרמא auch ein von einem lebendem Körper losgetrenntes Glied verstanden werden kann. Nun findet aber bei Letzterem in beregter Beziehung (siehe Maimonides 3 .11 ה' טומאת מת.) keinesweges jenes geringe Maaß der Größe eines Gerstenkornes Anwendung; in dieser Hinsicht ist es vielmehr erforderlich, daß daß betreffende E lied שלם ככרייתו כשר גירים ועצמות fei• Ich verweise zu diesem Zwecke aus Sifre, Abschnitt Chukat Cap. 127: או בעצם אדם זה אבר מן החי או אינו אלא עצם כשעורה כשהוא אומי ועל הנוגע בעצם הרי עצם כשעורה אמיר הא מה ת״ל או בעצם אדם זה אבר מן החי וכר Onk., welcher או בעצם אדם (Num. xix. 10) mit או כגרמא דאנשא übersetzt, hat es daher an unserer Stelle, wo es sich lediglich um Todte handelt, vorgezogen, das adäquate טמי zu gebrauchen. Hierdurch hat er, sein Prinzip treu inne haltend, jede Zweideutigkeit im Ausdrucke glücklich vermieden, und nnt den seinerseits in guter Absicht gewählten Worten die Halacha genau berücksichtigt. Offenbar als uncorrekt kennzeichnet sich demnach die Variante 'לטמא1נ statt '׳לטמי נ i ldem alsdann nach Analogie von Levit: XXII. 4, woselbst O. ׳ודיקרב ככל טמא נפשא sehr leicht dem Mißverständniffe Raum gegeben wäre: hier sei gleichfalls wie dort von einer bloß mittelbaren Verunreinignng die Rede*); indeß thatsächlich an der hier besprochenen Stelle, nur der sich unmittelbar durch Todte eine Verunreinigung zugezogen, also parallel dem צרוע und ׳זב ein ׳אב הטומאה dem ungeordneten ,,Fortschicken aus dem Lager" unterworfen mar. Aus gleichem Grunde spricht daher diese Analogie auch gegen die Annahme, daß O., ebenso wie bei Haggai II. 13-, mit טמא גפשא die Leiche selbst bezeichnet haben sollte, da ja sonst der allegirte Paffus des O. zu Levit: XXII. 4. in umgekehrtem Sinne leicht Gegenstand einer Mißdeutung sein würde. Nach diesen Ausführungen dürfte die Eingangs erwähnte, halachisch wohlbegründete Interpretation Raschi's gerechtfertigt, und dem Geiste des vorzugsweise in halachischen Beziehungen der größtmöglichsten Genauigkeit beflissenen Onkelos vollkommen entsprechend erscheinen. Posen. Abr. Cohn. Literaturbericht. Recenfionen. Akoch, I. S-, Ursprung und Entstehungszeit des Buches Kohelet. Neue Untersuchungenzu einer alten Frage. Bamberg 1872. Die biblische Wissenschaft hat durch das seit den! Ende deS vorigen Jahrhunderts in Deutschlanv e>nporgeblühte Studium reiche Förderung und Anregung erhalten, durch die niohlthätige Macht der besonnenen Kritik geleitet, über die lange in Schwebe und Unsicherheit gehaltenen Fragen nach Ursprung und Zeitalter der verschiedenen Theile der heiligen *) ׳במישנטמאבמת Raschi mit Recht n. «. 0. interpretirt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.