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Das jüdische Literaturblatt · 1873-01-01 · Nr. 9. (1873) · p. Seite 36

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
Nr. 9. (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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Schrift Helles Licht verbreitet. Freilich sind die Untersuchungen auf diesen! Gebiet« noch lange nicht )um Abschlüsse gelangt, vielmehr werden über die geschrieben« Offenbarung der göttlichen Weisheit die Ansichle» vielleicht ebensolange gctheilt sein, wie die Anschauungen über das Gottesbuch der Natur und des Lebens in verschiedenen Zeiten, ja selbst unter Zeitgenossen, einander gar sehr zuwiderlaufen. Und gerade dasjenige Buch, das in hervorragender Weise Lebensauschauung und Weishcitsregcln lehrt, das Buch Kohelct, hat seit den tnlmudifchen Zeilen bis aus unsere Tage die verschiedenartigste Beurtheilung gesunden, wie denn sein Inhalt auch der scheinbaren Widerspräche eine große Menge birgt. Diese Widersprüche zu lösen und aus dem Charakter der Zeit und der Persönlichkeit des Verfassers oder den Erscheinungen der Uingebung zu erklären, ist das Bemühen der neuern Wissenschaft, deren Ergebnisse, wenn sie auch nicht iu> vollen Umfange annehnibar erscheinen, doch redliches Suchen und warmen Eifer bekunden und darun! eben der höchsten Anerkennung würdig sind. U»! so nichr n!uß es daher befremden, wenn der Verfasser der vorliegenden Arbeit, trotz seiner unverkennbaren Jugend, von den Häuptern der heutigen wissenschastlichen Richtung in einer Weise redet, die geradezu als anmaßend bezeichnet werden muß. Ueber das Buch selbst wäre wenig zu sage»; wir wollen nur zeigen, wie der Vers, selbst die Authenticität des ganzen Kohelet nicht ausrecht zu halten vermag. Gegenüber der fast allgemein rccipirten Ansicht von der nachsalomoniichen Entstchungszeit des Kohelet unternimmt es d>e vorliegende Arbeit, die Authentie des Buches ausrechtzuhaUen und, zumeist aus talmudische Beweise gestützt, durchzusührcn — bis zum Schluß Le- Verfasser selbst eine spätere Redaelion annimmt, die Schlußverie nach 12, 9., ja sogar 11, 9.b unbedingt als Hinzusügung betrachtet unv somit seine ganze Auseinandersetzung so ziemlich unnütz!nacht. Tie Aramäisincn können von Salomo selbst, der, wie der Verfasser meint, ohne Zweifel die verwandte Mundart des Nachbarvolkes verstanden haben mag, oder ״aus Rechnung späterer Abschreiber" zu setzen sein (!) (3. 124). Die Dars.ellung der Geschichte Salomos, wie sie der Verfasser aus eigener, vorgefaßter Meinung combinirt, kann ebenso gut auch der Regicrungszeit eines andern Königs angepaßt werden, wenn man cs versteht, Sätze und Aussprüche Kohelets, welche aus den dargelcgtcn geschichtlichen Zuständen erst ihre Erklärung finde» sollen, gleich vorweg als Prämissen dieser Erörterung hinzustellen. Beinahe erdrückend ist die Zahl von citirten Autoren und Werken, die auf eine erstaunliche Belesenheit schließen läßt, was um so «her hervorgehoben zu werden verdient, als der Verfasser — wie Referent aus guter Quelle weiß — erst vor wenigen Jahren in die Kenutniß der deutschen und classischen Sprachen eingesührt 1vord>n ist. Um so eher aber hätte Herr B. sich einer größer» Bescheidenheit befleißen und hüten sollen, über die bedeutenden Gelehrten, welche er citirt und in mitunter geistvoller Weise zu widerlegen sucht, in wenig höflichen Ausdrücken abzuurtheilen. g. (Von der Münchener Universität wurde der Vers, für diese seine iinmerhin verdienstliche Arbeit, wie wir erjahren, mit einen! Stipendium von 300 Fl. bedacht. Red.) Bücherschau. Lchrtften in hebräischer Sprache. (Schluß von Nr. 7.) Schapira, Lsias Mcyer, Krcisrabb. iu Ezortkow in Galizien, Sefer Sikaron. Dialog über die mündliche Lehre Israels, deren Wese», Ziel und Tendenz. Eyd1kuhnen,l872. Der Verfasser will eine Apologie der münolichen Lehre geben, verfolgt also dasselbe Ziel, welches unter Anderen, ebenfalls in dialogischer Form, Nieto und in anderer Fassung und Form viele Andere erstrebt haben, doch ist der von ihm eingeschlagene Weg insofern neu, als er, von den Pirle Aboth ausgehend, sich säst ausjchlteßlich, der moralischen Seite der Tradition zuwendet. Er zeigt, daß allerdings, wie R. Eliah Wilna in seinem kurzen Eonnnenlar zu jeneni Abschnitt nachweist, die Sprüche der Väter ihre Basis in der Schrist haben un» in der, auch auf die Halachah angewendeten Auslegungsweise a,s jener abgeleitet werden können, daß aber die mündliche Lehre doch auch sür sie, sür das Gebiet der ״Herzenspslichien", nolhwendig sei. Man sieht, daß der Versasser sein Thema eigentlich von der weitaus leichter zugänglechen Seite in Angriff genommen Hai; die bedeutenderen und schwerer zu lösenden Einwendungen gegen die Traditio» liegen ossenbar aus einem anderen Felde. Es ist aus dtesem auch gelviß nicht uiöglich, zu dem, was seit Laadia'S Zeit zur Vertheidigung der mündlichen Lehre gesagt worden ist, Neues hinzuzusügen und so ist das fragt. Büchlein immerhin recht lesenswerrb. Die Sprache ist trefflich, etwas Weilschwrisigkeit und Phrasenschwall, Fülle nanientlich von Eomplimenten, mit denen dec Lehrer und der Schüler einander überschütte», muß man schon iu den Kauf nehmen. Es ist dieser Styl bei den Neuhcbraern einmal ״Styl". Einem ganz nüchteine» Gebiete gehört an: Lcwysohn, Joch. Iud. חיי Verbesserungen nnd kurze Erläuterungen zu חובו׳ הלבבו׳ l Heft (Einleilnng nnd Pforte 1—3 uuisüssend). Wien 1872 (40 Solen.) Ich habe zuerst in Frankels Monatsschrift 1865 S. 471 auf Lewysohn's Einendationen zu ח״ה, dessen Studium jener zu seiner Lebensausgabe erwählt hat, ansmerksam gemacht. Seitdem hat L. sich noch die Kenutniß des Arabischen zu eigen gemacht und außer dem Pariser Exemplar des arabischen Textes, besten Vergleichung ihm noch der selige Munk zugänglich gemacht hatte, einen arabischen Text (unvollständig! aus Egypten erhalten Nach diesen Codices, alten Ausgaben und eigener Critik giebt das Heft nun eine Menge von Emcndatione׳,! — aber säst ausnahmslos offenbar ganz sicheren und nothwendigen — zu dem vielverderbten Texte des Buches. Es ist also jedem, der letzteres lesen will, die Anschaffung des Heftchens zu enipsehlen Viele Stellen sind auch im arabischen Originaltext mit eigener Uebersetzung Lewysohn's und kurzen Erläuterungen mitgelheilt. Wir reihen ein in hebräischen Lettern erschienenes Büchlein an: ב״תיעקב Eoinpendinm unserer Ritualien von Moses Kosenthak. Berlin 1872. Wie über einzelne Thcil« des Ritualgrsetzes, namentlich die unter dem bekannten Akrostichon 'מ׳ח׳נ׳ה zusammcngesaßten, schon lange Compendicn in der Landessprache versaßt sind, so ist es hier mit eine!» größeren Theil der nicht jedem zugänglichen Di nim geschehen. DaS Buch würde aber besser sein, wenn die Einleitungen zu den einzelnen Avschnitten, also;:! Sabbath u. s. w. weggroiiroen wären, vie eigenen Ansichten des Verfassers über Wesen, Grund und Bedeutung der Gesetze gehören entschieden nicht in ein Buch, welches positive Satzung lehren will. Auch einiges über die Gebcte-Ordnung an Feiertagen hätte wcgbleiben können, diese Anweisungen sucht und findet jeder, der sie braucht, doch im Machsor, dasür hätte Anderes Platz finden können. Wir jchließen mit einem Erzeugniste der hebr. Poesie: 2 כנף רננים• Heft ״Epische Klänge" von N. Sainueki. Lemberg 1872. Das erste Heft dieser Dichtungen ״Lyrische Klänge" ist im Jahrgange 187V der ״Jsr. Wochenschrift" S. 219 besprochen. Es gilt von diesem zweiten das dort Gesagte in Hinsicht auf die Sprache und den dichterischen Schwung. Was den Titel betrifft, so bemerken wir, daß in diesen! Heste 6 Historien zwar nicht eigentlich episch, sondern eher in Ronianzenso.m behandelt sind: Jakob und Rahel, Juda und Tamar, Moses unv Zippora Doch sind es nicht lauter Liebesgeschichten, die drei letzten Eyelcn behandeln ״Elias am Cannel, an den Strömen Babels und die Märtyrer." T. Notiz. Berichtigung einer Berichtigung. Die ״N. F. Pr." bringt folgende Berichtigung des Oe. G. Wolf zu einem im Feuilleton jenes Blattes erschienenen Artikel Rodenbergs ״Tie Prager Jcsephstadt:" Tie Prager Judenstadt erhielt diesen Namen nach dem Jahre 1848. Bis vor etwa einem halben Jahrhundert, bevor die historische Kritik unter den Juden durch Rappaport, Zunz rc. auszuleben begann, hielt man die Prager Judengemeindc sür uralt. Manche behaupteten sogar, sie habe schon zu Zeiten Josua's bestanden. So viel ist gewiß, daß die Anwesenheit der Juden geschichtlich erst vom zehnten Jahrhundert an nachgewiesen!verte» kann. Nun sührt Herr Rodenberg allerdings ein Epitaph als Beweis an, daß schon zu Anfang des siebenten Jahrhunderts Juden in Prag begrabm!vurden. Wie jedoch Rappaport in dem Werkchen: ״Grabstein-Inschriften des Prager israelitischen alten Friedhoss". 1 herausgegebcn von Koppelman Lieben, nachgcwiesen, hat man di« alte, I verwitterte Grabschrift bis dahin nicht gut gelesen, und fixirt er — und I nach ihm Simon Hock — dieselbe auf das Jahr 945. Der Jude, weli cher von Kaiser Ferdinand II. geadelt wurde, hieß nicht Schmiles, so!!- f der» Jacob Bassevi. Der Minister, welcher bei der Audienz Korefs's intervenirte, war nicht Kaunitz, da dieser zu jener Zeit, als die Juden ji aus Böhmen vertrieben wurden (1744 bis 1748), noch nicht Minister war. Diese ״Berichtigung" wird vom Rabbiner llr. S. Back in Smichow in demselben Blatte wie folgt berichtigt: Nichr in das Jahr 945, wie vr. G. Wolf meint, sondern in das Jahr 1606 wurde der von Rodenberg erwähnte Grabstein durch Nappaport versetzt. Man hatte nämlich den Stein um ein ganzes Jahrtausend alter gchalten als er ist, indem man sür 1606 blos 6u6 las. Der älteste Stein ist demnach jener aus dem Jahre 341, welchen Rodenberg als den zweitältesten annahm. Ebenso unrichtig ist der zweite Punkt in der Berichtigung des Hrn. Wols. Jacob von Treuenburg hieß wohl ״Baffewi", sein vulgä!ec Name aber war — iri« es richtig in Rovenberg's Aussatz heißt — Schmieles. Briefkasten der Redaction. Hrn. M. I,. in I. Aus Ihren inhaltsreichen Briesen Mittheilungen in den »üchstcn Nrn. — Hin. De. K. in B. Wir bitten um ״Forts." rrsp. ״Schluß". — Hrn. II. ii. in IV. Wird nächstens verwendet; auch Ihre Beiträge für die ״Wochenschrift" werden willkommen sein. — Hrn. 1). K., W. B., I. (i, —: ricliir hawhir. 1, 7. Vrrantwvrrtrchcr Revacreur: L»r. M. play mer. Druck u. Verlag von «charnle 4! CUppers!1! Bardy.

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