Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- Nr. 8. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 30 — von d«m yottg«sandt«n F«u«r, und es si«d i« S«e dir Schalten von sünf Srädtrn ,u srhrn. Luch erzeugt Ich immer von Neuem Asch« in goifl» Früchten, weiche an Farbe eßbaren ähnlich surd. pflückt man sie aber mit der Han«, so lösen sie sich in Staub und Asche auf." verloren; denn Allevon selbst Gewachsen« oder durch Menschen Gepflanzte u. (. w. wird schwarz und saftlos und zerstiebt in Asche. Ich möchte nicht in Abrede stellen, daß vormals berühmte Städte durch Feuer vom Himmel verzehrt worden seien u. s. w." Tacitus berührt überdies in seinem kurzen Abrisse der jüdischen Geschichte noch Manches, was einem Römer ohne Studium der einschlägigen Schriften nicht bekannt siin konnte. Das Betreten des Tempels durch Pompejus, die messianiichen Hoffnungen und noch viele andere interne Begebenheiten, welche nur dem heimischen Geschichtsschreiber bekannt und der Erwähnung werth sein konnten, endlich die Ähnlichkeit dieser Berichte bei beiden Autoren, alle diese Momente bekräftigen nur die Annahme, daß Tacitus die Schriften des Jojephus gelesen und auch eingehend benutzt haben muffe. Warum sollte aber Tacitus, der gewissenhafte, wahrheitsliebende Geschichtsforscher, ans dem Gebiete der jüdischen Geschichte in so leichtfertiger Weise dilettirt haben? Wir haben für düse bkfremdliche Erscheinung nur eine Erklärung, die allerdings auf de» Charakter des Tacitus einen dunklen Schatten wirft, seine Bedeutung als Geschichtsschreiber aber rettet; uns jedenfalls die Frage beantwortet, wie Tacitus die Schriften des Josephus zu lesen und sie zu benutzen vermocht, ohne aus denselben über die Urgeschichte, über den Geist und über die Grnndwahrheite» des JudenthumS sich zu belehren. Tacitus schrieb seine Geschichte für die Römer mit der ausgesprochenen Absicht, sie zu züchtige» und zu geißeln, um sie zur Tugend ihrer Väter zurückzusühren. Er entwarf in ihr ei» erschreckendes Bild von der Sittenverderbniß, die an allen Zuständen RomS nagte, er zeigte die Keime gänzlicher Auflösung aus, die überall schon zu Tage traten. Er tauchte seine Feder in die schärfste Lauge, deckte erbarmungslos die B üßen und Schäden der weltbeherrschenden Roma auf; er war ein scharfer Diagnostiker, er erkannte die Wurzel des Nebels, an dcnl dieselbe krankte; er war aber znsehr Römer, um die Hilfe dort zu suchen, woher allein sie kommen mußte, in der rückhaltlosen Aufnahme des Jndenlhums und seiner strengen Sittlichkeit. Der einfache Instinkt des Volkes hatte darin einen richtiger» Blick als der geistvolle Geschichtsschreiber. Im Innersten der Seele krank, nach Erlösung schmachtend, fand daS Volk Roms in den Wahrheiten des Mosaismus Befriedigung für sei» dürstendes Herz, und mit vollen Zügen sog es die vielgeschmähte» Lehren des jüdischen Volkes ein. Gerade in der Zeit, als Tacitus auf der Höhe seiner schriftstellerischen Thäligkeit stand, »lachte das Judenthum in den höchsten Kreise» der römischen und griechischen Gesellschaft reißende Fortschritte. Mit knirschendem Unmuthe, mit schlecht verhehltem Grimme schreibt TaciluS (Ilistor. V, 5): „Sie haben die Beschneidung eing fühlt, um an dieser Abweichung erkannt zu werden. Ihre Proselyten lhun dasselbe und lernen in erster Reihe die Göller verachte», sich vom Vaterlande loSsagen, Eltern, Geschwister und Kinder geringschätzcn." Namentlich Frauen, denen die Kraft der Intuition verliehen ist, waren eS, welche in dem Judenihnm das Heil für ihre Seelen suchte». Unter Tiberius wurde eine vornehme Römerin Faloca Jüdin (A.nti>juit. XV1I1, 3, 5), die Königin Helene von Adiabcne nahm den jüdischen Glauben an und bewog auch ihren Sohu Jzatcs zum Uebertrilte (Anliyuit. XX, 2,4), die Kaiserin Poppäa war sehr judenfreundtich gesinnt (Antiquit. XX, 8, 11; Vita 3), und zu Anfang deS jüdischen Kriegs bekannten sich fast alle Frauen zu Damaskus zur jüdische» Goltcsverehrung. Der sckarsblickende Tacitus erkannte die Gefahr, mit welcher der Geist deS Jndenlhums Nom bedrohte. Ans den Schritten des Jojephus den Gegensatz zwischen römischem Heidenthumc und jüdischem Geiste erkennend, schauete er ahnungsvoll, wie diesem Geiste eine weltdeherrschende Macht inmwobne. Sein historischer Stnn konnte sich nicht Ater die inner« Schwäche des mächtigen RomS täuschen, er ahnte, daß Rom, ein Coloß mit thöner»«n Füßen, von dem Hauch« des jüdischen Geistes berührt, zerfalle, daß die Zuchtlosigkeit, die Fäulniß römischer Zustände die besseren und edle»«» Theile der Gesellschaft in die Arme des JndenthnHtrechen müsse und wiederholte darum absichtlich die gehässigen Urtheite und Meinungen über Juden und Jndenthum, die durch Manetho, Apion u. s. w. bekannt und verbreitet waren, um auf solche Weise den um sich greifenden Einfluß des jüdischen Geistes zu paralysiren. Er that, was vor ihm und nach ihm viele andere große, aber engherzige Geister, vom Judenhaffe getrieben, thaten; er verschloß sei» Auge vor den Vorzügen, vor der reinen Sittlichkeit, vor den menschenbeglückenden Wahrheiten des JudenthumS und lieh seine Feder und den Deckmantel seiner Autorität den über Juden und Judentum verbreiteten r Lügen. Er schrieb mit wohlüberlegtem Plane jüdische Geschichte, er sündigte mit Bewußtsein, weil er gegen das Judenthum straflos sündige» zu können vermeinte. Also schrieb Tacitus, der vieldemunderte Geschichtsschreiber, jüdische Geschichte. Die Jude» in Aleppo einst und jetzt. Zur Geschichte der Toleranz. In einer Novembernummer v. I. deS in neuerer Zeit viel in Rischus ,nachende» „Ausland" bespricht ein Hr. vr. Bischofs die Zustände der alten syrischen Stadt Haleb-Aleppo. Dabei kann er seinen Unwillen darüber nicht unterdrücken, daß die Regierungen von Oestreich und Deutschland zu ihren Cousuln Juden gemacht hätten, während diese Klaffe der Bevölkerung sowol bei Christen als MoslimS verhaßt und verachtet seien. So arg muß es indessen hiermit nicht bestellt sei», wenn zwei bedeutende Regierungen, die doch auch irgendwie über die Verhältnisse unterrichtet sei» mußten, Juden zu ihren Vertretern ernannten. Herr B. muß also den Haß und die Verachtung nur durch die Brille einer gewissen leicht erklärlichen Idiosynkrasie entdeckt haben. Interessant aber ist es zu erfahren, was ein arabischer Schriftsteller vor sechshundert und fünfzig Jahren von den Juden in Aleppo erzählt. Es ist der bekannte Kosmagraph Kazwini, der im zweiten Bande seines Werkes (S. 123 «ck. Wüstenfeld) Folgendes erwähnt: „In Aleppo befindet sich ein Stein außerhalb deS Judenthores am Wege. Au ihm werden Gelübde abgelegt, und er wird auch mit Rosenwasser besprengt, durch Moslemen, Juden und Christen. Sie sagen nämlich, daß unter dem Steine sich das Grab eines der Prophcten befinde." Und zu dieser Thatsache, die jedenfalls die Eintracht der drei Confessionen in Aleppo bekundet, macht der muhainedanische Gelehrte gar keine Bemerkung. — Was übrigens das erwähnte Propheteugrab betrifft, so finden sich dergleichen apokryphe Gräber fast unzählbar in den Ländern des Islam. — Bemerkenswerth ist, daß Aleppo nach muhamedanischer Anschauung feine» Rainen der Freigebigkeit Abrahams, unseres Ahnen, zu verdanken hat. Am angeführten Orte erzählt Kazwini: „In dieser Stadt pflegte Al-OlmIN (Abraham) seine Heerde zu melken und die Milch als Almosen zu verschenken, so daß die Armen stets sich zuricsen: Iiulul) („er hat schon gemelkt"), wovon dann die Stadt Haleb genannt wurde (dabei muß man sich, was auch Jäküt, der Geograph, s. v. tlaleb, ausdrücklich sagte, die syrische Sprache als die der Landesbewohuer denken). — Zur Ergänzung dieser Notiz füge ich noch eine andere ebenfalls von Kazwini angeführte Nachricht zu: „Ju Haleb befinden sich zwei Abrahams-Stätten, zu denen noch heute gewallsahrtet wird; auch eine Höhle wird da gezeigt, iu der Abraham seine Heerde zu versammeln pflegte." I)r. W. B.