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Das jüdische Literaturblatt · 1873-01-01 · Nr. 8. (1873) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
Nr. 8. (1873)
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MW LitklMMit. Herausgegeben von Rabbiner Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Nr. 8. Erscheint 1—2mal monatlich. Preis pro Jahrgang 1 Thlr. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrist" gratis. Zu beziehen durch alle Postanstalten u. Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Fri ese 2. Jahrgang. Wie Tacitus jüdische Geschichte schrieb. Von vr. Bäck, Rabbiner in Liffa. Unter den klassischen Geistern des römischen Alterthums, ,velche über Juden und Judenthlim schrieben, verdient wohl Cornelius Tacitus in erster Reihe Beachtung. Er bewies als Geschichtsschreiber einen sittlichen Mnth, eine Selbstständigkeit des UrtheilS, eine Schärfe der Beobachtung, eine so gewissenhafte Sorgfalt und Unparteilichkeit, daß er mit Recht zu den größten Geschichtsschreibern gezählt wird. Wenn wir aber bei einem solchen Schriftsteller, der mit so wunderbarer Klarbeit den Geist seiner Zeit erfaßte, dem die Sittlichkeit so hoch stand, daß er die ״Germania" schrieb, um in der Einfachheit der Delltschen der Berderbniß Roms einen Spiegel vorzuhalreu, offenbare, ja gehässige Parteilichkeit dem Judenlhume gegenüber antreffen, dann darf es llns weiter nicht befremden, daß Geschichtsschreiber zweiten und dritten Ranges, welche den idealen Beruf des Geschichtsschreibers kaum ahnen, zu allen Zeiten in der lächerlichsten Weise über Juden und Judenthum sabulirten. Tacitus schloß sich dein großen Tröffe heidnischer Schriststcllcr an, die in der gehässigsten und abenteuerlichsten Weise über Juden und Judenthum schrieben. Thal er dies aus Mangel an Kenntniß des jüdischen Wesens und Geistes, that er es unbewußt oder nicht? Im ersten Falle müßte demselben wiffenschaftlicher Ernst, von dem seine Werke in so bohem Maße Zeugniß ablegen, abgesprochen werden; in dem zweiten Falle träfe ihn der allerdings nicht minder gravirende Vorwurf niedrigen, gemeinen Judenhaffes. Wir wolle» in oiesen Zeilen den Nachweis liefern, daß Tacitus die Schriften des Josephus, der bekanntlich in der würdigsten Weise sich bemühte, eine vernünftigere Beurlheilung des Judenthums unter seine heidnischen Zeilgenoffen zu verbreiten, kannte, dieselben eingehend benutzte, nicht destoweniger aber die Fabeln und Verläumdungen nachsprach, die Männer vom Schlage eines Manetho und Apion verbreiteten. Wir wollen aber zugleich nach den Motiven forschen, die ihn bewogen, dem?sudenthum gegenüber die Pflicht der Gerechtigkeit zu vergessen. Als Tacitus seine schriftstellerische Thäligkeit begann, waren die Schriften des Josephus in den gebildeten Kreisen Roms schon bekannt und Jedermann zugänglich. Josephus ist nach seiner eigenen Angabe (vitrt I) im Jahre 37 geboren. l:r schrieb die Geschichte des jüdischen Kriegs in den letzten Regierungsjahrei, des Kaisers Vcspasia״, seine Aiiligunätcn > n 12. oder 13. Jahre des Domitian, seine vita am Ansauge f« Regierung des Kaisers Trajan und wahrscheinlich einige ->ahre früher seine das Jndenthuin verlheidigende Schritt!,egen Apion. Das Geburtsjahr des Tacitus müffen wir zwischen 50—60 setzen. Tacitus ist demnach jedenfalls 20 Jahre jünger als Josephus, und da seine schrittst, llerische -chäligkeit erst unter Trajan begann, so war ihm iedeufills h!? Möglichkeit geboten, sich aus Veit Schriften des JoiephuS über de» Geist und über die Wahrheiten des Judenthums Belehrung zu verschaffen. Sollte ein Autor von der Bedeutiing des Tacitus, der so gewiffenhaft war, sich über Ereigniffe, denen er fern stand, Berichte von Augenzeugen zu verschaffen, dies unterlaffen haben? Hatte er vielleicht die Schriften des Josephus in souverainer Verachtung von sich gewiesen? Wir gehen nicht zu weit, wenn wir dies für nnwahrscheinlich halten. Zur zweifellosen Gewißheit muß es uns aber werde», daß Tacitus Josephus gelesen und gekannt, wenn wir einige Stellen aus diesen beiden Autoren nebeneinander stellen. Der Asphaltsee wird von Josephus und Tacitus wie folgt beschrieben (wir geben die Uebersetzung dieser Schilderungen): Josephus Bull. jud. IV 8, 4. ״Eine nähere Beschreibung verdient noch die natürliche Beschaffenheit des Asphaltsee's. Sein Waffer ist bitter und unfruchtbar, daoei aber so leicht, daß es auch die schwersten hineingeworsenen Gegenstände trägt und man mit aller Anstrengung auch nicht unterzutauche» vermag. BcSpasian, der den See besuchte, ließ einig« des Schwimincns unkundige Personen mit auf den Rücken gebundenen Händen in die Tiefe werfen, da zeigte es sich, daß Alle tote von einem Winde getrieben, auf der Oberfiäche schwammen. Merkwürdig ist der Farben- Wechsel des Sees u. s. w An vielen Orten stößt er schwarze Asphaltklumpen a»S, welche an Gestalt u. Größe Stierrümpsen ähnelnd auf dem Wasser schwimmen. Di« Arbeiter nähern sich denselben, ergreisen die zusammengeronnenen Massen und ziehen sie in den Nachen; haben sic denselben gefüllt, so ist es nicht leicht für sie, die herelngezogcnen Maffen loszumachen, da sie durch ihre Zähigkeit an dein Kakn kleben bleibe», bis sie dieselben durch monatlicheS Blut von Weibern losmachen u. s. w. Der See hat eine Länge von 53» Stadien und eine Breite von 15l) Stadien." Tacitus Bist. 5, 6. ״Der See von außerordentlich großer Ausdehnung wie ein Reer, durch schädlich« Ausdünstungen der. Bewohnern verderblich u. s. w. Das unbewegliche Waffer trägt wie aus sestem Boden; Schwimmer und des Schwimmens Unkundige bleiben gleichniäßig an der Oberfläche. In einer bestimmten Jahreszeit wirft er Erdharz aus; die Erfahrung hat wie zu den andern Künsten, so auch hier zu der Gewohnheit geführt, dasselbe zu sammeln u. s. w. Tie Arbeiter fischen es aus mit der Hand und ziehen es oben auf das Schiff. Von da gleitet es ohne weiteres Zuthun hinein und bleibt als Ballast liegen, bis man es loshauet; das kann man aber nicht durch Kupfer oder Eisen. Es zieht sich vor Blut und vor Gewändern, welche durch di« monatliche Reinigung des weiblichen Geschlechts genetzt sind, zurück." Wcr nach Vergleichung dieser beiden Schilderungen noch daran zweiselil kann, daß Tacitus die Schriften des Josephus benutzt, wird wohl jedeil Zweifel ablegen, wenn er nachfolgende Schildcriliigen vergleicht. Josephus Bull. jud. IV 8, 4. ״ES stößt an den Lee das Geblet von Sodom, einst ein glücklichcs Land durch Fruchtbarteir und de» Wohlstand seiner Städte, zuletzt aber gäuzlich verbrannt. ES joü wegen der Gottlosigkeit seiner Bewohner durch Blitze versengt warden lein. E» aietz» noch letzt Svnren Tacitus Hist. 5, 7. ״Nicht weit davon sind die Al tchcn, welche der Sage nach vor alten Zeiten fruchtbar und von groß.n Llävren bevölkert, durch B.U-- schlag in Bean» gerarhen sino; auch 1 seien die Spure» noch da, und der j Boden selbst, auSgebeaunt dein Air- * setzen nach, Hab« seine Triebkraft

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