Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- N° 7. (21.5.1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5367336-5990812-5990910--0267-5367387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7־2 Herausgeber d. Bl. schon früher an mich ergana»n-n Auffor-' berung, die Resultate jener in lateinischer Sprache rdirtrn Abhandlung zu veröffentlichen, jetzt nachzukoinmen und zum Verständnisse des behandelten Thema's einen kleinen Beitrag zu liefern. Ich hatte mir bei meiner Arbeit die Ausgabe gestellt, die Gleichzeitigkeit der drei im Kanon aufeinander folgenden Propheten Joel, Amos und Obadja zu beweisen, und bin schließlich zu dem Resultate gekommen, daß die historische Reihenfolge derselben gerade die umgekehrte sei als diejenige, ivelche die nach ihnen benannten Bücher der Bibel einnehmen, also: Obadja, Ainos, Joel. Ich bin vom Buche Amos ausgegaugen, weil dieses allein uns in der chronologischen Angabe, die sich iin Eingänge desselben findet, einen festen Mittelpunkt und sicheren Halt bietet, um den sich die Untersuchung bewegeu kann. Daß der als Ueberschrift dienende erste Vers zugleich den Schlüssel zum Vciständiiisse der Reden dieses Propheten enthält, darauf hat Rahmer schon aufmerksam gemacht.*) Geben wir aber erst zu, daß das Erdbeben z. Z. Usias und Jerobeams II. einen Hauptanlaß zu den Strafreden des Amos gegeben hat, so müssen wir auch unbedingt einräumen, daß die größtenthrils kriegerische Ereignisse schildernde Rede, welche die Prophezeihting über das Erdbeben unterbricht (I, 3 — II, 4), von nicht viel geringerer Tragweite ist für die Amosschr Prophezeihung, als jenes Erdbeben, und daß diese kriegerischen Ereignisse kurz vorher geschehen sein müssen, da sie der Prophet in so lebhafter Schilderung darstellt, als lebten sie noch in seinem oder mindestens seiner ältern Zeitgenossen Gedächtnisse. Unter den au die fremden Nationen gerichteten Strafreden übrrtrifft jedenfalls die gegen Edom alle andern an Nachdruck und Heftigkeit. Hier heißt es: ,,Weil er seinen Bruder mit dem Schwerte verfolgte und sein Mitleid erstickte." Der Prophet spricht also deutlich von einem Kriege Edoms gegen Inda; und selbst Ewald, der in den Reden des Amos ausschließlich nur eine Prophezeihung des assyrischen Einfalles in das israelitische Reiche finden will, obwohl Assyrien auch nicht ein einziges Mal genannt wird, bemerkt hier (Amos, Anm. zu I, V. 11—12): ״Kurz vorher scheinen die Edomiter bei günstiger Gelegenheit auf's Neue Streiszüge in die israelitischen Länder unlernommen zu haben (vgl. IX, 12 und Joel IV, 19), als wollten sic nie ihren alten Groll ausgeben u. s. w " Auch Bleek führt diesen Pers in seinen Bernerkungen zu Joel als Beleg dafür an, daß Edom vor Kurzem Einfälle gemacht haben müsse. (Forts. s.) Literaturbericht. Rtrenilonen. Das Iudenthum in der Schute. Ein pädagogischer Berich! für Ellern, Lehrer und Alle, denen die moderne Erziehung nicht gleichgültig ist. Bon Richard Wägner jr. *) Grätz's Monatsschrift 1N70: ״Das Erdbeben in den Tagen des Una." S. 290. Verfasser mehrerer zukunftsfreiheitlicher Schriften. Zürich. Verlagsmagazin 1873. Das reine Menschenthum, ein neuer Geist der moderne« Zeit, erhob sich Anfangs mit dem Versprechen, beglückend, versöhnend aus dir durch consessionelle nationale, sociale Scheidewände gespaltene Menschheit einzuwirken. Fanatismus der Dogmatik, Absolutismus der Politik, Egoismus der Stände und Barbarisnms der Kapiralherrschast, alle diese Unholde und Rachigespenstcr menschlicher Älbstsucht, ihnen erklärte das reine Menschcnthum den Krieg. Wie sie anitrat, diese Idee, so glich sie einer göttlichen Erscheinung, alle Edlen beugten sich vor ihre« Scepter und um ihre Fahne schacrtcn sich riefe Denker, begeisterte Dichter, Freunde der Völker, gediegene Staatsmänner. Und sie kämpfrc siegreich, sic stürzte die mächtizskcn Burgen, die ältesten Festen, sie warf gefürchtete Herrscher und gewaltige Tyrannen zu Boden, sie schuf neue Gesetzgebungen und es war gleichsam ein schöner Sonnentag für die Menschheit angebrochen nach langer ängstlgcr Nacht. Auch die Juden hatten Recht sich dieses Geiftes zu freue». Ihre Religion will ja vor Allem echtes Menscheiiihum, und so war ja der neue Sieg auch ein Sieg ihrer Religion Aber auch ihre finstern Ghctti's wurden geöffnet, ihre Stellung erleichtert, menschenwürdiger gemacht. Doch blicken wir uns jetzt um, so gewahren wir ein ander Bild. Das kaum neuersiandenc Judcnthum sieht sich von Feinden viel umringt. Die Eonsessionen sind fanatischer und ihnen ist das Judcnlhinn nur Ketzerei, die Nationalitäten sind im Kampfe und ihnen ist die Iudcnheit ein vatrrlandsloses Nomadenvvtk, das keiner Nation wahrhaft anhängc, der kritische Nationalismus sirbt in dent Judenihum die Wurzel aller theologischen Giftgcwächsc, und das reine Mcnschcuthum — was ihm das Judelsthune ist — lehrt obige Brochüre. Das reine Mcnschcnthum kündigt sich hier sowohl in dem Verlagsmagazine, welches den Federkampf gegen Unfehlbarkeit, Pfaffen, Mysticismiis, Christenthum, aber auch gegen die Schriften der Juden, die geschriebene Offenbarung, die Bibel und Gott fördert, als auch in dem Verfasser an, welcher ״zukunftsfrciheitlich" schreibt. Doch welche Veränderung ist mit dem reinen Menscheutlmme hier vorgcgangen! Aus der fast gütlichen Erscheinung ist ein abscheuliches Zerrbild entstanden, Mkuth und Zorn liegt in ihren Augen, Geifer!ritt aus ihrem Munde und verzweifelter Haß zerreißt das emst so schöne Angesicht. Ein christliches Gewissen, daS in der Person des Nazareners die Herrlichste Verkörperung des menschbeitlichen Genius sieht und seine Versetzung unter die Götter als überströmcnde Hochachtung bczeichnet, ist ergrimmt über die Bibel, die trotz alledem als Stütze des Ehristcnthums noch dienen soll und wünscht, daß der Ban» alljüdischer Satzung vernichtet werde Die Menschheit, die Wissenschaft hat ihre Fortschritte gemacht, — aber das Judenthum herrscht noch immer. Die Wcisen der Griechen und Römer haben die Propheten längst übertroffen — aber dennoch herrschen die Propheten. Die Wissenschaft har das Judentbnm überwunden — aber das Judenthum ist Sieger geblieben. Das ist ikm eine drückende Schmach, er keucht rvic unter einer Bergcslast und fürchtet, daß sie ihn fast erdrücke, lind diese Angst wird zum giftigen Haß: ״Verachtercs Volk der Juden", redet er die Träger der bibliscbcn Tradiiion an. ״Es ist der Fluch des staubgeborcnen Menschcngcschlcchts, daß cs sich von den Banden der veralteten Satzung so j schwer befreie» kann." Und in seiner wüthigen Angst stellt er!!ich auf das Katheder der Volksschale und grünst wie' ein ani geschosstn׳׳r Eber, beult wild in die Lehrerwelk hinein. Ein ein-! fälliger T on Ouirolc der Pädagogik setzt er sieb auf die Mähre seines Deliriums und nimmt die mit dem D!:ergii: des Haffes geiränkic Lanze und rast in wilder Jagd in das Land der Bibcl bincin. Die hoben biblischen (Gestalten sieht er für Dämone an und schwingt die Lanze und brüll! wie rin Rasender. Nach- . de»! er im Galopp durch die biblische Geschichte getrabt, sieht er : zurück und hält am Berge Sinai Vielleicht schrecken ihn die ״In Worte". Ein Don Ouirote ist aber ein Ritter obne Furcht. Auch oiese sind ibm veraltet ״Weg, ruft er, weg mit ikncn ans der Schule, unsere Miuuu »eenen nur Aberglauben!״ lind ihm schaudert vor dem Spruche: Ein Auge, das de» Vaicr