Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- N° 5 u. 6. (23.4.1873)
- Date
- 1873-04-23
- Page
- Seite 24 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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24 beklagenSwcrthen Eregese, welche sich und den Leuten beweisen möchte, daß Psalmisten und Propheten an Dinge dachten, die viele Jahrhunderte später geschehen sind, Anschauungen hegten, die erst ״am Ende der Tage" aufkamen. In der Wissenschaft zählt diele Art Eregese wenig Anhänger mehr, ober in der christlichen Theologie muß sie noch sehr im Schwange sein. Man hat da noch immer nicht der Wunsch aufgegcben, das alte Testament als Vorschule und Vorbereitung für das neue darzustellen und zu erfIÖTt.11. Daß hierbei mehr verdunkelt als erklärt wird, ist klar. Nr. 3 ist ein Unglaubensbekenntniß — so rectificirt der Verfaffer selbst im Eingänge den Titel. Es unterscheidet sich von seinem unmittelbaren Vorgänger und vielleicht Veranlasser, der im Strauß'schen Buche enthaltenen Confession darin, daß, was dieser in schöner zusammenhängender Darstellung bietet, hier in kurzen dürrm Sätzen und zum größern Theilc in Auszügen aus den bedeutendsten Werken der Naturwissenschaft und der materialistischen Weltanschauung erscheint. Da wie in allen jetzt zahl: reich genug austauchenden neuen Confrsstonen des Materialisnrus auch in dieser die Welt des Geistes, also auch die Religion, nur wenig berücksichtigt ist, so brauchten wir von ihr weiter keine Notiz zu nehmen; aber als mit Kenntnisien und Citatcn wohlbewaffneter Kämpfer für die der unfern entgegengesetzte Weltan: schauring ist auch der anonyme Verfaffer der kleinen Schrift beachtenswerth. Nach der Theologie, Eregese und Naturwiffenschaft möge auch der Poesie ein kleiner Raum in diesen Spalten gegönnt sein. Nr. 4 will uns in das heilige Bereich der Dichtkunst einführen; aber den Sonetten wenigstens, welche auf die Bibel Bezug haben, ist dos Herrn Grasberger nur wenig gelungen. Wir fühlen zwar den erhebenden Hauch der Poesie in diesen Bearbeitungen, zuweilen blos Uebertragungen, biblischer Stücke oder biblischer Scencn. Aber das Dichterische an ihnen ist das Verdienst der Bibel selbst, und ei» unverdorbener Geschmack wird sich an der originalen Poesie der biblische» Darstellung mehr erfreuen, als an der entlehnten und mit reinen Reimen und klangvollen Jamben verzierten Verseklitterung des Nachdichters. Die Bibel hat schon nie!,!!nd bedeutende Dichter zu vielen, auch bedeutenden Dichtungen veranlaßt und das reiche Leben, das in den biblischen Gestalten webt und waltet, ist geeignet, nicht nur Nachahmung zu erwecken, sondern auch schöpferische Talente zun, Dichten und Gestalten auzurcgcn. Es ist nicht Schuld unseres Berfaffers, wenn er nicht zu diesen schöpferischen Talenten gehört; doch das Verdienst bleibt ihm ungcnommen, mit seinen Sonnetten geivifferniaßen zierliche Holzschnitte in Vers und Reim geliefert zu haben, die sich zu wirklichen Dichtungen etwa so verhalten, wie Holzschnitte zu den Künstschöpsungcn eines Dore oder Schnorr von Carolsseld. Br. W. B. Lu;zato, S. D. Grammatik der biblisch-chaldäischen Sprache und des Idioms de» Thalmud babli, herausgegeben von Br. M. S. Krüger. Breslau. Schletter'sche Buchhandlung 1873. (Schluß.) Wie der Verfaffer in seiner Vertheidigung der angegriffenen Talmudsvrache zu weit geht, so ist es seine Pietät für denselben, die ihm das klare Sachverhältniß getrübt, wenn er nämlich mit großem Eifer die Integrität des Talmudtertes behauptet. Luzzato hat die talmudisch-kritischen Forschungen Frankels nicht beachtet, sonst hätte er diese Behauptung nicht aufstcllen können. > " Zu dieser allzugroßen Pietät des Berf. für den Talmud paffen dir Ausfälle des Herausgebers gegen die der grammatischen Kcnntniffe entbehrenden Talmudisten schlecht. Der Pathe merkt nicht, daß er den Vater des Geisteskindes desavouin. Die Be: dcutung R. Eliah Wilna'S, den der Herausgeber als Taluiudistcn gelten läßt, besteht vorzugsweise in der kritischen Behändlung des Talmud, in kühnen Emendationcn falscher Lesarten, die nach de», Verfaffer doch in ihrer ganzen Echtheit bewahrt sein sollen. Der Herausgeber inaugurirt nicht vortheilhaft sein angekündigtes Werk ״über talmudischc Hcraieneutik und Mcthodo: logie", wenn er die Behauptung aufstellt, daß die Talmudisten, welche zur Zeit R. Eliah Wilna's als Talmud-Celebritätcn glänzten, vergessen sind. Nein, so lange cs eine talmudischc Wissenschaft geben wird, — und darunter ist weder bloße Wortnoch grammatische Fonnerklärung allein zu verstehen, sondern vor Allem Kcnntniß der Entwickelung der Halacha — werden Männer wie R. Akiba Eger, R. Mordechai Bcnct, R. Moses Soser u. v. A glänzen, obwohl sie aus grammatische Kcnntniffe kein großes Gewicht legten. Wenn das geläuterte wissenschastliche Bewußtsein der Gegenwart Vieles von ihren Werken als unbrauchbar verwirft, so gicbt es genug der Goldkörncr, die herausgelesen werden können; und diesem Schicksal ist mehr oder weniger jedes menschliche Werk unienvorfcn. Fasten wir nun zum Schluß unser Urtheil über die Brauchbarkeil der ״Grammatik^ zusammen, so müffen wir sagen, dieselbe ist in hervorragender Weise als Bereicherung der Wissenschaft zu betrachten, nicht nur sür die vergleichende Sprachwiffenschaft, sondern zum bessern Verständnis der Talmudsprache für den einigermaßen Eingeweihten, für Ansänger aber oder zum Selbststiidiuni wird sic den Zweck, das Verständniß des Talmud zu vermitteln, aus den oben angegebenen Gründen nicht erreichen. — 1. Jerusalem und seine Ilmgeöung, von vr. W. Elgner. Mit 8 Holzschnitten, einer Karte von Palästina und einem Plane von Jerusalem. Leipzig, Serbe'sche Verlags- Handlung. Das vorstehend genannte Werk ist eine besonders sür den gebildeten und frommen christlichen Leser berechnete populäre Schilderung Jerusalems und seiner Umgebung, und zeichnet sich durch schönen Styl, Eleganz der Sprache, Klarheit der Dürftetlung, methodische Anordnung, gemüthsvolle Wärme vortheilhaft aus. Seine geographischen und geschichtlichen Angaben sind nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft als meist zuverlässige zu betrachten. Für die Wiffenschaft sowie für den jüdischen Leser ist es von unbedeutenden, Jntcreffe. Auch scheint dem Verfaffer vorwiegend ein religiöses und weniger ein wiffenschaftliches Motiv geleitet zu haben. Aus diesem Grunde kann man die mangelnde Gründlichkeit und Ausführlichkeit nicht tadeln. Die Ausstattung ist vorzüglich. K. Notiz. Die Stadtbibliothrk zu NimrS enthält 20 hebr. Manuskripte, -oelchr aus einem alten Karthäusrr Kloster stam- £ men. Sie enthalten manches Werthvolle. (Arch. Jsr.) Briefkasten der Redaktion. Herr Rabb. Br. B. in L. und Br, K. in B. Ihre Beiträge in nächster Nr. Herr Rabb. Br. 8. in B. ,׳nd W. in F. Wird nächstens besprochen werden. Druck und Verlag der Hosbuchdruckerei von <!arl Friese in Magdeburg.