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Das jüdische Literaturblatt · 1873-04-23 · N° 5 u. 6. (23.4.1873) · p. Seite 21

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
N° 5 u. 6. (23.4.1873)
Date
1873-04-23
Page
Seite 21 (sequence 8)
Language
German
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21 El zur Abend - und Ai zur Morgenseite" gehabt habe. — Hiernach denn hat der Patriarch Abram zwischen Ai und Beth - El sich aufgehalten, und zwar dortselbst — wir Mr. Forbes aus dem Texte herauSliest — auf einem Berge sein Zelt zum Wohnen, wie seinen Altar zum Opfern gehabt. *) — Etwa ein halb Jahrtausend später läßt die Bibel einen andern ihrer Helden in Kanaan einziehen und in dieselbe Ge- .: genb kommen, — Josua nämlich, den zweiten Führer Jsraels, den Eroberer KanaanS und Bezwinger der kanaanitischen Volksstämnie. Er schreitet über den Jordan, nimmt Jericho im Sturm und wendet sich von hier gen Ai. Der erste Angriff auf diese Festung mißglückt (Jos. VII. 4, üj, während ein zweiter, bei Weitem strategischer ausgeführt, den Helden das Ziel seiner Pläne erreichen läßt. Ai fällt, Beth- El mit ihm. — Und was war die höhere Strategik? Einerseits der zwischen Beth-El und Ai aufgestellte Hinterhalt, andererseits die Operationen des Feldherrn selber von da aus, wo er sein Standquartier (Lager) hatte. *) Und wo befand sich letzteres? Die Bibel giebt eS an mit den Worten: ״und sie lagerten sich nördlich von Ai" und fügt noch, näher bestimmend, hinzu: ״so daß das Thal war zwischen ihm und Ai." — Dieser zuletzt angeführte Passus aber, in Verbindung gebracht mit dem vorwie nachher erwähnten Hinterhalte, — von welchem cs jedesmal heißt, daß er ״zwischen Beth-El und Ai" sich befunden habe, — veranlaßt unfern Mr. Forbes zu der Annahme, als ob die Bibel jetzt, d. h. zu Josua's Zeiten, den ganzen Landstrich zwischen Beth-El und Ai ein ״Thal" (im graben Gegensätze zu dem ״Berg", der bei Abram genannt) sein lasse. — Wie sucht er aber diesen (freilich nur scheinbaren) Widerspruch zu lösen? Glücklicher Weise nicht anders als durch die Erfahrung, die er persönlich gemacht, — durch die eigene Anschauung, die er gewonnen, als er selber an Ort und Stelle gewesen. Solches ist seinerseits aber, wie er berichtet, in Gemeinschaft mit einem andern gelehrten Freunde, einem Herrn Hurnard aus Norfolk, geschehen. Vor Besuch des qu. Platzes hatten unsere beiden Tonristen sich gewissenhaft alle Details notirl, welche in der H. Schr. über Beth-El und Ai vorhanden, und, an dem Platze angelangt, mit Freuden gefunden, wie, ,׳ach der Umständlichkeit der Beschreibung, alle einzelnen Hauptzüge ganz genau zu erkennen seien. Wir erfahren aus dem Bericht, daß sie zuvörderst die Ruinen von Beth-El untersucht, darauf aber ihren Weg durch das Thal nach dem, auf der gegenüberliegenden Seite befindlichen, Kegelberge genommen und allda die Ueberreste einer christlichen Kirche angetroffen haben. Dies war aber für die Herren Forscher ein uni so köstlicherer Fund, als er sie zu dem Schlüsse brachte, daß eben hier die Stelle sein müsse, wo Abram in Palästina seinen ersten Altar aufgebaut, *) -- die Stelle, wo Jakob unter freiem Himmel geschlafen und von der Gottesleiler geträumt (Gen. 28, 14,, die Stelle, wo Jerobeam Götzenkälber aufgestellt (l. Könige 12, 28 und 2ö) rc. rc. *). — Von dem gedachten Kegetberge gelangten die Reisenden auf einem sogenannten Ziegenwege nach der anstoßenden, ostwärts von Beth-El sich hinziehenden Berghohe und gewahrten hier erst große Geschiebe, im Naturzustande umherliegend, alsdann aber deutliche Spuren einer untergegangenen Stadt, untrüglich kennbar an oen vielen Gebäudetrümmern, den in festes Gestein eingehauene» Cisternen, einem alten Brunnen, Scherben von Topfgeschirr ec. — Die beiden Herren sahen sich ans dem Boden dcö alten 8ns- — Eines nur war ihnen nicht klar, eines noch fehlte ihn», um das biblische Gemälde, von welchem sie so eingenommen waren, für sie zu einem vollständigen zu machen. Das Thal nämlich, durch welches sie, von Beth-El kommend, gewandert waren, hatten sie (natürlicher Weise) im Westen von Ai gefanden, was ihnen aber mit dem bibl. Texte um so weniger übereinstimmend erscheinen wollte, als ja doch in demselben (Josua VUI. 11) ausdrücklich zu lesen, daß der berühmt« Eroberer Kanaans mit seinem Kriegsvolke in der Nacht vor der blutigen Affaire nordwärts von Ai sich gelagert, und zwar so, daß nur ״ein Thal zwischen ihnen und Ai" sich befunden hätte. — Was thaten nun die Herren Reisenden, um - w!e Mr. F. sagt — ״die Richtigkeit der Lage außer allem Zweifel zu stellen?" Sie gingen weiter, setzten ihre Untersuchungen fort und waren endlich so glücklich, die Entdeckung zu machen, daß ״das Thal zwischen Beth-El und Ai, nördlich und südlich streichend, sich fast in rechten Winkeln gen Oste» wendet, so daß es (auch) auf die Nordfeite von Ai kommt." Hiermit schließt der gedachte ״Bericht". In der That erscheint durch eben diesen Schluß aber nur eine Frage gelöst, näinlich diejenige, wie so es richtig und mit der Wirklichkeit harinonirend, wenn iin Buche Josua zu lesen, daß der Feld- Herr dieses Namens, als er im Norde» von Ai lagerte, zwischen sich und der Stadt ein ״Thal" gehabt habe. _ (Schluß folgt.) ') F. glaubt näinlich (wie noch viele Andere) den 2. und 3. Theil des betr. Verses durchaus mit deffen 1. Theile in ganz directe Beziehung bringen zu müssen. י) d. h. in der Nacht vor der Zerstörung Ai's, — da ja sonst das Lager in Gilgal sich befand. 8) Hier, wie in dem ganzeil Berichte, wird von deffen Verfaffer die Stelle in Gen. 12, 7. übersehen, aus welcher ersichtlich, daß der erste Altar bei Sichem erbaut worden. 4) Da n»n später daselbst auch eine Christuskirchc erbaut worden, von welcher jetzt (wie bemerkt) nur noch die Trümmer vorhanden, so kann der Vers, hierin nur einen Beweis finden für den von ihm aufgestellten Sah: ״Heilig bleibt heilig." Literalurbericht. Nrcenfionen. Ahasverus, ei» Heldengedicht von S. Heller. Leipzig, Otto Wigand. Das Epos, so hört iiian oft behaupten, hat in unserer Zeit keine Berechtigung, wir Modernen, sagt man, ertragen seine Breite und Behäbigkeit nicht mehr. Von Einzelnen mag dies gelten, von unserer Zeit überhaupt dies zu sagen, ist unbegründet und unwahr. Wohl ist es richtig, daß der Pulsschlag unseres Zeitalters ein beschleunigter ist, daß die Ruhe und Tiefe des wahren Genuffcs iininer mehr schwindet, um einer Hast und Flüchtigkeit, einer jagenden Eile Platz zu machen, die ohne Verweilen von Ueberrafchung zu Ueberraschung Hüpfen möchte, aber daruni kann denn doch nicht behauptet werden, unsere Zeit sei dem Epos abhold, weil sein Genuß Ruhe, Geduld erfordert. Der Reiz mächtiger Dichtgattungcn beruht auf einem tiefen Wohlgefallen, das die menschliche Seele an ihnen hat; solcher Reiz hat etwas EwigcS a» sich, denn er rühr auf dem sicheren Grunde des Unveränderlichen. In der Tbat widerlegt der Mund der

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