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Das jüdische Literaturblatt · 1873-04-23 · N° 5 u. 6. (23.4.1873) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
N° 5 u. 6. (23.4.1873)
Date
1873-04-23
Page
Seite 18 (sequence 5)
Language
German
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18 gewachsen war, auch am 4. Tage der Sieg bei der gerechten Sache. Der König empfing hierauf den Rabbiner von Ke» rona auf's freundlichste und spendete ihm in dieser Prwataudienz das allerdings zweideutige Lob, daß er noch nie eine solch ungerechte Sache so geschickt, so geistvoll vertheidigen gehört habe. Nachmani blieb noch eine ganze Woche in Barcelona, um das von den Dominikanern verbreitete Gerücht, er sei, von Pablo Christian! besiegt, heimlich entflohen, zu widerlegen. Am Sonnabend hielt er im Gorteshause einelsvon wahrer Ueberzeugungstreue einaegebene und von zündender Begeisterung getragene Predigt über die Vortrefflichkeit der jüdischen Lehre, über die Vorzüge des Iudenthums, das er im Königshause allenfalls vertheidigen, keineswegs aber verherrlichen durste. Sieaaekrönt und von; König durch ein Ehrengeschenk ausgezeichnet, kehrte Nachmaiüdes in seine Vaterstadt zurück, wohin ihn in nicht allzuweiter Entfernung die Ränke seiner Gegner begleiteten, um ihm die traurige lieberzeugung beizubringen, daß zuweilen auch der glänzendste Sieg den Keim einer Niederlage in sich berge. Der Dominikaner- Orden führte ein« zweischneidige Waffe; das angestrebte Ziel unverrückbar im Auge behaltend, war er in der Wahl seiner Mittel nicht sehr wählerisch, und da es ihm Nachmani gegenüber nicht gelang, die Echtheit seiner Behauptungen aus dem jüdischen Schriftthum nachzuweisen, so glaubte er sich hierdurch berechttgt, daffelbe Schriftthum wegen seiner Gehässigkeit zu verdammen uud zu verbrennen. Pablo und Penjasorte wollten aber auch an Nachmani Rache nehmen für die Kühnheit, mit welcher er seine Disputation der Oeffentlichkeit zu übergeben wagte; um ihn zu demüthigen, überreichten sie dem König eine Anklageschrift, und Nachmanides mußte sich vor einer unter dem Präsidium deS Königs hierzu ernannten Com- Mission vertheidigen und sein Verfahren rechffrrttgen. Obgleich er nun die Berechtigung, ja die Nothwendigkeit, die Resultate seiner Disputation zu', veröffentlichen, sonnenklar nachwies, konnte der König, nm nur den Dominikaner nicht zu reizen, doch nicht umhin, Nachmani auf 2 Jahre aus Spanien zu verbannen. Pablo und Penjasorte, denen diese Strafe^» milde schien, erklärten, mit diesem Urtheil sich nicht begnügen zu können und verriethen die Absicht, Nachmani vor ihr eigenes Tribunal zu stellen. Der König aber widersetzte sich diesem Ansinnen und annullirte auch den von der Commission grfällten Richterspruch. Doch wer wollte auf die Gunst eines Königs bauen, der von' Geistlichen beherrscht wird, die um ihr Ziel zu erreichen, nichts unversucht lassen? iver wollte das Urtheil des Königs als letzte Jnstairz betrachten in einem Staate, wo die Kirche Alles beherrscht, Alle regiert? Der Pabst Clemens IV. redete dem König von Aragonien so lange in's Gewissen, bis er sein eigenes Wort zurücknahm und den greisen Nachmanides gänzlich aus seiner Heimath verbannte. Hinausgestoßen aus seinem Grburtslandr, ergriff er den Wanderstab und lenkte seine Schritte nach Palästina, wohin sein Herz und seine Seele schon seit langer, langer Zeit sich gesehnt hatten. Wohl ging er gern nach der heiligen Stätte einer glorreichen Vergangenheit, daß er aber Spanien, t>aß er aber die geweihten Gräber seiner Ahnen nicht aus fteien Stücken veclaffen konnte, erfüllte ihn mit bitterer Wrhmuth. Gramerfüllt ging er von den Seinen und tröstete sich mit der Hoffnung, auf dem h. Boden Beruhigung zu finden. Aber auch hier fand er sich in seinen Erwartungen getäuscht, denn die Mongolen hatten kurz vorher Palästina verwüstet und Je- ־• Z'י. - , '־ •. rusalem in-einen Steinhallftr, venypndclt. Kachmani war es nicht vergönnt, seine Ltvuer wie Hehsd« halevi durch Herrliche Porsten;u linder«, aber 1er ließ e« auch nicht beim Wehklagen -bewenden. Er orgckstistßte dir vom Feinde aufgelösten Gemeinden, half Synagogen bauen, errichtete Lehrhäuser und nahm seine Lehrthätigkeitj unverbroffen wieder auf. Doch nur wenige Jahre.wgr es. ihm vergönnt, im h. Lande zu leben uud zu wirken; er starb 76 Jahre alt, im Jahre 1270 in Acco; aber während dieser kurzen Zeit hatte er noch seinen großarüg angelegten Pantateuch - Commentar vollendet. Durch dieses Geist und Gemüth in gleicher Weise befriedigende Meisterwerk hat sich Nachmanides ein bleibendes Denkmal gesetzt. Doch neben seinen zahlreichen, grundlegenden tslmudischeu Werken bedurfte es erst dieses Denkmals nicht; denn so lange nicht jeglicher Sinn für jüdisches Wiffen erlöschen wird, so lange wird Nachmanides als eine, die Zugend begeisternde, das Alter beruhigende Erscheinung verehrt werden, so lange es eine jüdische Literatur geben wird, so lange wird auch Nachmanides unsterblich sein! Ueber Len Ursprung des Laraerthums. Bon Dr. W. LaudSbrrg. Es ist eine in der Geschichte aller Völker und Zeiten sich bewährende Thalsache, daß Veränderungen und Umgestaltungen sowohl politischer als religiöser Natur immer eine lange Zeit vorher den Keim für die zukünftige Neugestaltung in sich tragen. Keine geschichtliche Erscheinung ist mit einem Male und urplötzlich, ohne vorangegangene Gährung. in's Leben getreten. Die unsichtbaren Fäden, mit denen solche neue historische Veränderungen zusammenhängen, aufzufinden, sie als Veranlaffungen zu den neuen Geburten hinzustellen und so den Zusammenhang der vorangegangenen Ereignisse mit den ihnen folgenden Erscheinungen auseinanderzusetzen, ist detz historischen Forschers eigentlichste und erste Aufgabe. Zur klareren Einsicht und Erforschung der Verhältnisse tragen nicht wenig bei die Reichhaltigkeit und Glaubwürdigkeit der über sie handelnden Quellen, die ja mehr oder weniger den Ausgangspunkt bilden müssen bei der Feststellung geschichtlicher Thatfachen. Wir sind bei der Entwicklung des Ursprungs des Karäerthums gerade nicht in der glücklichen Lage über eine große Auswahl von Primärquellen verfügen zu können. Wir besitzen für diese Darstellung als Hauptquelle nur das derühmte Werk Pinsker's: Likute Kadmoiiioth und eine in neurer Zeit von Neubauer aus der Petersburger Bibliothek edirte Sammlung einer kleinen karäischrn Literatur. Diesem Umstände ist es wohl auch zuzuschreiben, daß gerade dieser Gegenstand. trotz seiner großen Bedeutung für die Entwicklung des Iudenthums ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde. Denn selbst Fürst's zweibändiges Werk: ״Geschichte des Karäerthums", das den Gegenstand «::gehend behandelt, ist in seiner Darstellung vom Ursprung des Karäerthums von vornherein auf eine Prämiffe gestützt, die, wie wir später sehen werden; unzulässig ist; kann also für die Entstehung des Karäerthums nicht als Ausgangspunkt angesehen werben. Auch Geiger's Aufsätze übe. die Karäer und ihre Literatur in seiner ״Zeitschrift" stellen gleichfalls den Gegenstand nicht in das richtige Licht und können nnr als Gedankenvrrirrungen einer Forschuna angesehen w-rdrn, dir erst in jüngster Zeit in ihrer

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