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Das jüdische Literaturblatt · 1873-04-23 · N° 5 u. 6. (23.4.1873) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
2 (1873)
Issue
N° 5 u. 6. (23.4.1873)
Date
1873-04-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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ע '■ HevauSgegeben als Beilage zur Israelitischen Wochenschrift von Dr. M. Rahmer .Mi 5 u. 6. Magdeburg, den 28. Arpil 1878. 2. Jahrgang. N. Mosr den Nachman. Von Nr. Adolf Schwarz. (Schluß.) Die Kabbala, jene Mystik, welche den Gedanken nicht blos mit dem Gefühle, sondern auch mit einer Küstern Phantaste verbindet, die über die Schöpfungsgeschichte brütend, den; Himmel mit Geistern bevölkert, auf daß sie die Schöpfereimer! leeren und füllen, jene Kabbala ist das mißrathene Kind metaphysischen Denkens und blinden Glaubens. Und je weniger die Tiefe dieser Mystik das menschliche Wesen zu beruhigen , vermag, desto auffallender ist es, daß ein Mann wie Nach-! manides dieser Geistesrichtung zu huldigen vermochte. Wohl J sind die Zrrchümer eines großen Geistes belehrender als die > Wahrheiten eines kleinen, räthselhaft jedoch bleibt es immerhin, wie rin Nachmanides solch' große Widersprüche in sich vereinen, oder besser bestehen lassen konnte. Nur wenn das prüsende Auge aus das Mißverhältniß achtet, in welchem Denken und Fühlen bei Nachmani standen, wenn man erwägt, daß seine Gedanken wohl lichtvoll und geläutert gewesen, daß aber die Schranken, die er seinem Geiste gesetzt hatte, seine Gefühlsweit in demselben Maaße erweitern mußten, dann wird man es begreiflich finden, daß er zur Phantasie seine Zuflucht nehmen mußte. Die Phantasie jedoch, welche bei Nachmanides auch dort, wo er nichts weniger als Mystiker ist, eine große Rolle spielt, darf nach ihm keine düstere sein; geläutert muß sie sich unt der Hoheit Gottes, mit den erhabensten Ideen! verbindcn und uns die Möglichkeit erschließen, das Sinnliche! zu vergeistigen und dem sittlich heiligen Weltzweck dienstbar zu machen. Nachmanides unterschied sich eben darin vortheil- Haft von MaimonideS, daß er das Volk nicht durch philosophische Bildung, nicht durch den Hinweis auf die Macht des Gedankens, sondern vielmehr durch eine der Volksanschauung angepaßte Ethik zu erheben suchte. Was könnte denn auch die stoische Philosophie Jenen frommen, die den Weg vom Herzen zum Kopfe nicht ohne Landkarte finden! Nachmani wollte seinem Volke die gesunde Kost des Iudenthums ohne griechische Würze vorsetzen, er kannte kein anderes Ziel, als die Empfänglichkeit für jüdische Lehren und Sitten zu nähren, und dieses Ziel glaubte er nur dadurch erreichen zu können, indem er der modernen Zeikphilosophir den Krieg erklärte, zugleich aber auch seine Jünger eindringlich ermahnte, sich nicht mit der Kabbala zu beschäftigen, sondern in der Erforschung und Bethätigung des Gotteswortes Lebensfreude zu suchen. Don vielem Geiste beseelt und erfüllt, wirkte Nachmanides in Wort und Schrift eine lange Reihe von Zähren als Rabbiner seiner Vaterstadt, als Leiter eines großen Lehrhauses, als Lehrer der gesammten Zudenheit, bis er durch die Bekehrungssucht einiger Wahnbethörten aus seiner segensreichen Wirksamfeit aufgeschreckt wurde. Der General des Dominikaner-Ordens, Raymund von Penjaforte, beherrschte mit der Macht eines Beichtvaters den König von Aragonien und veranlaßte ihn, Nachmanides, den berühmtesten Rabbiner Spaniens, zu einer Disputation mit dem Apostaten Pablo Christiani aufzufordern. Die Liebe ist blind, und da man uns aus Liebe, aus Besorgniß uni unser Seelenheil mit aller Gewalt bekehren wollte, so dürfen wir es den Missiouspredigern nicht verargen, daß sie sich der Hoffnuug Hingaben, den Rabbiner zu Gerona und durch ihn die ganze Zudenheit eines Bestem zu belehren. Nachmanides konnte nicht umhin, dem Einladungsschreiben des Königs Folge zu leisten. Mit Widerwillen, doch würdevoll, trat er am 20. Zuli 1263 hin vor die Eiferer und erklärte sich zur Disputatio» mit dem Apostaten nur dann bereit, wenn ihm unumschränkte Redefreiheit gewährleistet wird. Der König ging auf diese Bedingung ein und als sein Beichtvater die Befürchtilng aussprach, sein Gegner könnte diese Freiheit zu Lästerungen auf das Christenthum mißbrauchen, erwiderte ihm Nachmanides, daß auch er die Regeln de- Anstands kenne. Mit Takt und Geschicklichkeit begrenzte er von vornherein das Gebiet der Disputation und entkräftete mit den höflichsten Manieren in Gegenwart des Hofes, der geistlichen Würbenträger, vieler Ritter und zahlreicher Glaubensgenosten die Behauptung des Apostaten und des Ordensgenerals. Zn gewandter Rede erklärte er, daß die Agada, aus welcher man die bereits erfolgte Ankunft des Messias Nachweisen wollte, keine Autorität besäße, daß es aber den Zuden schon aus dem Grunde unmöglich sei an diese Ankunft zu glauben, weil sie jene sittliche Gehobenheit der Menschen, die nach der prophetischen Auffassung die messianische Zeit charakterisiren werde, noch immer schmerzlich vermiffen, weil sie sich der Thastache nicht verschließen können, daß seit der vermeintlichen Ankunft des vermeintlichen Messias Unstttlichkeit, Gewalt und Ungerechtigkeit, anstatt abzunehmen, vielmehr an Gebiet gewonnen haben. Unerschrocken und mit einem Freimuthe, der dem Hofe imponiren mußte, disputirte Nachmanides 3 Tage hindurch, am 4. Tage wollte er, von Wohlwollenden auf die Gefahr eines allzuglänzenden Sieges aufmerksam gemacht, daS Disputiren einstellen, der König jedoch mochte hierauf nicht eingehen und so blieb, da Pablo der Schlagsertigkett Nachmani's nicht

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