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Das jüdische Literaturblatt · 1872-01-01 · N° 23. (4.12.1972) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 23. (4.12.1972)
Date
1872-01-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 vertrauten Wahrheiten sichern und dauernden Schutz findet,! daß also auch in dieser Erkenntniß die Heilung seiner Schäden > liegt. Sein Volk nun zu dieser Erkenntnis; zu 'ähren und | so die geistige Gesammtkraft desselben zu hebe» und zu llären,! das war das erhabene Ziel, das er sich gesteckt hatte. Und! daS Mirte! es zu erreichen, sollte nicht das schneidige Schwert! des rauhen kriegerischen Richters sein, sondern die blanke j leuchtende Masse des milden, von Gott begnadigten Nabi'S, also das begeisterte und begeisternde, das lautere und läuternd^ : Wort. Das sollte im Volke das Bewußtsein seiner hohen! Mission wach rufen, damit es sich lossage von dem götzen- - dienerischen Tand und sich aus richtig der alten Glaubenstreue zuwende und dadurch jener Sittenreinbeit eine bleibende Stätte in seiner Mitte gründe, die allein nur ein Volk vor Knechti schaft zu bewahren vermag. Ties gelang ihm denn auch i vollständig und zwar um so leicher, als er schon während Eli's Lebzeiten beim Volke in hohem Ansehen stand und ״von Berseba bis Dan" als bewährter Prophet verehrt, wurde. Um aber auch den tief erschütterten Rechtszustand im Lande wieder herzustellen und zu befestigen, und seine richterlichen Entscheidungen der Gewalt und Willkür entgegen zu setzen, machte er jährliche Rundreisen. Damit ferner der Opferdienst, dem doch immerhin eine ideale Bedeutung zu Grunde lag, nicht, wie bis jetzt zum leeren Formendienst herabsinke, gab er demselben eine höhere Weihe durch Einsegnung des Opfer-; fleisches, bevor es genossen werden durste. Gleichzeitig sollten! auch die habgierigen Priester überwacht werden. Endlich grün- > bete er auch eine Prophetenschnle, über die sich freilich ein mystisches Dunkel verbreitet, deren Hauptbestimmung wohl nur war, eine Pflanzstätte zur Heranbildung von Volksleitern künftiger Generationen zu werden. Wie nun diese Staatsleitung ein Segen nach innen war, so war sie es auch nach ' Außen. Die Erbfeinde Israels, die Philister, mochten wohl erfahren haben, wo nicht gar inne geivorden sein, welch' träftiger Arm die Zügel der Regierung des von ihnen so oft geknechteten Landes jetzt lenke, und schickten die Bnndeslade zurück. Später ließen sie es sich beikommen, das Land anzugreifen. Aber da schwang Samuel nicht an der Spitze des Volkes das Schwert des Gideon, sondern er stand während der Hitze des Kampfes opftrnb und betend da, und die israelitischen Kämpfer, zur hohen Begeisterung fortgerissen von der verklärteu Gestalt ihres Propheten, der ihnen als Abglanz eines höheren Wesens erscheinen mochte, schlugen ihre Feinde so vollständig, daß sie während der Regierungszeit keinen zweiten Angriff wagten. So war nun der Friede nach Außen gesichert und die Ruhe und Ordnung im Innern hergestell! und fest begründet und dies trug wohl nicht wenig zur Förderung der Volkswohlfahrt bei, wenn uns auch Nichts darüber berichtet wird, ober richtiger, weil uns Nichts darüber berichtet wird. Aber, wie das im großen Völkerleben zu geschehen pflegt, daß eine unsichtbare Macht neue Bahnen zu neuen Zielen schafit, so geschah es auch hier. Die Wendung blieb nicht aus, und mit dieser Wendung beginnt die weltge schichtliche Bedeutung unseres Propheten. (Schluß f.) Neuer Erklärungsversuch von Genesis Eap. 80. V. 16. Im Allgemeinen stimmen die jüdischen Erklärer darin überein, daß Abimelech in diesem Verse Sarah wegen deS Vorzcsallcncn beschwichtigen wollte, und ztvur so, das; es ihr keineswegs zur Unehre gereichm werde. Es gelingt ihnen nur nicht, diesen Sinn, den der Zusammenhang fordert, in die Worte hineinzulegeu, die unseres Erachtens anders gefaßt werden müssen. Zunächst ist der Gegensatz festzuhalten von לכל אשר א תך und ואתכל einerseits und von כ2ות פינים und ונוכחת andererseits. Abraham und Sarah galten vor ihrer Umgebung, wozu die Vorsicht sie zwang (vgl. auf Raschi!9, 29) als Bruder und Schwester. Abiaielech aber hatte in jener nächtlichen Vision das wahre Sachverhältniß erfahren, zugleich auch, ivelche Hochachtung dem Abraham gebühre. Dies Alles hatte j er feierlich seine» Dienern mitgetheilt (Das. V. 8.) Diese also mären nach dieser Mittheilung des Königs von der Ehrenhaftigkeit Sarah'S überzeugt. Die eigene Umgebung Abrahams und Sarah'S hielt dieselben nach wie vor für Geschwister. Dieser Gegensatz ist nun im Verse 16 klar ausgedrückt, Abimelech sagt darin der Sarah, daß sie vor ihrer Umgebung doch noch immer als Abraham's Sch wefter gelte; was aber alle Andern betrifft, die Diener nämlich, welche wüßten daß sie die Frau deS Abraham sei, so kennten diese auch das wahresKachverbältniß, daß sie von ihm nicht berührt worden. Wir brauchen bloß die Worte des Verses richtig zu fassen, um diesen Sinn klar darin zu findeik. Das von den Erklärern so auffallend gefundene חוא bezieht sich nämlich in prägnanter Weise auf das kurz vorherstehende אחיך; das כסות עינים laßt sich ganz ungeztvungeu durch ״Verhüllung des wahren Verhältnißes" erklären und bildet den Gegensatz zu ״ ונוכחתes ist klar", (יחכ heißt nach Fürst (s. v.) ״start" ״fest" ״kräs'ig" übertragen ״gewiß" ״wahr" ״sicher" ferner lautet eine gramatische Siegel, daß das Feminimum des Adjektiv herrschend neirlraliter gebraucht wird (Rüdiger 206). Die Uebersetzung des Verses würde demnach folgendermaßen lauten: ״Siehe, ich habe gegeben tausend Silberstücke Deinem Bruder, dieser mag dir als Augenhülle dienen vor ^lllen, die bei dir sind; tvas aber alle Andern betrifft (seil, die wissen, daß du seine Frau bist.) so ist eS ja klar"*) (nämlich, daß du unschuldig bist.) Märkisch-Friedlond. Dr. Zuckermandel. ״Die Juden" in einem mecklenburgischen Geschichtswerke. Beleuchtet von l>r. M. I. Mühlielder. (Schluß). Wir würden das Andenken dieser reinen Opfer zu beleidigen fürchten, wollten wir noch etwas zur Widerlegung dieser hirnloseir Beschuldigungen Nachträgen, denen stets nur ein Vorivand zu Raub und Mord an unschuldigen Wesen zu Grunde lag. Und scheint denn nicht auch der Geschichtsschreibet-, für den die Juden doch sonst, wie er aufrichtig bekennt, keine Bedeutung haben, indem er diese albernen Anklagen noch einmal in seiner ׳'anatischen, ja närrischen Weise erhebt, . *) So weil ist es allerdings Nor, aber gerade der prägnant jein sollende Schluß bleibt ohne die t^rNärung, ״nämlich u. j. ro." unklar. <S8 liegt aber auch gar keine zwingende Nöthigung vor, das ו3כחת auf den ganzen Vorfall zurüikzubeziehen und es demnach neutral zn fassen; da eS, ohne die einleuchlende strNärung unseres gesch. Mitarbeiters im Mindesten zu erschüttern, als 2. Person Femin. zu nehmen und zu übersetzen wärt: ,.so bist du (Sarahs gerechtfertigt!" (welche Bedeutung dieser^ Stamm gecade >m stiphal ha,, vgl. ,\rnft ». v. und Nasch! z. St. N.)

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