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Das jüdische Literaturblatt · 1872-01-01 · N° 21. (6.11.1872) · p. Seite 83

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 21. (6.11.1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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8a den übrigen Nationen, von seinem Berus« inmitten der DSlkrr. Seiner Ansicht nach fiel, da ring« auf i^rde» di« Nationen : in traurioer Derwirnrng des leiste; ovm lcbenbkgen Gott des Himmels und der Gxbe abgcsallcn waren, dem israelitischen Volke die Aufgabe zu, für den ganzen Erdkreis Priesterdicnstr zu verrichten, für das ganze Menschengeschlecht zu beten und zu opfern. Co sollte es vor Gott die abgefalleiien Völker gewisier Maßen vertreten. Nach sieben Wochen feiert Israel wieder ein Dankfest. Die beste Frucht des Feldes der Weizen, ist indeß gereift. Die Pflicht der Danlbarkeit befiehlt dem Israeliten, auch vom Weizenselde die Erstlinge zu sammeln und sic als Zeichen frommer Gesinnung auf den Altar des Herrn nirdrrzulrgen. Daß es gcsaucrtc Brode und, bat nach PH110 seinen guten Grund. Es deutet nämlich dieser Umstand darauf, daß des Menschen Brust vor Freude über die goldncn Saaten sich hebt. Hier ist noch der Neumondstag zu nennen, den Philo in den Kreis der Feste zieht. Dieser Tag ist der Feier eines bedeutsamen Vorgangs in der Natur geweiht. Es ist die Er- Neuerung der Mondscheibe. Der wohlthätige Einfluß des Mondes auf Luft und Wasser, auf das Gedeihen der ganzen Plauzen- Welt ist nach Philo Grund genug, den Tag zu feiern, an welchem sein Licht sich verjüngt. Aber auch eine ethische Seile hat das Fest, denn indem es auf das wiedergcspendclc Mondlicht binweißt, erinnert es, daß auch der Mensch von feinen Gütern anderen freundlichen Herzens mitthcile. Es darf kaum erinnert werden, daß auch die Propheten dieser Feier gedenken. Danach scheint es, daß in alter Zeit der Ncumondstag festlich begangen wurde. Die Reihe der Nationalfeste wird durch das UeberschreitungSfcst eröffnet. Der 14. Tag des Aehrenmonats ist der Gedenktag der ^besonderen Gnade Gottes, durch welche einst Israels Häuser in Aegypten verschont blieben, als rings um sie her die erstgeborenen Söhne ihrer Dränger starben und Weh und Bestürzung im ganzen Lande war. Dank floß von den Lippen des israelitischen Volkes, jedes Haus ivar ein Tenipel geworden, in welchem die Glieder der Familie sich zu einem Opfermahle vereinigten. Kein Mittler zwischen Gou und Mensch, das Familienheupt war Priester. Und wozu die Freude des Augenblicks ermuthigte, ohne Priester, ohne gewciht-y Altar zu opfern, es blieb ein heiliger Brauch dieses Tages für alle Zeiten. So erklärt Philo den Umstand, daß es dem Laien gestattet war, daS Pasfahlamnr mit eigner Hand zu schlachten. Die nächsten sieben Tage kennt Philo nicht unter dein Namen des Passahscstcs, er nennt sie mit biblischen Namev das ,Fest der ungesäuerten Brote. In schlichter Weise erzählt er den historischen Anlaß, aus welchem das Gesetz hervorge gangen, vom 15. bis zum 21. Tage des Aehrenmonats keinerlei Gesäuertes zu genieße». Das Factum, worin Philo den Grund dieses Gesetzes sucht, ist das allgemein bekannte, daß die Israeliten dei ihrem Anszuge auS Aegypten nicht Zeit gewannen, ihren Teig gährcu zu lassen. Indeß beruhigten sich die philosophisch gebildeten Alexandriner bei dieser Erklärung nicht. Ihre Cchnftgelehrten suchten nach einem ethischen Grund. Es konnte auch nicht schwer halten, einen solchen zu finden. Ausgehend von der Voraussetzung, daß das mosaische Gesetz die Principien genügsamer Lebensweise enthalte, fanden sie — und diese Erklärung macht Philo zu der seinigen — in dem Genüsse des ungesäuerten Brotes ein wirksames Mttel, den Menschen an die alte, strengere Sitie in Speise und Trank zu erinnern mH Mäßigkeit eine Grundregel seines Lebens werden zu lasAw Welk — so dachte min in diesem Kreise — wäre es in alter Zeit eingefall;.״} ,.״in«! Lrrttrig durch Säkrrung schmackhaft Zu machen? Damals genügt« die einfachste Zubereitung der Nahrungsmittel. Es ist besonders bezeichnend für di« alexandrinische hegest, daß sie das Brstreben hat, die Zeit zu deuten, in welche ein Fest fällt. Wie sie di« im jüdischen Festkalender so häufig auftrrtrnde Siebenzahl auffaßt, ist bereits erwähnt worden. Hier noch ein Beispiel dieser Ar! von Schrifterklarrrng. Es fei weife Berechnung gewesen, meint Phito, daß Israels Gesetzgeber den fünfzehnte» Tag des Monats zum Festtage erhob; denn um die Mitte de» Monats füllt sich die Mondscheibe, und Licht fällt aus die Erde Tag und Nacht. Was aber entspricht der Idee eines religiösen Festes mehr als Lichtfülle? Die Bedeutung des Wochcusestes hat Philo nur halb erfaßt; er hat über Beziehungen, welche dieses Fest zum Ackerbau Palästina's hat, seine nationale Bedeutung übersehen. Es ist ja hinlänglich bekannt, daß sich daran die Erinnerung an die Offenbarung auf Sinai knüpft. Bei uns ist die geschichtliche Bedeutung des Festes längst in den Vordergrund getreten, kau»! erinnern wir uns noch, daß es in alter Zeit auch den Charakter eines Erntefestes hatte. Indeß har auch Philo eine Erinnerung au die Offenbarung der Gruudzüge der jüdischen Religio» gesucht. Sonderbarer Weise fand er sie im Neujahrsfeste. Offenbar brachte ihn der heilige Brauch dieser׳ Tages, vor dein zahlreich versainmelten Volke in die Posaune zu stoßen, auf den Gedanke», daß mit diesen Töne» Israel an den Posaunenschall erinnert werden sollte, unter welchem der Ewige einst seinen heiligen Willen verkündete. Schwerlich aber dürfte die Schriftstelle 3. B. Mos. 23, 24 so sich deuten laffen, daß darin eine Beziehung auf die Gesetzgebung am Sinai erblickt wird. (Aber das alte Gebctstück אתה• Red) Das letzte in der Reihe der Nationalfeste ist das Hüttenfest. Hier war die historische Bedeutung leicht zu finden. Bringt fa die heilige Schrift selbst das Fest in Zusammen- Hang mir Israels Aufenthalt in der arabischen Wüste, deullich genug berichtet sie, ׳daß dort eine einfache Hütte die Wohnung des Volkes war. So schreibt denn auch Philo. Wieder aber fragt er nach dem sittlichen Gewinne, welchen die Feier des Festes einträgt. Nun fällt das Hüttenfest in eine fröhliche Zeit. Die Scheunen haben sich eben mit Korn gefüllt, in der Kelter sprudelt feuriger Wein, Haus und Hof reichen kaum hip, die edlen Früchte aufzunehmen, welche Palästina's gesegneter Boden getragen hat. Auf den Bergen, in den Thälern erschallt der Sang der Winzer. Und gerade um diese Zeit unterzieht sich der Israelit der Beschwerde eines siebentägigen Aufenthalts in ärmlicher Hütte. In diesem Zusammcntreffen von Freude und Ungemach sah Philo eine Antwort auf seine Frage. Der Aufenthalt in unscheinbarer Hütte erinnert lebhaft an die Noih, mit welcher das aus?legypten gewanderte Geschlecht zu kämpfen hatte. Ir lebhafter aber eine solche Erinnerung ist, desto mehr einpfindet der Israelit das Glück, welches ihm im Besitze eines fruchtbaren Landes zu Thcil geworden ist, desto inniger ist sein Dankgebet, wenn er in seinem Hause so viel der herrlichsten Früchte sicht, die ihm eine sorgenfreie Zukunft ver-sprechen. So wird auch durch diese Frier die Neligron des Herzens gepflegt und gestärkt.

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