Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 19/20. (23.10.1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
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78 alfo ״Behemoth" und ״Mammuth," auch nur Eine« und Dasselbe sein und bedeuten mLffen. — Ebenso läßt sein naturhistorische« Wisse» ihn entdecken, daß die Schilderung, welche der Hiobdichter vom Behemoth giebt, genau üöereinstimme mir Wem, was unS bi« jetzt von den, in den verschiedensten Wcltgegenden aufgefundenen, Ueberrrsten des antcdiluvianischm Mammuth bekannt geworden. Wenn nun Hiob und Jesajah mit ihrem בהמות nichts Andere« denn den urweltlichen Mammulh gemeint haben sollen, so wundert un« nur, daß I)r. Barzilai dies nicht auch dem Dichter de« ״Bunde« - Liede«" (Moses) zumuthet, dessen ושן 5) -בהמת אשלח־בם. B. M. 32. 24) doch wohl nicht minder dir qu. neuen Anslegung zugelaffen hätte. — Da« zuletzt angeführte (mosaische) בהמת wird von Einigen (wie Sachs re.) mit ״Gcwild," von Andern (wie Letten« rc.) mit ״Raubthier" und von noch Andern endlich (wie Salomon rc.) einfach ״Thiere" übersetzt; ebenso findet man das בהמות in Jcsaia 30. 6 entweder in ״Vieh" oder in ״Thiers' überttagen, dagegen aber da« בהמות in Hiob 40. 1b fast ausschließlich mit ״Behemoth" wirdergegeben. — Sollte nun Letzteres zu der Annahme berechtigen, daß die älteren wir die neueren Bibclübersetzer nicht so recht eigentlich gewußt, was sie aus dem Hiob'schen בהמות machen sollten, und dirS etwa gar zu Gunsten der Barzilai'schen Entdeckung sprechen? — Der Hiob-Dichter widmet seinem ״Behemoth" sucht weniger als volle 10 Verse (15—24) seines 40. Capitels, in denen er es als ein Gra« (wie Fleisch) fressendes, lendenstarkes und sehnenkräftiges, eisenstarres und elfendcinfeste«, der Fluth ttohendcs und der Schlinge hohnlachendes Thier, — ja, überhaupt als ein Wesen beschreibt, das in der That gar mannigfache Achnlichkeit darbietet mit dem, was die großen Naturhistoriker, wie Blumenbach, Buhle, Cüvier, Koch rc. zur Charakteristik deS vorfluthlichen ״Mammuth" gesagt haben. — Anzunehmen aber, wie vr. B. es thut, cs habe der Dichter de« Hiob, wenn er von ״Behemoth" spricht, sich nur den Mammuth als ״untergegangenes Thier" gedacht, sich denselben nicht anders als ״in seinem fossilen Zustande" vorgcstellt, — und demgemäß in der Beschreibung der qu. 10 Verse Nichts weiter denn eine ״ paläologische (alterthumskundliche) Darstellung" zu erblicken, will uns doch etwas zu gewagt, etwas zu weit gegangen erscheinen. — Gesetzt aber auch, bei Hiob wäre die Annahme des vr. B. eine zutreffende oder wenigstens annähernd richtige, so hat derscibe sich doch bei Jesajah um so gewaltiger geirrt, als dieser Prophet in dem Paffus משא בהמות נגב doch entschieden nur die ״Thiere des Südens" gemeint, davon sogar einige, — wie Löw' und Löwin, Otter und Drache, Esel und Kamerl — dort ganz ausdrücklich angeführt werden. An der (übrigens durch den Stat. const. ganz gerechtst!- tigten) Vocalisation des jcsaltischen Behemoth (ב mit Patach und ה mit Chataf-Patach) stößt sich vr. B. auch nicht, wodurch cs nur desto auffallender wird, daß er die oben angeführte Stelle auS dem Liede Haasinu, so wie noch manche andere Bibelstellen sals in Hab., Joel, Mich, rc.) ganz unberücksichtigt gelaffen. — Doch verlassen wir jetzt den vr. B., um schließlich nur noch wenige Zeilen einigen andern Erklärern des in Rede stehenden ״biblischen Wortes" zu widmen. Gar nicht selien, und namentlich bei neueren Lericographen, findet inan die Ansicht, daß dicE,1dsl,lben von ״Behemoth" und ״Mainmuth" ganz entschieden dem hebräischen מ1ת (resp. dem chald. מות) entsprechen, weshalb denn jene beiden Ausdrücke immer nur auf etwas ״Abgestorbenes" — d. h. früher Dagcwescne«, jetzt aber nur in leblosem Zustande noch Vorhandenes — hinweisen. Ganz besonders hat aber das vom Dichter de« Hiob gebrauchte Behemoth die Aufmerksamkeit der Interpreten und Errgeten auf sich gezogen. — GeseniuS sieht in dem בהמות bei Hiob nur einen Plur. majeststis (oder auch klar, excellentiae) und will das Wort mit ״Nilpferd" überseht wiffen, was ihm nicht nur aus der entsprechenden Schilderung der qu. 10 Verse (Cap. 40. 15—24), sondern auch daraus gcrechffettigt erscheint daß eS ein ganz ähnliches ägyptisches Wort giebt, nämlich Pohemont, welches ״Wafferthier" bedeutet. — Ludolf, Bochart u. A. haben dagegen in dem Thiergcmälde Hiobs das ״Krokodil" erblickt, wofür indcffcn in jenen ״zehn Vcrsm" nur eine Stelle (21, 22) einen Anhalt giebt. — Von GrotiuS, Michaelis, Schultens rc. ist unter dem Hiob'schen Behemoth endlich gar ״der Elephant" verstanden worden. — Vielleicht hat aber auch der Hiobdichter bei seiner höchst intereffanten Schilderung gar kein besonderes animalische« Jndividium im Sinne gehabt, sondern nur das ״Thiergeschlecht" überhaupt in seinen ebenso mannigfachen als mannigfaltigen Variationen, auf welche doch sicherlich, wenn man an gewiffe einzelne Sonderarten denkt, alles das anzuwenden, was in der Beschreibung der ״zehn Verse" nur enthalten ist.**) Frankfurt a. O. Louis Wehl. Necenffonen. Nordmann, Ldon, Textes classiques de la Litterature Religieuse des Israälites prdcddds d’un prlcis de grammaire bäbraique et accompagnds de rdsumds d'liistoire religieuse, de notes et d’un rocabulaire h4breu. Paris 1870. Der alte Spruch von den Schicksalen der Bstöher hat sich an dem vorgenannten bewährt. Unmittelbar vor dem Kriege (4. Juli 1870) im Druck vollendet, hat es ein volles Jahr im Magazin des Buchhändlers gelegen und auch seinerseits die Gefahren der Beschießung und der Petroleumregierung durchgemacht, glücklicher als sein armer Verfasser Überstande». Selbst die nächsten Bekannten und persönlichen Freunde des Letzterm machtm erst im Herbste o. I. in französischen Blättern darauf aufmerksam, damals empfingen auch wir es, aber eS wurde durch Neueres oer» drängt, und so war es leider der jüngst erfolgte frühe Tod des Urhebers, der uns wieder an sein Werk erinnerte. Und doch hätte jener verdient, Frmde an diesem zu erlcbm! Wir wollen unsere Leser mit dem Buche bekannt machen, es ist unser sehnlicher Wunsch, daß ein theoretisch und praktisch recht befähigter Mann — am besten ein wirklicher Lehrer, wie es der sel. Verf. gewesen — es für die deutsche israel. Jugend bearbeite, oder nach diesem Vorbilde mutatis mutandis ein Schulbuch verfasse. Der Titel ist ausführlich, dmnoch enthält das Buch weit mehr, als er besagt und wiederum auch nicht zu viel. Sehen wir, welche Idee den sel. Nordmann geleitet hat. **) Und sind auch dort sämmtlichc auf .Behemoth" bezügliche Verba, Pronomina Susfira rc. singularisch gebraucht, so will die« doch bei einer lo poetischen Schilderung sicherlich Nichts bedeuten, oder es spricht das gerade für unsere Annahme.