Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 19/20. (23.10.1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5367336-6488222-5990900--0206-5367355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
77 Journal-Revue. Jur Lh»r«kteristik )(1 jüdische« Volkes. Unter diesem Titel eröffnet da« ״Ausland" in Nr. 38 eine Reihe vom anthropologischen sowohl wie ethnograpischm Standpunkte au« uns intereffirender Aufsätze.*) Wir übergehen was der Verf. im einleitenden Theil über den Ursprung des jüdischen Volkes sagt, seine Zweifel über den biblischen Bericht, seine Hinneigung zu Manetho'S ״nicht« weniger als schmeichelhaften Darstellung", seine schuldig gebliebene Antwort aus die aufgeworfene Frage, ״inwieweit jene« fremde Element, das mit den Judm au« Egypten gezogen, auf diese eiaslußübend gewesm," und Heden au« der Einleitung nur das hervor, ümS der Vers, über den Racenunterschied und die specisischen Merkmale des jüd. Volke« sagt: ״Worauf nicht genug Gewicht gelegt werden kann, wenn man sich in der Beurtheilung de« Judenthums ein nüchterne« Urtheil bilden will, ist der Umstand, daß diese» in der Mitte des arischen Europa sitzende und zersprengte Volk ein rein semitischeS ist. Jnstinctmäßig so zu sagen fühlt der Europäer in dem ihm gegenüberstehenden Juden den aus Asien eingewanderten Fremdling. Ein gut Theil HaffeS, womit die Juden in manch» Ländern noch verfolgt werden, des sogenannten Vorurtheils gegen sie selbst in höheren Schichten der Gesellschaft, beruht auf jener ethnischen Verschiedenheit, welche auch von dem Freisinnigsten nicht bestritten werden kann. Dieses Vorurtheil ist also streng -genommen eine Art natürlichen, instincttven Gefühle«, wie e« sich allenthalben geltend macht, wo Völker verschiedener Racen mit einander in Berührung kommen. Die Aussicht auf ein völlige» Verschwinden diese« Vorurtheil« mit fortschreitender Gesittung ist daher, unserer Meinung nach, nur sehr gering, besonder» da der Jude auSgestattet ist mit allen Vorzügen, aber auch allen Fehlern f der semitischen Rare, und zwischen dieser und den arischen Stämmen in Bezug auf Racenanlage und Begabung, ja in Bezug selbst auf die jeder Rare specifisch eigenthümlichen Jdeenkreise, Gedankmgang und Anschauungsweise, eine ttefe Kluft herrscht, die seitdem in menschlicher Erinnemng Geschichte lebt, stet« unüberbrückbar gewesen und aller Wahrscheinlichkeit nach eine solche stet« bleibt. Die Mtemunterschiede, von der Natur immanent in die Mmschheft gelegt, sind kein leerer Wahn, und schon der heuttge Stand unsere« in der Völkerpsychologie noch so embryonischen Wissen« gestattet dem Ethnologen nimmer darüber blind hinwegzuschreiten. Vielmehr wird es seine Aufgabe sein, alle Eharaeterzüge sorgfältig zu beobachten, welche den Völkern und Stämmen anhasten um daraus schließlich ein Gesammtbild des moralischen Volkstypus, wenn dieser Ausdruck statthaft ist, abzuletten. Eine gründliche historische Vergleichung wird dann zu dem Ergebnisse führen, daß solche als typisch anerkannte Eigenschäften eines Stamme« in gewissem Sinne und innerhalb einer gewissen Spielweite immanent, unveränderlich dm ganzen Laus der Geschichte hindurch bleibm . . . Die Juden, welche in so mancher Hinsicht eine ethnologische Ausnahmsstellung haben, sind dieier Regel unterworfen geblieben. Wir glaubm daher, daß fortschreitende Bildung wohl schließlich zur Ueberwindung des Voruriheils gegen dm andersgläubigen Israeliten, nicht aber gegen den ethnisch verschiedenen Juden führen wird. *) Wir weiden auf diese unter scheinbar wissenschaftlicher Hülle den seinften Judenhaß bergenden Abhandlung zum Schluß derselben zurücklammen (Red.) Wir müssen als« da» Semitenthum der Judm festhalt», und «ollm hinzufüg», daß wir in ihnm gewissermaßen die ältest» Aristokrat» Europa'« zu erblick« Hab». Darf kein Adel der Erde sich einer mehr denn tausendjährig» beglaubigt» Berge»- gmhett rühm», so stellt sich uns der ärmste Schacherjude an u»d für sich selbst al« im Besitze eine« Stammbaume« da, der unvermischt drei Jahrtausende und darüber bi« zu Mosi« Zeit« hinanfreicht.Feuer und Schwert und Verfolgung» und Verlockung» Hab» durch Jahrhunderte dir Reih» diese« Volkes gelichtet, welche« »och heute, über alle Welttheile zerstreut, nach Million» zähtt, und in sein» biologisch» Beziehung» Unterschiede zeigt, die, unabhängig vom Klima und von der LebmSweise einzig und allein auf Rechnung einer Stammeseinigreit gesetzt werdm muss», für dei.» Ursache wir »eise ErALrung finden. Ein weitere« specifische» Merkmal de« Jud»thum« ist seine außerordmtliche geographische Verbreitung, seine Fleribilität, sein immmses Anpassungsvermögen. Der Mmsch im Allgemein» ist kein Losmopolü j der Jude ist e«. An all» Punkt» der Erde, in allen Klimatm und Zonm sind sie zerstreut und leb» daselbst trotz mitunter sehr hartem staatlichem und soeiqlm Drucke, in fröhlichem Gedeihen. Weder Polnoch Meereihöhe scheinen auf ihr physische» Fortkommm von besonderem Einflüsse zu sein. In dm heiß» Hochthälern AbesfinimS, wo die jüdisch» Falascha'S, die Jos. Halävy besucht hat, al« zahlreicher Volksstamm Hausen, wie in dm Eisregioyen Sibirims, überall begegnet man Jud». Wir wollm nächsten« Einige« über das Leb» der ״Judm in Sibirien" mittheilm. (Fortsetzung folgt.) Lileraturbericht. ü|Pj Sehemoth twd La«muth. Der gelehrte Jtalimer Barzilai gefällt sich darin, gewisse Bibelstellen auf ganz originelle Weise zu interpretirm und hierbei nammtlich, wie er meint, auf etymologische oder sonstige grammattkalische ״Subtilitätm" sein Augmmrrk zu richten. Leider aber pasfirt es ihm nicht seltm, daß jene Subtilitätm durch seine eigen« artige Eregese nur zu Curiosutät» werdm. Wie der gmannte Bibelforscher daS VN fV2Ü2 שמש in Josua 10. 12 und da« ותהי נציב מלח im 1. B. M. 19. 26 auslegt, ist in jüd. Blättern früher schon gmügend dargestellt worden.*) — Heute haben wir e« mit einer neuen ״biblischen Studie" unser« gelehrtm Südländers zu chun. Dieselbe betrifft das Wort 2המות (Behemoth), welchem von Herrn B. ein ganz besonderes Schriftchm: »II Betwot, atuä. bidl. äel vr. 6. Barzilai (Trieate 1870)“ gewidmet worden. — Der Verfasser will nicht« Andere« al« da« biblische ״Behemoth" mit ״Mammuth" idmttficirm und hierzu nicht nur im 40. Capitel de« Buche« Hiob, sondern auch im 30. des Jesajah einen, wie ihm däucht, ganz sichern Anhalt finden. — Und was er aunimmt rsap. behauptet, da« sieht er durch die Brille seiner Gelehrsamkeit ebmsowohl grammatikalisch als auch naturhistorisch vollkommm gerechtfertigt und bewies» dastehen. Seine grammatische Kenntniß sagt ihm, daß. da die Buchstaben 2 und 2 (B. u. M.) als Labiales oder ״Lippenlaute" häufig ('() permutirm (wechseln), die Wörter N1VN2 und ׳מהמות *) Ucber eine dritte, aus Triest uns direct;»gegangene ,Biblische Studie des vr. G. Barzilai,' — welche ausschließlich das Wort ךוס in fast allen seinen in der Bibel vorkomnienden Formen behandelt, — werden wir vielleicht noch später einmal rcseriren.