Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 19/20. (23.10.1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
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79 Es ist ein unbeweisbares Bedürfniß, daß die israel. Zugend den Inhalt der heil. Schrift kennen, und daß auch die Blüthen der späteren jüd. Literatur, soweit diese nicht eine streng gelehrte ist, ihr zugänglich gemacht werden. Sie 1»»ß zweitens die hebr. Sprache erlernen und wenigstens einen gewissen Theil der biblischen und nachbiblischcn Literatur im Original verstehen, lesen, lieber die Nothwendigkeit der Kcnntniß der hebr. Sprache spricht N. in der Vorrede folgende kurze, inhallreiche Worte: ״Wmn der berühmte Urheber des Protestantismus sagen konnte, daß das Erlernen des Hebräischen einen integrirenden?heil der Religion über: Haupt bilde, (pars quaedam religionis et cultus Eei est he־ braeam linguam docere vel discere. Luther.), so ist dies Urthci! aus die israel. Religion mit noch weit besseren׳. Grunde anwendbar; und das Beispiel der wenigen Gemeinden, welche mit dieser allgemein-jüdischen Ansicht gebrochen hatte», bestätigt deren Weisheit. ״Es genügt an die Alerandriner im Alterthume und an die reformistischen Kreise Berlins im Anfänge dieses Jahr- Hunderts zu erinnern; beide, so reich an Geist und Talenten, wurden dennoch sobald von der Umgebung absorbirt, weil ste die heil. Sprache vernachlässigt hatten." Aber die Schwierigkeiten, welche sich der Erreichung jener Ziele, selbst wenn inan die Ansprüche recht sehr ermäßigt, entgegenstellen, sind groß. Die Methode des Unterrichts muß also möglichst verbessert und vereinfacht werden. Die Zahl der Hülfsbücher ist überaus groß, jedes mag besondere Vorzüge haben, wir können diese hier nicht abwägen. Man hat einerseits die biblische Geschichte, frei oder mehr »ach dem Wortlaute der Schrift, gedrängter oder nmsaffender, erzählt, man hat Auszüge aus den prophetischen und poetischen Büchern der Bibel geliefert, einen Abriß der nachbiblischen Geschichte der Juden und Blumensesen-«us der entsprechenden Literatur bearbeitet, alles dies tn der Landessprache; man hat andererseits Hülfsmittel zum Erlernen des Hebräischen und verschiedenartigste Auszüge und Anthologien, aus den Originalen ausgearbeitet. Alle diese hier angedeuteten Methoden sind unentbehrlich. Es ist schlechterdings unmöglich, daß die heutige Jugend die ganze Bibel, ja nur den größeren Thril derselben im Original lese; (es ist das auch nie allgemein geschehen,) — beschränkt man sich auf das Uebersehen eines Theils des Pentateuch uud einiger Gebete, so bleibt der weitere Inhalt der h. Schrift und des ganzen Schriftthums unbekannt; beschränkt man sich auf Mittheilung des Inhalts in deutscher Sprache, so fehlt die nothwendige Bekanntmachung mit den Originalen. Liegt es wirklich so fern, daß ma״ beides gleich Unentbehrliche mit einander verbinde? Mittheilung des Inhalts der Bibel, der Geschichte der Juden und einer Uebersicht über die populäre jüdische Literatur in der Landessprache und, damit verbunden, Lesen, Erklären und Einprägen der wichtigsten Stellen, derjenigen Verse, Aussprüche u. s. w., die den Juden nach dem Wortlaute bekannt, ja geläufig sein sollten, im Original. Ohne Zweifel, dies ist die richtigste Methode; sie ist auch ganz gewiß schon von zahllosen Lehrern befolgt worden, aber ein nach ihr bearbeitetes Lehr- und Hülfsbuch ist unseres Wissens nicht vorhandeie. So wäre denn Nordmanns Werk ein Eolumbus-Ki; aber es ist so! Geben mir am Beispiel der Behandlung ves ersten Buches j Mosis eine Probe seiner Methode. Er giebt auf 13 Seiten j (gr. Oetav, ziemlich compresser Druck) die Geschichte der Genesis,! er erzählt pragmatisch (er seht offenbar und ganz richtig, einen! vorhergegangenen Curius einfacher Erzählung voraus) und schiebt > jin Original folgende Stellen ein: 1, 1— 5; 26— 28; > 1, 81; 2,8; 2, 7 — 25; 3, 17 — 28; 4, 2 — 7; 6, 1 —!'; 12,1 — 3; 15, 6; 17,1 — 12; 18,17 — 25; 22, 1 — 12; 25, 27 — 32; 26,34 — 35; 28,10 — 22; 32, 10 — 33; 45,4—8. In ähnlicher Weise sind die vier anderen Bücher behanbeit, natürlich auch mit Einschiebung gesetzlicher Terre; ebenso die נ*ר, wobei paffende Stellen und Psalmm re. re. eingeflochten sind, während auS נ"א und Hagiographen nur textes classiques mit erklärenden Anmerkungen gegeben sind, z. B. aus Jesaias; 1 2. 2—5; 6; 11,1 — 11; 29, 9—16; 40, 8 — 31; 42,1 — 7; 53, 1 — 12; 43, 1—3; 54, 1 — 14; 55, 6 — 11; 56, 1 — 7; und 57,15 — 58,8. f; Die andere Abtheilung behandelt die nachbiblische Geschichte und flicht ein: Terte der ältesten Gebete, Sentenzen re. re. ijjib זסס! SESdis, IIeI Geoe, Maimonidea, Ibn Esra, 8. b. Adereth, Gersonides, Abarbanel u. A. Soweit über das Material des Buches. Da es uns nur um kurze Andeutung der Methode zu thun ist, so euthaltm wir nus eine Critik zu geben. Diese würde sich sonst theilS auf die Auswahl der Terte, welche nicht immer zu billigen ist, theils auf die eigene Arbeit des Herrn Rordmann erstrecken; die Darstellung der Geschichte, die Erläuterungen zu den Terten, den ganzen, von Tendenz und für ein Schulbuch ungeigneter Critik und Skepsis durchsäuerten Geist des Werte«. Aber einerseits ist der Vers, im Reiche der Wahrheit . . . andrerseits interessirt unsere Leser nur die Einrichtung des Buches, da dasselbe für unsere Schulen ohnehin nicht ohne Umarbeitung gebraucht werden könnte. Wir wiederholen den Wunsch, daß man es kennen lernen, prüfen und, frei und richtig bearbeitet, nach Deutschland verpflanzen möge. Dem Werke geht eine hebr. Grammatik (52 S-) voraus, und ein Voeabular, sowie Verzeichniß üblicher Abbreviaturm sind angehängt. Endlich müffen wir noch bemerke», daß ein Schreiben des O. R. Isidor vorgedruckt ist, welches daS Werk im Ganzen lobt und empfiehlt, die — um eS kurz zu sagen — ״reformistische" Tendenz desselben jedoch rügt. T. ((fine größere Anzahl Recensionen mußte für die nächste Nr. zurückgelegt werden- Red.) Änzeige nrurr Löcher. Jost, Er. M. Israelitisches Gebetbuch für die öffentliche Andacht des ganzen Jahres. Auf Anordnung der Breslauer Gemeinde-Collegicn u. s. w. neu bearbeitet. 2 Bände. Berlin 1872, bei Gerschel. ZeSineK, Er. A. אגרת מוסר׳לר״ש אלפמי Sittenlehre und Sittenschilderung der spanischen Juden, im Anfänge des 15. Jahrhunderts geschrieben. Zum zweiten Male mit verbeffert. Tert und Zusätzen herausgegcben. Wien, 1872. Wokst, Er A. Gebete für Israeliten zum Gebrauch beim Gottesdienst im Hause und aus dem Friedhose. Jn's Deutsch« übertragen von S. Berendt. Frankfurt a. M. Wpkf, S. A. 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