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Das jüdische Literaturblatt · 1872-01-01 · N° 19/20. (23.10.1872) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 19/20. (23.10.1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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7# Schamai, sehr schwer zu führen. Allein das steht fest, daß von Hillel und Echamai an, wo die Quellen reichlicher stießen, die Anführungen aus Kohelet häufig Vorkommen, und daß diese Citate wirklich authentisch sind. R. Zochanan brr. Saccai, der Schüler Hillel's, also nach Grätz ein jugendlicher Zeitgenosse des Verfassers von Kohelet, bediente sich oft Verse aus dem Prediger und hielt demnach dieses Buch für biblisch und alt. Wir wollen in möglichster Kürze 3 solche Stellen hier heranbringen. So legte bereits R. Zochanan b. Saccai den BerS 9,8 ״zu jeder Zeit seien deine Kleider weiß, und das Oel auf deinem Haupte mangele nicht," moralisch aus, daß unter ״weißen Kleidern" die edlen Thaten und Handlungen verstanden stnd. Zrn Midrasch Kakelet :. St. ferner erklärte derselbe diesen Vers durch ein treffliches Gleichniß von einem König, der seine Diener zu einem Gastmahl einlud u s w. (Sabbath 153») und diese Deutung nebst Gleichniß wird von einem der ältesten Thanaim, R. Meir, bezeugt. Zn einem Gespräche mit Simon, dem Brunnengriber, der sich in einen Rangstreit mit R. Zochanan den Saccai eingelaffen, bediente sich derselbe gleichfalls eines Verses auS dem Prediger und zwar der zweiten Hälfte des Verses 4, 17. Es ist dieses eine unverdächtigte Änecdore, wenn man dieses so nennen will, die sich im Munde des Volkes stets treu erhält und die Anwendüng des Verses von Seiten des R. Zochanan ben Saccai ist ebenso authentisch wir die ganze Erzählung. — In der bekannten Unterredung des R. Zochanan b. Saccai mit dem Zrlotenhäuptling, während der Belagerung Zerusalems durch die Römer, wendete R. Zochanan b. Saccai dm KohelethverS 7, 12 auf sich an. S. Midrasch Ecta 1,5 und Koheleth z. St. und obschon die Erzählung sagmhaft gehalten ist, so dürfte gerade die Anwendung des Verses: וקרא עליו החכמה תחיה בעליה historisch sein. Daß die Schüler des R. Zochanan b. Saccai, R. Elieser b. Hyrkanus, A. Zosua b. Chananja u. s. w. das Buch Koheleth fleißig benützten, deuteten und erkärten, braucht nicht erst bewiesen zu werdm. Das Buch Toldoth Aharon von R. Aron Pisaro giebt Belege genug an dir Hand. Hat nun R. Zochanan b. Saccai das Buch Kohelet gekannt und benutzt, was doch gar nicht bestritten werden kann, so ist es rein undenkbar die Abfaffungszeit dieses Buches in eine so späte Periode zu versehen. Würde R. Zochanan b. Saccai von seinem Lehrer Hillel nicht gehört haben, daß dieses Buch zu seiner Zeit als eine Satyre auf Herodes erschienen sei?! Männern wie Hillel und R. Zochanan b. Saccai muß man doch so viel Literaturkenntniß zumuthen, daß sie solch wichtige Enchciiiuiigen der Literatur ihrer Zeit kannten! Sie würden es durchaus nicht zugegeben habm, daß ein so junges, zeitgenössisches Werk der Bibel glrichgesrtzt und von Vielen für kanonisch gehalten werde. (S. Zadaim 3, 4: קהלת מחומרי ביה). Freilich wurde die Canonicität des Buches Kohelet später angcfochten; aber deffm hohes Alter, עוחכמתו עול עולמה. Magilla 7, war über allen Zweifel erhaben. Und wenn auch heute allgemein feststeht, daß Kohelet ein nachsalomonisches Product ist, so ist es doch viel zu gewagt, dasselbe gar in die Herodäische Zeit zu versehen! Würde Kohelet um jene Zeir abgefaßt sein, so würde über dessen Eanoiiicität ebensowenig gestrillen worden sein, wie über die des Cpruchbuchrs des Cirach vdrr über die der anbeir» Apokrypien. Dar׳ Buch Sirach wurde fast zu den Hagiographen zugezähll; aber keineni ist cs eingefallen zu sagen: בן ש—א מטמאה את ודרי מ• Schließlich mag noch erwähnt werdm, daß Melito, einer der ältesten Kirchenväter I lebte ein» ILO port Chr., den biblischen Canon, in griechi- ן scher Uebersetzung und darunter daS Buch Kohelet schon 1 kennt und daß also die griechische Ueders. des Kohel« älter, \ ist, als H. Prof. Grätz annimmt. S. Eusebius Kirchengeschj Buch 4. Kap. 26, wo auch das Verzeichniß der kanonischen; Schriften des alten Testaments von Origenes, der die hebr.! Ramm der Bücher z. B. ״Prediger," ״Kohelet" zugleich an-! giebt, angeführt wird. Rabbiner David Oppenheim. (Die jüngst erschienene, uns übersandte Schrift des Herrn S. Bloch: ״Ursprung und Entstehungszeit des Buche- Kohrlet," brhandclt densrlbrn Gegenstand mit Scharfsinn und Ausführlichkeit, und berührt manche der vorstehend besprochenen j Beweisstellen. Wir kommen in einer der nächsten Nummer» auf dieselbe zurück. Red.) , Erklärung eines Likelverses. Zm 1. Buche der Könige Kap. 19, D.20 wird von dm Eommentatoren die Schwierigkeit der Worte ׳ לך שוב כי מה עשיתי לן* hervorgehoben. Nach Kimchi wollte Eliahu den Elisa \ mit diesen Worten auf die Probe stellen. Man sieht aber dann - den Zusammenhang mit dem Vorhergehenden nicht ein. Diese Probe hätte er auch stellen können, wenn Elisa auch nicht gesagt hätte *אשקה נא.י♦ Ferner bemerkt Kimchi, daß das Factum von der Rückkehr Elisa's nicht deutlich angegeben sei, es liegt aber, meint er, als selbstverständlich in 1 ♦וישב מאחריו Aber ♦ •. וישב מאחריו רקח את צמד weist vielmehr auf! daS Unmittelbare hin ״er wendete sich von ihm und opfert«! alsbald." Gersonides erklärt die Worte B. 19 folgmdermaßen: ״Geh« (zu deinen Eltern) kehre zurück (zu mir), denn daS ist j es ja. was ich dir grthan habe," also eine Begründung zu 3 שוב♦ — Aeußerst gezwungen und ungrammansch! I Ich glaube, daß der Zusammenhang ganz" einfach folgender ist: 1! Die Erwiederung des Elisa, daß er, ehe er ihm folge, seine Eltern küffen wolle, hatte de Eliahu schon verletzt. Er, der eifrige Prophet, glaubte, vor dem hohen Prophetenberufe müffe jede andere Rücksicht zurücktreten. Wo Gott ruft, müffe j jedes andere auch sonst berechtigte Gefühl schweigen. Darum erwirdert er ironisch: Gehr, kehre zurück, (zu deinen Eltern) denn was habe ich dir gethan? Wenn du nicht aus innerem Triebe den Prophelenberuf als Höchstes anerkennst, vor dem alles Andere zurückwcicht, so bist du desselben nicht würdig. Elisa durch diese Bemerkung aufgestachelt, wendet sich um und opfert alsbald und folgte Elijahu, ging also nicht zu den Eltern. Die Eommentatoren hielten das Verlangen Elisa'S für unverfänglich und konnten sich nicht denken, daß Eliahu daffelbe abgeschlagen habe sollte. Aber bei Znterpretationen darf man keine Voraussetzungen haben, da muß man herausi lesen, und ist der angegebene Gedanke im Charakter Eliahu's begründet. Aehnlich schickte Moses, als er seine Sendung zu Pbarao antrat, seine Frau zu Zethro zurück, weil vor seinem hohen Berufe die Familienpflichten weichen mußten. Märkisch-Friedland. vr. Zuckermandel

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