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Das jüdische Literaturblatt · 1872-01-01 · N° 18. (25.9.1872) · p. Seite 70

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 18. (25.9.1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 Zur Deutung eines dunkeln biblischen Waides benutzen zwei hervorragende Amoraim ebenfalls Schöpfungen hellenischer Einbildungskraft. Der am Mitlag verheerende קטב מרירי wird als Dämon gefaßt und von R. Jochanan als schuppiges Ungeheuer geschildert, welches dem Argus gleich voller Augen ist, während R. Simon b. Lakisch ihm nur ein Auge vindicirt, daß sich auf seinem Herzen befindet, und so wirkt, wie im Mythus der Medusenschild דעץ אחת יש על לבו וכל חי שרואה אותו נופל ומת) Diese gräcisirenden Beschreibungen fehlen in dem entsprechenden babylonischen Stücke (Peßachim 111b), obwohl dieser tödtliche Dämon, eine Personifikation der Hochsommerhitze, noch weiter ausgemalt wird**) — Eine uralte Persönlichkeit des griechischen Mythus dient zur Erklärung eines andern dunkeln Wortes. Der welchen Gott niederstreckt, (Hiob 26,12) ist kein anderer als Okeanos, welcher als ältester Titane ebenfalls in den Tartarus eingrschlossen wurde, obwohl die spätere Sage ihn vom Kampfe gegen Zeus ausschließt. Zn Exod r. c. 15 wird der Tod des Okeanos noch ausgeschmückt. Wenn auch eigentlich nicht hierher gehörig, soll ein letztes Beispiel darthun, wie ein alter Tannaite selbst davor nicht zurückschreckte, ganz mythologische Thiere mit ewigem Dasein auszustatten, wobei ihn freilich zunächst nur homiletisches Interefse leitete. A. Melr behauptet, daß den Kühen, welche die Fürsten an das Stiftszelt spendeten, Unsterblichkeit verliehen sei, daß sie noch leben. נתן להם הוויה שיהיו הן חיות וקיימות לעולמי עולמים• Man braucht bei solch' freier Schriftdeutung nicht anzunehmen, baß R. Melr etwa an die Heiligkeit der Kühe in vielen alten Religionen (Movers, Phö nicicr I, 374) dachte, oder gar an die ewigen Himmelskühe der Indier, welche Zndra weidet und melkt, (die Wolken). — vr W. Bacher. Zum Naschi-Lommenlare. Bon vr. A. Berliner. In Nr. 13 der ״literarischen Beilage" (S. 50) weist Herr M. Röst auf eine, wie er glaubt, richtigere Leseart in Raschi zum 1 Buche Mos. 24, 65 hin, indem es in der eä. Eonstanti..opel vom Jahre 1546 heißt: ותתכם לשון ותתפעל כמו ויתגל ותלחץ אל תתחר während es i» unseren Ausgaben heißt.- לשון ותתפעל כמו ותקבר ותשכרי Mit Recht bezweifelt auch die Redactwu in einer besonderen Anmerkung die Aechtheit jener abweichenden Leseart, hält sie aber mit Herrn Röst für richtiger in grammatischer Beziehung. Ich habe zur Zeit, als mir für meine kritische Raschi- Ausgabe 12 Handschriften zu Gebote standen, an der erwähnten Stelle eine Abweichung von unserer Leseart nicht wahrgenommen, deshalb auch in meinem Werke zur Stelle eine besondere Bemerkung nicht eingefügt. Aber auch nach deni Erscheinen desselben bis heute, also während der letzten Jahre, habe ich vielleicht eben so viele Handschriften vom Naschi-Eommentare gesehen und nirgends eine Abweichung von unserem Texte gefunden, mit der unbedeutenden Ausnahine, daß coä. Lerolini n. 121 noch das Wort ותלכר als Beispiel hat. *l Echo robb, zu 1, 3. Die Paravelsiellcn in Echochar tob;ur El. und in Nun,. r. c. 12 zeigen manche Llweichung, doch sind sie von Echa r. abhängig. **) Viclleichi wurde ihm der Name ק׳ מרירי »um Theile auch deshalb gegeben, weil nach Hixp-krates die Zeit der Hundstage besonders durch schwere Gallenkrankheilcn (,למרך ausgezeichnet war. Es liegt uns daher in unserer Leseart eine echte, aus der Feder Raschi's selbst geflossene Bemerkung vor, während die in der Ausgabe vom Jahre 1546 eine willkürliche Aenderung Seitens des Eorrectors ist. dem die Worte Raschi's Unverstandlich blieben Sie sind aber ganz klar; wir müssen nur nicht, wie ich dies in der Vorrede zu meinem Raschi-Werke näher auseinandergesetzt habe, häufig in die Ferne schweifen, um den rechten Sinn zu suchen, wir finden ihn oft bei Raschi selbst, und zwar an anderen Stellen seines Commentars. Jenes Umherschweifen hat gerade auf dem Raschi-Gebiete arge Ver- Wüstung angerichtct und in Polen den, weit eher auf den Commentar zum Talmud als auf den zur Schrift anwendbaren, (Grundsatz erzeugt ״על כל פפה דיו ברשי צריך לישב 1 נקיים-" - Was nun unsere Stelle betrifft, so wollen wir zuvörderst bedenken, daß Raschi, wiewohl er nicht selten einen feinen Takt in grammatischer Beziehung verräth, doch häufig ganz elementare Begriffe behandelt. Raschi will ja kein grammatisches System ausstellen, (ebenso wenig ivill er ein פומק sein), er hat vielmehr gewisse Zuhörer und Schüler im Auge, für die er in erster Reihe seinen Eommentar verfaßt hat. Da hat nun Raschi ותתכם mit dem doppelten ת analysiren!vollen; das eine ת erscheint ihm als Formationsbuchstabe des Hitpaöl, das andere als Bezeichnung der Person weiblichen (Geschlechts. (Eigentlich ist es umgekehrt, das erste ת ist personal, das andere formativ). Um das personale ת erkennen zu lassen, weist Raschi auf andere Wörter hin, nicht aus dem Hitpaöl, da solche zu einer näheren Veranschaulichung wiederum nicht beitragen würden, sondern aus dem Nifal, weil Raschi bereits die häufige Reflerivbedrutung des Nifal und mit ihr die Identität mit dem Hitpaöl kennt.*) Es läßt sich dies aus mehrea Beispielen erweisen; ich wähle nur Raschi's Erklärung zu Josua 8, 15, wo ויננעו reflexiv aufgefaßt wird, und die zu Habakuk 2, 16, wo והערל als Hitpaöl bezeichnet wird. Den Unterschied zwischen Nifal und Hitpaöl bemerkt Raschi zum 5. Buch Mos. 28. 68. Demnach wird nicht Dur an die Priorität in der Kenntniß von der Identität beider Conjugationen gehören; ihm gebührt nur das Verdienst der näheren Begründung und der philosophischen Entwickelung; s. dessen Maaße Efod c. 21. j-) Es ist überhaupt bisher nicht beachtet morden, daß schon im 10. Jahrhundert der karäifche Exeget Jefet b. Ali die Reflexivbedeutung des Nifal erkennt, wie aus der von Munk, No׳ tice sur Aboulwalid citirten Stelle aus dessen Commentar zum 1. Buch Mos. 16, 13, wo er in dieser Weise einen Unterschied zwischen המול und מול statuirt, erhellt. Daß Kiinchi denselben Standpunkt sesthält, erweist Tauber in der Darstellung des grammatischen Systems von Kiinchi, pag. 28 n 1. Uebrigens fällt der von Durau gegen Kimchi erhobene Vorwurf weg, wenn wir dessen Commentar zum 1. Buche Samuels 26, 20 beachten. Bei dieser Gelegenheit sei mir gestattet, eine andere grammatische Stelle im Raschi-Commentar auszuhelleu, um deren Lösung Herr Ober-Rabbiner vr. Landau in Dresden mich ersucht hat. — (Fortsehnng folg,). ״) Nachdem ich dies nicdci geschrieben, wird mir כאלי רחובות non A. Auerbach;ngänglid), und ich lcmcit« zu meiner Freude, daß dort dereiis die Ernndziige meiner biitiärnng gegeben sind. -f) An unicier Zeit von i^wald, Lehrbuch der hebräischen Sprache 8- 124 pp. ausführlich behandelt.

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