Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 18. (25.9.1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M m> A zur Israelitischen Wochenschrift Nr. 39. Erscheint zweimal monatlich Redigiri von Zu beziehen für 1 Thlr. jährl. ״» «ratisbeilag. Rabbiner vr. M. «ahmer in Magdeburg. durch di-Eypeditt»«. zur ifraelilifche» Wochenschrift. Einzelnummern ä 2 Sgr. Inhalt. Wissenschaftliche Aufsätzer Nicht- Neues unter der Sonne. Von A. Lewin. Myihenwesm im Midrasch. Von vr. Bacher. Zum Rajchi-Eoinmeniare. Von vr. Berliner. — Iournai-Zkevue: Die Juden in Rumänien. Franc! über Munk. Misstonsunwesen. Der salomon. Tempel. Die serb- Juden. — Literaturbericht r Die Pcntat.-Ausgabe vo» S. B. Rosa. Von M. Roest. lieber den Monotheismus der Juden. Bon Z. Schmidt. Wissenschaftliche Aufsätze. Nichts Neues unter -er Zonue! Dieser Satz, der dem weisen Koheleth eine Summe von Lebenserfahrungen enthält, bewährt sich bis auf unsere Zeit fast alltäglich. Bald in ernsten, bald in gleichgültigen, aber auch in grotesken und lachencrregenden Wendungen tritt er zu Tage. Da glaubte die Kreuzzeitung eine neue Himmel- stürmende Wahrheit gefunden zu haben, als sie ihren gläubigen liefern verkündete, wie alles Unheil und alle Verdcrbniß unserer Zeit nur der ״Judenpresse" zur Last falle. Theilweise zwar hatte sic sich damit selbst plagiirt, indem sie das alte Schibolet ihrer Partei: ״Pole, Jude und Franzose" in der neuen Wahrheit nur etwas einseitig colorirt halte. Aber weder sie, noch all' die ander» evangelischen und katholischen Majunke hatten eine Ahnung davon, wie die vermaledeiten Juden schon in alten Zeiten frommen oder richtiger dummgläubigen Gemüthern zum Entsetzen die öffentl. Meinung beeinflußten oder erregten. Denn wie bei uns die Presse, so wirkte früher der Verkehr, das anregende Wort, die Erzählung. Wie in Caesars Zeiten der neugierige Gallier jeden Fremden als Fundgrube für Neuigkeiten betrachtete und ausnutzte, so geht es mutatis mutandis das ganze Mittelalter hindurch! Und auch da haben die Juden den gräßlichsten Einfluß geübt, — b. h. wenn wir den Worten des Bischofs Lucas Pudensis, der vor 1240 lebte und schrieb, Glauben schenken wollen. Derselbe stößt nämlich in seiner Schrift gegen die Albigenser einen Schmerzensschrei aus, den wir unfern Lesern in möglichst treuer Uebertragung mittheilen: ״So treten die Ketzer in teuflischer Bosheit meistens zum Judenthum über. Scheinbar Juden, disputiren sie dann mit den Christen und legen ihnen ketzerische Fragen vor. Offener säen sie als Juden den Samen der Ketzerei, sie, die vorher cs nicht wagten, das Wort Ketzerei öffentlich auszuspreche». So hören und lernen die Fürsten unserer Zeit und die Richter der Städte ketzerische Lehrmeinungen von den Juden, welche sie als Hausgenossen und Freunde an sich ziehen. Wenn dann Jemand, von Eifer für Gottesgesetz entbrannt, einen von diesen beleidigt, wird er bestraft, als ob er den Augapfel des Richters des Staates geschädigt hätte. Diese lehren sodann andere Juden, ihre Schmähungen den Christen vorzulegen, als ob sie so den kath. Glauben vernichten könnten. Ihre Gönner sind alle Gemeinden der boshaften Juden, die die Fürsten durch unendliche Gaben sich günstig stimmen und dir Richter mit Gold zu ihrem Vortheil verführen." Nach einem gewaltigen Klageliede über die verderbten Zustände fordert er die Spanier auf, daß sie die Jrrthümer unterdrücken, aber auch die Urheber derselben zugleich mit ihren Verbrechen auSrotte»! Also die jüdische Intelligenz und das jüdische Geld war dem ehrwürdigen Bischof schon damals ein eben solcher Stein des Anstoßes, wie heute der Kreuzztg. und der Germania die liberale Judenpresse und die Judenbörse! Alles Gewesene kommt eben wieder und ״Nichts ist neu unter der Sonne!" A. Lewin. Mythenwrsen im Midrasch. Lire«»«. Centaur. Argus. Meduse«. Oeeauus. Der Einfluß griechischer Sagen auf die Agada ist eine Thatsache, für welche die betreffende Literatur hinlängliche, schon oft hervorgehobene Belege liefert. Weniger beachtet wurden einige Stellen, aus welchen hervorgeht, daß nicht bloß Sagen, sondern auch die plastischen Schöpfungen der griechischen Phantasie, daß auch Mythengebilde einen Platz in den Lehrvorträgen palästinensischer Rabbiner erhielten. Und wenn sie auch keineswegs so weiten Spielraum gewonnen, wie die auf persischer Dämonologie beruhenden Anschauungen des baby- Ionisch-jüdischen Volksglaubens, so beweisen doch die anzuführenden Fälle, daß der nüchterne Geist, welcher in dieser Beziehung Palästina von Babylonien auszeichnet, sich nicht gänzlich gegen die hellenischen Wahngestalten abschloß. Das merkwürdigste und älteste Beispiel bietet uns Sifrä zu Lev. 11, 10, wo die Sirenen (rWVD) sogar Gegenstand halachischer Discussion weiden und R. Chaninas Ansicht, daß ihr Leichnam gleich dem menschlichen verunreinige, abgewicsen wird. Daß die Syrenen, welche in thierischer Gestalt auch in der orientalischen Sage Vorkommen,*) den Tannaiten von den Griechen kamen, beweist ihre Menschenähnlichkeit, welche in der morgenländischen Version unbekannt ist.**) Wie hier einer halachischen, dient anderswo einer agadischen Schrifterklärung eine mythische Gestalt zur Grundlage. Mechiltha zu Exod. 15,1 beme.kt: '.22112 1WP מגיד שהסוס 122111 קשור ססום עולץ סמרום ויורדץ לתהום ואץ נפרדין זה מזה• Dem Urheber dieses Satzes hat sehr wahrscheinlich der griechische Centaur vorgeschwebt, der vom Rosse unzertrennliche!Keiler. *) S. Bacher, Nizaini'S Leben und Werke S. 102. Anm. 13. ") Die Form 2'11גית ist entweder Hebräisirung mit weiblicher Endung «der kranSscription deS Plurals •Tf1pfws, wie im Arabischen סיראנים• I