Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 27 (28.6.1847)
- Date
- 1847-06-28
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
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407 ihren schon oft bewährten Wohlthätigkeitssinn zu bethätigen gesucht. So haben zwei israelitische Kaufleute in Deutsch-Krone*) eine bedeutende Quantität Roggen weit unter dem Marktpreise verkauft, was von den dortigen Einwohnern mit dem lebhafteften Danke anerkannt wurde. — So haben die Israeliten in M. Friedland und Schloppe, als daselbst eine Kollekte für die Armen veranstaltet wurde, mit der größten Bereitwilligkeit verhältnißmäßig bedeutende Summen beigetragen, obzwar die überwiegende Mehrzahl der zu unterstützenden Armen christlicher Konfession waren. — So gehören die Israeliten überhaupt immer nicht zu den Letzten, wo es gilt fremde Noch zu lindern, wo es gilt das Wohl der Mitbürger und des Vaterlands wahrzunehmen, wie sie sich anderseits sowol in hiesiger Gegend, so wie besonders im Großherzogthum Posen von allen dort vorgekommenen tumultuarischen Bewegungen fern gehalten und die Wuth und den Aufruhr der Proletarier so viel wie möglich durch Vertheilung von Geld und Lebensmitteln zu zügeln und zu hemmen gesucht haben. — Und solches Benehmen muß und wird Anerkennung finden. Gute Saaten müssen gute Früchte tragen. — Und tauchen auch noch hie und da die Spukgeftalten der Intoleranz, des Judenhasses auf und bleibt uns in unseren staatsbürgerlichen Verhältnissen noch so Manches zu wünschen übrig, so verzagen wir dennoch nicht. Hoffen wir, daß die Lieblosigkeit gegen Juden, welche, wo sie sich vorsindet, lediglich dem noch nicht gänzlich geschwundenen Vorurtheil früherer Zeiten und der Unkenntniß des Judenthums und des jüdischen Lebens zuzuschreiben ist, früher oder später gänzlich schwinden wird. — Hoffen wir, daß diejenigen, denen das Wohl Hunderttausender in die Hände gelegt, den Anträgen und Wünschen so vieler bedeutender Städte und Gemeinden ein geneigtes Ohr leihen und unsere gerechte Sache bei unserm allgeliebten Landesvater befürworten werden. — Hoffen wir — und das sei unser Trost, wenn die Resultate auch diesmal nicht unseren Erwartungen in ihrem ganzen Umfange entsprechen — daß es mit der Hilfe Dessen, „der die Herzen der Könige gleich Wasserbächen leitet", mit uns besser werden wird, daß die letzten, schon morsch gewordenen Schranken, die uns bis jetzt noch um- . geben, endlich Zusammenstürzen und die schon den *) Die Herren Werner und Hirsekorn. fernen Osten röthende Freiheitssonne auch bald den preußischen Israeliten aufgehen —daß die gute Sache endlich den Sieg davon tragen wird! — Schließlich möge hier noch mitgetheilt werden, daß dem durch einige gesinnungsvolle Männer in's Leben gerufenen und hier seit zwei Jahren bestehenden Wohlthätigkeitsvereine, der schon sehr viel Gutes gewirkt hat, vom hiesigen wohllöbl. Magistrat Ostern d. I. 20 Thlr. zur Vertheilung an jüdische Arme überwiesen wurde. Es ist auch diese Thatsache sowol für den Verein, als für die hiesigen Israeliten überhaupt ein gutes Zeugniß, und wäre es sehr zu wünschen, daß dieser Verein, dessen Streben wahre Menschenliebe ist, immer mehr erstarken und immer mehr Mitglieder und Förderer finden möge! W...ll. Oesterreich. Pefth, 25. Mai. (Privatmitth.) Nimmt man jetzt die ungarischen Blätter zur Hand, man trifft Nichts als endlose Artikel über die „teenöök" („was wir zu thun haben"); konservativ und liberal, Alles rüstet sich zum bevorstehenden großen Prinzipienkampf. Denn man hofft allgemein, der nächste im September l. I. einzuberufende Landtag werde einer der wichtigsten und bedeutendsten sein. Wäre es nicht an der Zeit, daß auch die Juden Ungarns sich über die „t66ndök" besprechen und dafür sorgen, der Judenfrage am nächsten Landtag eine günstige Wendung vorzubereiten, daß sie doch irgend einen Fortschritt, oder daß ich nicht zu sanguinisch scheine — daß sie keine Rückschritte mache, wie man sie z. B. dies krebsartige Kunststückchen schon am 1843/4r Reichstage ausführen ließ??... Die edlen Verfechter des 8tatu8guo und 60 ipso geschworene Feinde aller Reform haben gewiß den seitdem abgelaufenen dreijährigen Zeitraum bestmöglichst dazu benutzt, aus der Rumpelkammer Eisenmengers und Pfefferkorns, wie aus den Archiven der k. Freistadt Debrezin neue Waffen zur Bekämpfung unserer Angelegenheit hervorzusuchen und in brauchbaren Zustand zu versetzen; haben wir zur Vertheidigung derselben etwa neue hervorgesucht aus den Arsenalen der Vernunft, des Rechtes, der Humanität?? Noch immer nicht! Und das eben ist ein Hauptübel und darin eben, glaube ich, liegt ein Hauptgrund von dem traurigen Schicksal dieser Frage. Zwei Organe sind es, mittelst welcher der Jude auf die be-