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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-28 · Heft 27 (28.6.1847) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 27 (28.6.1847)
Date
1847-06-28
Page
Seite 406 (sequence 6)
Language
German
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406 übertreiben in manchem Staate die Loyalität, um nur Legalität zu erwirken. Sie öffnen die innersten Winkel ihres Hauswesens, ihres Religionswesens, sie rusen die Oeffentlichkeit herbei in alle ihre Angelegenheiten. Sie hängen endlich die große Wage der ewigen Gerechtigkeit aus, legen auf die eine Schale Alles, was sie an Werth für die Menschheit und für den Staat haben und haben könnten, und auf die andere Alles, was sie von der Gesellschaft empfangen. Und nun wäget! Themis und Asträa! — Ja, noch mehr, ihre unveränderte Bereitwilligkeit, ein Plus von Pflichten auf sich zu nehmen, in der alleinigen Versorgung ihrer Armen und Schulen bei theils freiwilliger, theils gezwungener fortwährender Beisteuer zu denen der Christen rc., gegen ein Minus von Rechten, zeugt von noch nicht genügender Einsicht in das Wesen des Rechtssatzes. Ist es uns also klar geworden— und nicht ohne freiwilliges Selbstbekenntniß — wie jene Entwickelung ganz im Allgemeinen, und sowol bei Juden als Christen, vor sich gegangen und vor sich geht — nun, so muß sie auch erscheinen, die Zeit, wo man von dem kalten, juristischen Rechtssatze, von dem Staats-Rechenexempel übergeht zur Anerkennung der angeborenen Menschen- und Bürgerrechte, wo jeder Christ, wie Herr Baumeister, in dem Juden nicht mehr etwas „seltsam Fremdartiges" sieht, „sondern den Menschen, der ihm gleich gestellt ist, den Mitbruder, zur Freiheit und allseitigen Entwickelung berufen, wenn er auch sein persönlicher Feind wäre". Und so wird auch bei dem Juden die Zeit kommen, wo er das sich überstürzende Aufgeben jeder Eigenthümlichkeit aufgiebt — denn jeder Mitarbeiter des Staats und der Menschheit muß, will er etwas nützen, zuerst fest in den eigenen Schuhen stehen. Dennoch, weil wir hier in völligem Freimuth zu sprechen gesucht haben, wollen wir die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Idee der angebornen bürgerlichen Berechtigung der Juden, wo sie ihnen aufgegangen, nicht aus deutschen Quellen zugeflossen ist, und man wird in Deutschland wenige Momente finden, wo auf dem Terrän des Rechtes, das mit uns geboren ist, für oder gegen die Judenfrage gekämpft wurde. Es ist uns mit dieser Bemerkung nicht um einen Tadel oder Vorwurf etwa zu thun, sondern um die Feststellung des Faktischen, um die richtige Erkenntniß der vorherrschenden Momente, auf daß man weiß, wo wir stehen, was mangelt, und wohin man sich noch zu entwickeln habe. Möchte die Baumeister'sche Rede ein Anknüpfungspunkt sein, an welchen sich das Verftändniß des Rechts und der Wahrheit auch in Deutschland schlösse! Preußen. Jaskrotv, 8. Juni. (Privatmitth.) Es ist eine erfreuliche, wohlthuende Erscheinung, wenn man sieht, wie das mittelalterliche Vorurtheil nach und nach schwindet und das Licht der Humanität und Menschenliebe immer mehr Raum gewinnt und die düstere Intoleranz und Lieblosigkeit verscheucht und verbannt; wenn man wahrnimmt, daß der christliche Bürger dem jüdischen die Bruderhand reicht und jeden Konfessionsunterschied bei Seite setzend auch im Israeliten das Ebenbild Gottes, den guten Menschen, den treuen Unterthan, den friedlichen Bürger achtet und ehrt; wenn man wahrnimmt, wie Rechtlichkeit und Biedersinn auch im Israeliten immer mehr Anerkennung finden und das Volk auch dem Israeliten sein Zutrauen schenkt und nicht anfteht, ihm die städtischen Jnteresten anzuvertrauen. — Und es verdient wol öffentlich mitgetheilt zu werden, daß in unserer Stadt, wo seit einiger Zeit ein Israelit *), welcher die Achtung seiner Mitbürger genießt, als Mitglied des Magistratskollegiums fungirt, neulich wieder drei Israeliten und zwar die Herren I. A. Borchardt und Louis Borchardt als Stadtverordneten uud Herr Julius Ap o lant als Stadtverordneten-Stellvertreter erwählt wurden. — Aber nicht nur hier, sondern auch in den übrigen Städten des deutsch-kroner Kreises haben die Israeliten schon seit längerer Zeit Kommunalämter bekleidet und auch in sozialer Beziehung eine achtungswerthe Stellung erlangt. — Wenn nun diese erfreulichen Verhältnisse einerseits von dem Biedersinn und der Humanität der christlichen Mitbürger zeugen, st sind sie nicht minder das sprechendste Zeugniß für dre Rechtlichkeit und Moralität der jüdischen Bewohner dieser Städte. Und in der That sind die Israeliten stets bestrebt, ihren Unterthans- und Bürgerpflichten auf's Vollkommenste nachzukommen und haben str auch in der letzten Zeit, bei der durch die anhaltende Theuerung auch in hiesiger Gegend herrschenden Noth *) Herr Rathmann K. E. Apolant.

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