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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-28 · Heft 27 (28.6.1847) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 27 (28.6.1847)
Date
1847-06-28
Page
Seite 408 (sequence 8)
Language
German
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408 treffenden Verhandlungen direkt einwirken kann, oder doch zu können vermeint und strebt: die Presse und die jüdischen Repräsentanten. Diese Beiden erinnern sich jedoch ihrer hohen Obliegenheit erst dann, wenn der Landtag bereits zusammengetreten oder gar die Judenfrage — die doch gewöhnlich als ein nothwendiges Uebel möglichst weit hinausgeschoben wird und die gesetzgeberische Weisheit erst am Schluß des Reichstages beschäftigt — bereits Gegenstand der Verhandlungen. Ein Verfahren, das überall und unter allen Umständen tadelns- und verwerfenswerth wäre. Wo der Betreffende nicht selbst eine Lanze für seine heilige Sache einlegen kann, sondern hiemit Andere betrauen muß, ist es vor Allem nothwendig, diese genau von Allem zu informiren, alle ihre Zweifel zu heben, alle ihre Bedenklichkeiten zu entkräften und ihnen derart Interesse, Liebe und Begeisterung für die von ihnen zu vertretende Sache beizubringen. In der Kampfeshitze ist es hiezu bereits zu spät und der Kämpfer läßt nach der kleinsten Ermattung oder der unbedeutendsten Schlappe, die er erhalten, unmuthig die Waffen sinken, die er nur aus kaltem Pflichtgefühl oder irgend einer Nebenrücksicht, aber nicht aus Liebe und Begeisterung, welche zu wecken die Betreffenden verabsäumt — ergriffen. Auch ist's möglich und denkbar, daß sogar der Feind vom Kampfe absteht oder doch diesen nicht so energisch und nachdrucksvoll führt, wenn ihm im Voraus die Gerechtigkeit unsrer Sache, die Schärfe unserer Waffen u. s. w. klar gezeigt wird. Und die Erfahrungen aller konstitutionellen Staaten sprechen unverkennbar für diese apriorische Behauptung. Denn nur jene Lebensfragen, die vor ihrer parlamentarischen Verhandlung genügende Würdigung und Beleuchtung in der Presse erfahren, können einer befriedigenden Behandlung und vielleicht auch erfreulichen Lösung gewärtig sein. Um so verwerflicher ist aber bei den eigenen Verhältnissen unseres Landtages dieses punktatorische Verfahren, dieses Zögern bis zum letzten Entscheidungsmoment. Das schädlichste Krebsübel an der Verfassung des ungarischen Reichstages, gegen welches heute die tüchtigsten publizistischen Vorfechter der Reformpartei, wie L. Szalay, I. Eötvös, I. Jninyi u. A. einstimmig ankämpfen, ist die Gebundenheit der Komitats- und Stadtdeputirten durch engstbemessene und in die kleinsten Details eingehende Instruktionen, die ihnen vor dem Beginn oder bei unvorhergesehenen Fällen im Verlauf des Reichstages von ihren Wählern ertheilt werden. Natürlich ist hiedurch aller freien Erörterung einer Frage, aller individuellen Meinungsäußerung, allem etwa möglichen Nachgeben einer bessern, erst im Verlaufe der Verhandlungen von anderer Seite her laut gewordenen Ansicht, den Herren Deputaten im Voraus erunmöglicht. Und einer Frage kann nur so ein günstiges Prognoftikon gestellt werden, wenn lange vor Eröffnung des Reichstages diese von allen Seiten besprochen und beleuchtet, den betreffenden Wählern — dem gesammten Komitatsadel oder den Stadtbürgern — annehmbar gemacht und so auf die Ausfertigung der Instruktionen Einfluß geübt wird. Wenn aber — wie dies bei den letzten zwei Reichstagen geschehen ist und so viel sich bis jetzt wahrnehmen, oder richtiger, weil sich bis jetzt Nichts wahrnehmen läßt, wahrscheinlich auch beim nächsten Reichstage geschehen wird — wenn die jüdisch-ungarischen Landesvertreter erst im Verlauf des Landtages zusammentreten und da erst zu berathen anfangen, was zu thun wäre, so ist es ganz natürlich, daß sie bei all ihrem heiligen Eifer, bei all ihrer nicht genug zu rühmenden Thätigkeit und Energie, mit all ihren gerechten Bitten und kräftigen Petitionen für die Judenfrage kein günstigeres Resultat erzielen, als der Landtag ohne ihre Bemühungen gebracht hätte. Denn sie haben den günstigen Moment ungenützt vorübergehen lassen, und das ist in der Weltgeschichte wie im Leben der Völker und des Einzelnen gewöhnlich das über Tod und Leben Entscheidende.... Und wenn das kleine Häuflein jüdischer Publizisten — ich meine Jene, die die Judensache öffentlich besprechen, denn von der großen Schaar jüdischen Federhelden fühlen oder zeigen allerdings nur Wenige Lust und Muth, auf diesen bei uns noch sehr kitzlichen Gegenstand einzugehen — wenn diese Wenigen erst dann mit der Sprache oder mit der Schrift Herausrücken, wenn bereits die Frage unter Debatte gekommen und Freund wie Feind schon viel zu aufgeregt ist, um die zu- oder abrathende, tadelnde oder billigende, anerkennende oder verwerfende Stimme zu vernehmen, so haben wir dann nur uns selbst es zuzuschreiben, wenn wir leeres Stroh dreschen und nur dazu beitragen, die Verwirrung und den Lärm, vielleicht auch die Erbitterung zu mehren, aber nicht eine günstige Entscheidung herbeizuführen! ... Darum die Hand an's heilige Werk, Herren der Praxis wie der Theorie, Männer der Feder wie der

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