Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 12 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der seit dem I. November 1910 eingerichtete „Nascht- Schiur " fand regelmäßig im Winter am Freitag Abend von 8l/2 bis 9V2 und im Sommer am Sonnabend Nachmittag von 8 bis 4 Uhr floß. In demselben wird drr Text der Thora mit NasLi-Kommentar vorgetragen u. z. hat Emil Breslauer den Vortrag übernommen. Sport konnte infolge häufigen Wechsels der Sportwart' nicht genügend gepflegt werden. Die Gesell igkeit wurde durch die Einrichtung von „Teeabenden" gehoben. Auch zwei Ausflüge, einer nach Schildberg und einer nach Bralin, trugen hierzu bei. Unser Purim fest verlief trotz .plötzlicher Absage des Rezitators Fritz Richard vom „Dtsch. Tbeater" Berlin sehr gemütlich. — Aüen unseren Gönnern daukm wir hier nochmals für die verschiedenen Zuwendungen, insbesondere der „Earitas-Loge", dem „Verein für jüd. Geschichte und Literatur", dem Vorstand der „Jsr. Religionsschule", sämtlich hier; ferner der „Dtsch. Eonf.-Gemeinsch. der A. I. U." und dem „C. V “ für lieber» Weisung ihrer Organe. — Am 30. VI. 1911 betrug die Mitgliederzahl 95 und das Vereinsvecmögen M. 2,07. Briefkasten. Ltrafibnrg n. <t. Vereine. Die „Rundschau" - Artikel werden in Zukunst in üblicher Weise erscheinen; wir haben diesmal von einer „Rundschau" absehen zu können geglaubt, weil vr. Regensburger in seinem, in dieser Nummer erschienenen Artikel die wichtigsten Ereignisie der letzten Zeit besprochen hat. Tie „Rundschau" der nächsten Nummer wird die in einer jüdische» Zeitung erwähnenswerten Vorkommnisse im Auslande gewiffenvast nachtragen. 8tucl. med. H. M. in Z. Auch katholische Gelehrte haben sich mit den Makknväerkämpsen eingehenv beschäftigt. Wir nennen be-spielsweise die Monographie „Judas Malta - bäus, ein Ltbensbild aus den letzten großen Tagen des israelitischen Volkes" von Or. Hugo Weiß, ordentlichem Professor der Theologie am Königlichen Lhceum Hosianum zu Braunsberg, Freiburq i. Br. 1897. Daß auch Komponisten diesen Stoff gewähl> haben, ist ja bekannt; es braucht nur auf Händel und R u b i n st e i n hingewiesen zu werden. Liberales Mitglied in H. Die integrierenden Bestandteile des Juoentums befinden sich nicht bloß in den prophetischen Büchern. Ter vielgeschmähete Talmud enthält so manch wertvolle Perle jüdischer Ethik, die wir nicht missen möchten, und aus die wir nicht verzichten können. Wer von einem prophetischen im Gegensatz zu einem r a b hink s ch e n Judentum spricht, verrät eine große Unwissenhnt, die in unserer Zeit nicht nur in Ihrem Lager, sondern auch bei den verschiebenen Parteien in einem geradezu erschreckenden Maße auzutreffen ist Führende G e i st e r der liberalen Richtung haben das talmudische Schrifttum stets nach Gebühr gewürdigt. Wir erinnern beispielsweise an Manuel Joel-Breslau und Moritz Lazarus. Dieser hat in seiner „Ethik" eine große Anzahl talmudischer Stellen verweitet. In der Einleitung zur „Ethik" Bd. II S. X spricht Lazarus von dem allen Geiste der r a b b i n i s ch e n S t t t e n l e h r e, von dem wirklich erhabenen Ideengehalt des t a l m u d i s ch e n Schrifttums, von der geradezu erhabenen Lauterte i t d e r G e j i n n u n g , der Reinheit und dem Adel sittlicher Ideen der alten talmudische» lleberliefe - r u n g Fahren Sie daher fort, die Propheten Israels zu lieben, lassen Sie sich aber nicht durch hochtönende Phrasen ve leiten, auf den „Talmudismus" oder „Rabbanismus" mit Geringschätzung hinobzusehen. Denn beide, Propheten und Rabbiner, haben die unübertroffene Morallehre des Judentums besruchtet und ausgebaut. Israelitisch, Indisch oder Mosaisch? Welche dieser Bezeichiiuiigen richtiger und berechtigter i», können wir staute perle nicht'angeben; nur e ne eingehende Studie könnte u. E diese Frage befriedigend beantworten. Hier nur einige aphoristische Hinweise. Den Namen „Jude" zu Ehren gebracht hat der bekannte Vorkämpfer Gabriel Rießer; seiner im Jahre 1882 begründeten Zeitschrift gab er den Namen „Der Jude",. mit der Begründung, „weil Haß und Bosheit den Namen,Jnde' zu einem Schimpfwort, .jüdisch' zum Inbegriff alles Unedlen gemacht hatte". Während wir noch bei I o st die Titel: Allgemeine Geschichte des israelitischen Volkes und Neuere Geschichte der Israeliten finden, nennt Proseffor G r a e tz sein elsbändigrs Geschichtswerk: Geschichte der Juden. Die ini Jahre 1854 begründete Rabbinerschule in Breslau, an der Frankl und Graetz 'wirkten, erhält den Ranien: Jüdischtheologisches Seminar In letzter Zeit hat man sich im Norden Deutschlands für die Bezeichnung Jude und Jüdisch entschieden, während man im Süden und in den österreichischen Landen häufiger den Bezeichnungen Israelit und Israelitisch begegnet (wahrscheinlich auch infolge der behördlichen Bezeichnung). Der bekannte Kämpfer für die Rechte der Juden, der Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden, der weder zu den Orthodoxen, noch zu den Zionisten gezählt werden kan», verwendet bei den Titeln seiner Vorträge und Aufsätze mit Vorliebe das Wort „Jude", wie z. B.: „Aus dem S-chrislschatz der Juden", „Die deutschen Juden vor und in 60 Jahren", „Die Juden einst und jetzt." Der Bezeichnung „Israelit" und „Israelitisch" haben sich Rabbiner und Kanzelreonec in der Regel bedient. Selbst der konservative M. Sachs betitelt seinen Machsor: Di e Gebete der Israeliten Tie Ra' biner und Prediger haben die Bezeichnung „Israeli:" mit Vorliebe aus dem Grunde gewählt, weil sie damit an den G o t t e S k ä m p f e r Israel nach IM. 32, 28ff erinnern wollten, dessen Bestimmung es ist, stets für Licht und Wahrheit zu kämpfen. Auch mochten die Rabbiner an die Stelle Jes. 44, 5 gedacht baden „. . . und mit deni Namen Israel schmeichelt er sich . . ." Man kann sich daher über diejenigen Glaubensgenossen, die sich Israeliten nennen, keineswegs lustig machen. Auch die Bezeichnung „Mosaisch", bei der man allerdings mehr an das Glaubensbekenntnis denkt, hat ihre Berechtigung, da wir Juden an der L e h r e Moses (Thoraty Mosche) festhalten. Rießer beispielsweise hat seiner ersten Schrift den Titel gegeben: „lieber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens." Für diejenigen, die sich auf die Bezeichnung Jude besonders zu gute tun und meinen, daß sie sich dadurch von den Assimilanten und Reformern unterscheiden, sei daraus hingewiesen, daß das Zentralorgan der Orthodoxie „Israelit" heißt, wählend dieim Jahre 1852 erschienenen Predigten von Holdheim den Titel führen: Neue Sammlung jüdischer Predigten, gehalten im Goiteshause der j ü d i s ch e n Reform- Gemeinde zu Berlin. 3*5 Der Jüdische Jugend-ßund ßerlin E.V. veranstaltet sein ^s== diesjähriges Winterfest am Sonnabend, den 16. Dezember in den Gesamträumen der Philharmonie. Zuerst findet ein Konzert unter Mitwirkung erster Künstler statt, darauf Ball. Tanzmusik vom Translateur-Orchester unter persönlicher Leitung des Komponisten Translateur. Von 1 Uhr ab im Oberlicht-Saal Lichtspiele) im braunen Saal Cabaret. Außerdem große Tombola, Saal-Post usw. 0000 Eintrittskarten ä M. 2.— vel Louis Lamm, im Kaufhaus des Westens und bei Hermann Tietz. — 15