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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-12-01 · 12 (1.12.1911) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
12 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Maimorgenspaziergängcn und einer Wanderung durch das Jamnatal zusammen. Sportliche und insbesondere turnerischeBetätigung erfuhr von uns die siärkste Förderung. Mit unserer Anregung zur Benutzung des Licht-, Lust- und Sonnenbades hatten wir wenig Glück, hingegen war unsere Propaganda zur Erlernung des Schwimmens in diesem Jahre erfolgreicher, wir konnten einige Freischwimmer prämiieren. Das Tennisspiel litt zwar unter mancherlei Schwierigkeiten, 10 bis 15 Personen spielten jedoch regelmäßig Mit höchster Befriedigung blicken wir auf die Organisation der Turnabteilungen zurück,'die, aufs eifrigste frequentiert, vielversprechender Entwicklung entgegensehen. Bon diversen Einrichtungen sei «. a. der Sederabende und des Stenographie-Lehr- und Fortb'ldungs-Kursus gedacht (letzterer unter Leitung von Frl. Bazes). Die besten Absolventen des Lehrknrsus erhielten Prämien. Die Beziehungen zu den übrigen, am Ort wirkenden Vereinen waren gute; zu den Veranstaltungen des CentcalvereinS, der Zionistischen Ortsgruppe und deS Literaturvereins wurden wir ständig eingeladen. Die jüdische Gemeinde subventtonierte uns mit 200 M. p. a., ebenso üben der Verein der Jugendfreunde und die Eoncordia-Loge das nobile officium der materiellen Unterstützung bei uns aus. Der Literatur- Verein hat uns, wie bereits erwähnt, seine Bibliothek zur Verfügung gestellt. Von der gemeinsamen Wirkjamteit mit anderen Vereinen sei besonders die Einrichtung der „Kindernachmittage" erwähnt, über welche demnächst ausführlich berichtet werden wird. Tie Verwaltungsarbeiten wurden in 18 Vorstands« und 4 Ausschußsitzunorn erledigt. Die Korrespondenz erreichte schätzungsweise 200 Nummenn außer Drucksachen. Daneben gingen eine intensive Werbearbeit und Maßnahmen zur Konsolidierung des Mitgliederbestandes her (230 ordentliche Mitglieder). Von größeren verwaltungstechnischen Arbeiten beschäftigte uns u. u. die Revision der Statuten und die Zusammenstellung des Bibliothekskalalogs. Die allgemeinen Grundsätze, von denen wir geleitet werden, sind in organisatorischer Beziehung: Arbeitsteilung und st raffe Disziplin, in sachlicher: Mannigfaltigkeit und R eichhalt igkert des Darzu bietenden, Nach außen hin waren wir bemüht, unsere Unabhängigkeit zu wahren, und ohne Rücksicht auf materielle Einbuße unsere Handlung?- und Meinungsfreiheit uns zu sichern. Wir glauben, den Verein so geleitet zu haben, wie es nach seiner Struktur überhaupt möglich war. Wenn trotzdem, vielleicht gerade wegen der Regsamkeit, die wir entfaltet haben, die inneren Schwierigkeiten, zu deren Beilegung drei außerordentliche Generalversammlungen erforderlich waren, so große gewesen sind, so lag das an einer mißverständlichen Auffassung des Begliffes der Neutralität bei einem Teil unserer Mitglieder^ Wir verstehen unter Neutralität, allen Richtungen die Möglichkeit gleichmäßiger geistiger Betätigung zu gewähren, jene Neutralitäisfanatiker hingegen den Aurschluß alles Zionistischen. Gegen eine solche Verkennung der Ziele eines Jugendbundes mußten wir uns wenden, und wir taten es mit um so größerer Energie, als die Mittel, die angewendet wurden, den Bestand des Vereins in Frage stellten. Wir haben das Programm mit Erfolg verteidigt, mit ungeschwächier Energie die Ruhe wiederhergestellt und hoffen nun unseie Arbeit-forlsetzen zu können. Die Generalversammlung wurde mit einer Beileidskundgebung an den Königshüller Bruderverein anläßlich des traurigen Abschlusses seines Sommervergnügens eröffnet. Hierauf fand die seit langem vorbereiiete Siaiutenrevision (redaktionelle Aenderungen der allen Satzungen durch Anpassung an das Normalsiaiut) durch ein stimmige Annahme des vorgilegten Entwurfs nach nochmaliger giünolicher Beratung ihren Abichtuß. Der Erstaliung des Geschäftsberichts durch den Vorsitzenden Herrn S. Rappaport schloß sich eine kurze Debatte an, die durch einstimmige Annahme eines von Rechtsanwalt Dr. Weißmann ei»gebrachten Dank- und Vrnauensvolums für den alten Vorstand geschlossen wurde. Aus der Neuwahl des Vorstandes gingen hervor: S. Nappaport als erster, Paul Goldstein als zweiter Vorsitzender, Max Eentawer als erster Schriftführer, und ferner die Damen Martha Bandmann, Rosa Goldmann und die Herren Dr. Pinczower, Heinrich Margulies, Rechtsanwalt Wallfisch und Max Schwersenz Am 5. November hatten wir die Ehre, den Verbands» Präsidenten bei uns zu sehen. Herr Dr. Apfel sprach in öffentlicher Versammlung über „Jugend und Judentum". Er entwickelte in der den Lesern dieser Blätter schon vertrauten meisterhaften Art Grundlage und Programni der Jugendvereinsbestrebungen und besprach eine Reihe neuer Aufgaben des Verbandes (Berufswahl der jüdischen Jugend: jüdische Frauenirage usw.). Der Vortrag fand den stürmischen Beifall der über 400 Köpfe starken Zuhörerschaft. Der Vorsitzende, Herr S. Rappaport, der zu Beginn der Versammlung dem Präsidenten den Willkommensgruß des Jngendbundes entboten hatte, leitete die Diskussion mit Dank an den Referenten und der Feststellung ein, daß die von Dr. Apfel gekennzeichneten Aufgaben im Kattowitzer Verein eine gesicherte Pflegestätte gefunden hätten. In der Debatte sprachen ferner die Herren Fritz Cohn, Arnold Wiener, Dr. Ehrenfried, Rabb. Nischkowsky u. a. Dr. Apfel konnte im Schlußwort den imposanten Verlauf der Veranstaltung mit Genugtuung konstatieren. — Am Nachmittag hatten sich die Mitglieder des Jugendbundes im Künltlersaal des Hotels „Monopol" zu einem Fünf-Uhr-Tee zu Ehren Dr. Apfels versammelt. Der zweite Vorsitzende Herr Paul Goldstein sprach einige Begrüßungsworie, auf die unser Gast in launiger Weise erwiderte. Der Besuch fand die wärmste Teilnahme der gesamten Jugend der Gemeinde; wir hoffen, daß die Anwesenheit Dr. Apfels ihre Wirkung auf einen Ausgleich der in unserem Jahresbericht bereits besprochenen — Differenzen nicht verfehlen wird. Kempen i. P. AnSzilg aus dem Jahresbericht pro 1910-1911. Im zweiten Geschäftsjahre wurde folgendes geleistet: Die Lesehalle war geöffnet: im Winter am Freitag Abend von 7‘/2 bis 10 Uhr und am Sonnabend Vorm, von 10V« bis 12 und Nachm, von 1V2 bis 3 Uhr; im Sommer am Sonnabend Vorm, von 107« bis 12 Uhr und am Nachmittag von 17« bis 4 Uhr. Die Besucherzahl war wiederum ca. 550 Folgende Zeitungen lagen auf: Mitt. d. Verb. d. j. Jugendv. Dtschl., Jüdische Rundschau, Israelit, Sabbath, Franks. Jsr. Familienbl., Ost und West, Im Deutschen Reich, Wegw. s. d. Jugendlit., X. L.-Bl., Posener Zeiiung, Nord und Süd—Morgen, Welt und Haus, Jugend. Westcrmanns Monatshefte u. a. m. Die Bibliothek wurde durch einige Zuwendungen seitens des Verbandes, sowie einiger Veieinsmitalieder um einige gute Bücher bereichert. Sie zählt 56 Nummern bezw. 71 Bände. Die Benutzung der Bibliothek des hiesigen Jüdischen Ltteralurvereins stand uns frei; hiervon wurde ausgiebiger Gebrauch gemacht. Bibliothekar S. Wagner. Folgende Vorträge wurden gehalten: Simon Freund: „Betrachtungen zur bevorstehenden General - Versammlung"; Zahnarzt Joseph Freund: „Allgemeine jüdische Organisarionen"; Fritz Happ: „Haufs's Lichtenstein"; Emil Breslauer: „Michael Sachs, seine Macvsorübersetzungeu und Dichiungen"; cantt. merk. Oskar Dzialowskr: „Kämpfe um die bürgerliche Gleichstellung der Juden"; Simon Freund : „Der Kaufmann als Reichsbürger"; Georg Jacob: „Sport und Sprel"; Emil Breslauer: „Das Vereinswesen innerhalb der jüdischen Gemeinde Kempen"; Max Herdenfeld: „Der 15. Schwat"; Dr. M. Schlesinger: „sexuelle Aufklärung in der Jagenderziehung"; Lehrer Elras Witt: „Sozialpädagogik im Judentum der Gegenwart"; Georg Freund - Halberstadt : „Der wirtschaftliche Fortschritt und die Juden". Ferner Leo Breslauer und Simon Freund zusammen drei Referate üoer: „Aktuelles im Jndemum". Fast sämtlichen Darbierungen folgten Diskussionen, von denen einige recht lebhaft verliefen. — Außerdem waren wir eingeladen von der „Carrtas-Loge" zu Pros. Mendelsson-Posen über: „Erdbeben und Vulkane im Lrchre der modernen Forschung" und vom „Literaturverein" zu Dr. Philipp de Haas-Posen über: „Gesetzestreues Judenkum und moderne Kultur". Der „Literaturverein" gestattete unseren Milgliedern auch den Zutritt zu seinen sonstigen Vorträgen. 14 —

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