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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-12-01 · 12 (1.12.1911) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
12 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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der seinerseits kurz seine Anschauungen über die jüdische Rassenfrage entwickelte, insbesondere auf die Gefahren, die dem Bestand des Judentumes aus Assimilation und Mischehe drohen, hinwies. Beide Versammlungen, die bis auf den letzten Platz gefüllt waren, und deren Besucher sich zum großen Teil aus Berliner jüdischen Bürgern und jungen Leuten zusammensetzten, die bisher unfern Bestrebungen abseits gegenüberstanden, standen sichtlich unter dem Eindruck der inhaltlich und formell vollendeten Referate, und unsere Jugendvereins-Jdce ist sicherlich durch beide Veranstaltungen innerhalb der Berliner Judenschaft weiter propagiert, in weitere Kreise getragen und gekräftigt worden. Eine große Anzahl von neuen Mitgliedern ist zunächst die unmittelbarste Frucht der Bemühunqm der Herren, die sich in so liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hatten. Cöl«. Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Jugendvereins „Gabriel Rießer" zu Cöln von Oktober 1910 bis Oktober 1911. Aus dem soeben erschienenen VI. Rechenschaftsbericht des Jugendvereins „Gabriel Rießer" in Cöln entnehmen wir folgendes: Das verflossene Jahr bildet insofern einen Markstein in der Geschichte des Vereins, als es in ihm gelungen ist, die Zahl der Mitglieder so beträchtlich zu erhöhen, daß nunmehr das erste Tausend weit überschritten ist, ein Resultat, welches selbst hohe Erwartungen noch bedeutend übertroffen hat. Mächtiger und stärker denn je entwickelte sich der Verein im verflossenen Jahre, und heuleist er aus kleinsten Anfängen in kurzem Zeitraum nicht nur zu einem achtunggebietenden Faktor im Leben der jüdischen Gemeinde Cölns herangewachsen, sondern weit darüber hinaus zu einem starken Pfeiler der gesamten jüdischen Jugendbewegung Deutschlands geworden. Dieser Erfolg wurde vor allem erreicht durch den kerngesunden Gedanken, der in der Bewegung steckt, nämlich das Jnnehalten strengster Neutralität jeglicher politischen oder religiösen Strömung gegenüber, unter Wahrung eines freien und ungehinderten Gedankenaustausches. Ein reicher Stoff zu regen Aussprachen bot sich an den Vorträgen, die auf speziell jüdischen wie allgemein kulturellen Gebieten wichtige Probleme behandelten. Andere Faktoren, die dem Vercin seine werbende Kraft gegeben, waren die Einrichtung der Freitagabende, g e s c l l s ch a f t l i ch e V e r a n st a l t u n g e n. K u n st - und literarische Abende, sodann seine Sprach- und wissenschaftlichen Kurse. Für Bewegung und Kräftigung des Körpers sorgte die Wandergruppe und ein T e n n i s k l u b. Auf Initiative des Vereins wurde am 18. Dezember 1910 der „Bezirksverband der jüdischen Jugendvereine Westdeutschlands" gegründet. Dieser soll in erster Linie den Vereinen an kleinen und mittleren Plätzen zugute konimen. Bei der Grü> dungsversammlung zeigte sich das rege Interesse, welches die großen jüdischen Organisationen an den Bestrebungen des Vereins nehmen. — Weiterhin nahm er an der im Mai"1911 zu Elberfeld tagenden, von Herrn Staatsminister von Möller einberusenen dritten Jugendpflegekonferenz und an der V Konferenz der Z e n t r a l st e l l e für Bolkswohlfa hrt teil. — Die Leistungen des Vorstandes waren nur durch die treue Mitarbeit seiner Kommissionen möglich. Ballotage-, Presse-, Bibliothek-, Lokal-, Wirtschafts-. Vergnügungs-, Kunst-, Sport-, Finanz-, Fieitagabend- und Propaganda-Kommission — sie alle betätigten sich unermüdlich auf den ibnen zustehenden Gebieten. Im Bericht heißt es darüber: „Wir haben heute eine Organisation in ihnen geschaffen, auf die wir mit Recht stolz sem können. Wie die Räder einer Maschine greisen und arbeiten sie alle ineinander zum Wöhle des gemeinsamen Ganzen. Wahrlich, kaum eine zweiie jüdische Bewegung Deutschlands dürste so getragen werden von der Hingabe eines jeden einzelnen an die allgemeine Sache wie die unserigel — lind woh.r die Begeisterung, die uns beseelt? Sie entstaniml dem Gefühle, daß Wir an der Arbeit sind, mehr als ein Weik lokaler Bedeutung, mehr als soziale, ethische und erzieherische Werte zu schaffen, daß wir am Werke sind, Ringe an der ehernen Kette zu schmieden und zu hämmern, die da hcrleitet aus vergangenen Tagen hinüber in eine schönere, freudigere Zukunft. Die Gewißheit, daß eS mit dem Judentum nicht gu Ende ist und nie zu Ende sein darf — st« ist der treibende Motor, der unsere Kräfte in Bewegung hält, uns antreibt und beseelt zu schaffensfreudiger Tätigkeili" 6. L. Emden. Am 22. Oktober 1911 hielt Herr Rabbiner Or. L A. Rosenthal-Berlin nn Montefiore-Verern einen Vortrag über das Thema: Die Kunst, glücklich zu werden. Der hochinteressante Vortrag, welchem eine lebhafte Diskussion folgte, wurde von dem zahlreich erschienenen Publikum mit großem Beifall ausgenommen. — Am 22. November 1911 hielt Herr Otto Oscar Matihes-Bremen vor einem zahlreichen Auditorium einen Rezitationsvortrag aus der modernen jüdischen und deutschen Literatur. Herr Matthes erntete vielen Beifall für seine vorzüglichen Darbietungen. Kattowitz. AuS dem in der am 18. d. Mts. stattgehabten ordentlichen Generalversammlung unseres Jugendbundes gegebenen Jahresbericht sei, nachdem über die Tätigkeit während des größeren Teils der Berichtszeit (Oktober bis Ende Februar), die allgemeine Organisation und die Institutionen des Vereins bereits in Nr. 3 des Berbandsorgans berichtet worden war, »och folgendes nachgetragcn: An Vorträgen wurden in den Monaten März, April, Mai in chronologischer Reihenfolge geboten: „Die jüdische Jugend und die jungjüdische Gegenwart" (Rabbiner Dr. Kopniein-Beuthen O.-S.). „Festrede zu Purim" (Rabbiner Dr. Winter-Mhslowiy). „Bericht über den Delegiertentag der jüdischen Jugendbereine zu Hannover" (Referent S. Rappaport). „Das jüdische Volkslied" (Dr. Pinczower) „Die jüdische Literatur inr Rahmen unserer Bibliothek" (Referat von H. Margulies). „Die Rundfrage des Verbandes der jüdischen Jugendvereine zur Jahrhundertfeier der Judenemanzipation in Preußen" (Vortrag von Fritz Cohn). „Die deutschen Handtungsgehilscnorganisationen" (Vortrag von Leo Löbl). „Die Vorgänge in der Alliance" (Arnold Wiener). „Weltliche Melodien im heiligen Sang" (Overkantor Singer). Die Diskussionen nach den Vorträgen nahmen an Sachlichkeit und allgemeinem Interesse zu; interessante Debatten entwickelten sich insbesondere nach den Referaten über die Enquete-Nummer des Verbandrorgans und die Alliance- Vorgänge. Der Kursus „lieber die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern" wurde fortgeführt. es sprach noch u. a. Herr Koppler über „Die Balkan-Staaten". Der Besuch der wöchentliche» Versammlungen war außerordentlich stark und betrug durchschnittlich 100 Personen, bei manchen Veranstaltungen weit mehr: beim Vortrag von Herrn Dr. Kopfstein z. B. waren über 160 Mitglieder, beim Purimfest, das lediglich Mitgliedern und ihren Angehörigen zugänglich war, 250 Personen erschiene»; die geringste Beteiligung wies eine Versammlung mit 60 Personen auf, iodaß man bereits von einem festen Stamm von Besuchern sprechen konnte. Die von uns verwaltete Bibliothek des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur wurde weiter ausgebaut, die Neuauflage de» Katalogs bis zur Drucklegung gefördert. Die Schaffung eines Lese- und Schachspielzimmers, eines Lesezirkels, eines Kursus für Hebräisch bleiben dem kommenden Jahr Vorbehalten. Die Errichtung eigener Räumlichkeiten ist zu einer zweckmäßigen und erfolgreichen Pflege der Geselligkeit unbedingt erforderlich; trotz dieses Mangels waren wir bemüht, an ca. 30 stattgehabten, regelmäßigen Beceinsabenden auch das gesellschaftliche Moment zu pflegen. Außerhalb der Vereinsabende fanden wir uns zu Veranstaltungen in größerem Rahmen, zu einem Chanukka- und Purimfest, zu' Winlerspaziergängen,

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