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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-12-01 · 12 (1.12.1911) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
12 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Türen, alle Herzen in diesen Räumen waren ihm verschlossen. Ein kalter Hauch, eisiger als aus Grabesnacht, so eisig wie ihn ein steinernes Menschcnherz ausströmt, wehte ihm aus dem Dunstkreise seines einstigen Waltens entgegen. Eine unsichtbare Macht packte ihn und stieß ihn zurück, und an seine Ohren schlug es mit harter, gellender Stimme: „Fort von hier, du Fremder, du hast keinen Anteil an diesem Hause!" Entsetzen ergriff ihn — es gibt Dinge unter den Lebenden, über welche die Toten sich entsetzen — und fassungslos wankte er von dannen. Sein irrender Schritt führte ihn zur Synagoge, wo er während seines Erdenlebens oft Trost und Zuflucht im Gebet gefunden. Die Synagoge war erleuchtet. Nach altem Brauche weilten in oer Nacht zu Hoschana Rabba die frommen Männer der Gemeinde im Gottcshause und lasen in der Thora und in den Psalmen. Einige dieser andächtigen Beter hatten eben nach Mitternacht die Synagoge verlassen, um sich nach Hause zu begeben. Da sprach der eine: „Wie sich die Zeiten ändern! Vor einem Jahre haben sie den alten Elias begraben, und er starb als ein gottesfürchtiger Jude, — und jetzt haben seine Kinder seinen guten jüdischen Namen verleugnet und ihren angestammten Glauben abgeschworen. Der arme Elias, sein Lebenswerk ist verraten, seine Hoffnungen sind verloren!" Da begann der andere: „Tag und Nacht hat er für seine Kinder gearbeitet und sich gemüht. Und die dankbaren Kinder? .. . Das Geld des alten Juden zu erben und damit zu protzen, dessen schämen sie sich nicht; aber seine Religion zu bekennen und das Andenken des Vaters zu ehren, dessen schämen sie sich . . . <-ckne Ueberzeugung muß der Mensch haben, eine Ueberzeugung. . . Aber sagt mir, Freunde, haben die Kinder des Elias aus Ueberzeugung ihren Glauben verlassen, oder baben sie aus gesinnungslosem Strebertum und frevlem Uebermut ihreReligion gewechselt — ja, wie man ein Hemd wechselt?'' Da nahm der dritte das Wort: „Es heißt in der Schrift: ,Süß ist der Schlaf des Arbeiters', das läßt sich jo auölegen: ,Süß und selig ist die Himmelsrube eines Menschen, der sein Leben in rechtschaffener Arbeit zugebracht hat'. — Der bewcinenswerte Elias, ihm ist nach des Lebens Arbeit diese süße, friedvolle Seligkeit nicht bejchieden; denn die eigenen Kinder haben seine Himmelsruhe gestört und einen Stein auf sein Grab geworfen. Wenn sein Schatten jetzt aus dem Grabe stiege, seine alte Heimstätte wäre ihm verschlossen und verriegelt..." Doch horch! — War das nicht ein Klagelaut aus menschlichem Munde? Klang das nicht wie der herzerschütternde, tränenerstickte Schrei eines zusammenbrechenden alte» Mannes, dem Gurgeln und Glucksen eines tiefen, geheimnisvollen Brunnens vergleichbar? Oder knarrte die Synagogentür so, oder ächzte so der Wind durch eine offene Bodenluke? Erschreckt blickren die Männer um sich. Stille und Einsamkeit rings umher. Durch den weißlichen Dunst floß der Silberglanz des Mondes und wob um die Synagoge einen zauberischen Dämmerungsschleier. Dort aber am Vorsprung des alten Gemäuers, im Schatten des Strebepfeilers ballte sich der Nebel so sonderbar und strich über die Wiesen nach der Richtung des jüdischen Friedhofes. . .. Zum Chanukkafest. „Nun sprecht noch einmal ein Gebet Und dann das Schwert zur Hand, Heut kämpfen wir die letzte Schlacht Für unser Heimatland. Wer zaghaft für sein Leben bangt, Gin junges Weib gefreit, Aehr ruhig heim an seinen Herd, Ihm werde frei Geleit. Ich halte keinen, noch ist's Zeit, Hier winkt <uch nur der Tod." Held Juda zu den Seinen sprach's Beiin ersten Morgenrot. Rein Ginz'ger ging. Gin still Gebet Noch einmal sie vereint! Dann fuhr die kleine Heldenschar Wie Wetter in den Feind! Stahl klirrt auf Stahl, die Funken sprüh», <£ i n Mann steht gegen zehn. Man hat, solang die Grde steht, Solch Ringen nicht gesehn. Die Syrer flohu beim Abendrot, Hin war ihr Uriegesruhm, Gereinigt ward vom Götzendienst Jehovas Heiligtum. Gin winzig Fläschchen reinen Gels Fand sich in: Tempelschrein, Für einen Tag, acht aber braucht's, Um frisches Gel zu weihn. Doch sieh die heil'ge Lampe bräunt' Acht Tage hell und klar, Jehovas Allmacht ward dem Volk Aufs neue offenbar. Alljährlich, wenn der weiße Schnee Die weite Grde deckt, Wird an der Väter Heldenwerk Grinn'rung uns geweckt. Und hören wir beim Rerzenschein Im Geist der Schwerter Alang, Dann füllen unsre Herzen sich Mit Stolz und heißem Dank. Uns steigt beim frohen Siegeslied Die Röte ins Gesicht, Gs mahnt der toten Helden Geist Uns ernst an unsre Pflicht. Wir schaffen dann in neuer Kraft Mit Spaten und mit Pflug, Und rüsten so für Judas Volk Zu neuem Siegeszug. A. Loewcuthat-Yaiinover.

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