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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-12-01 · 12 (1.12.1911) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
12 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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ging, und wie jüdische Künstler als Musikdirigenten oder Sänger Interpreten Wagnerscher Musik waren. Dadurch wird das judenfeindliche Urteil Wagners über das jüdische Musikverständnis auf das beste bekämpft und zurückgewiesen. Wenn oben bemerkt wurde, daß jüdische Jünglingsvereine den religiösen Charakter nicht besonders hervorkehren sollen, um auch solche Elemente zu gewinnen, die nicht religiös veranlagt sind, so wollte ich damit nur sagen, daß ein Verein, der der Allgemeinheit dienen will, sich auf Bibel-, Talmud- und Raschivorträge nicht beschränken darf, und daß es ferner nicht ratsam wäre, in einem Vereine, in dem junge Leute verschiedener religiöser Anschauungen und Richtungen Zusammenarbeiten sollen, Referate über spezifisch religiöse Themata halten zu lassen. Vorträge oder Referate über Gebetbuchreform, Zeremonialgesetz rc. könnten leicht die Gemüter erregen; in der Debatte würden die Geister aufeinanderplatzen und so einen Mißton in die Verhandlungen bringen und den Bestand des Vereins bedrohen. 'Dagegen sind Vorträge aus demGebiete der jüdischenReliglvnswissenschaft aufs wärmste zu empfehlen. Unsere Jünglinge hören und lesen in öffentlichen Blättern die Urteile eines Wellhausen, Delitzsch, Harnack, Bousset u. a. m.; sie erfahren von den Angriffen auf das Judentuiu, aber nicht davon, wie man diese Angriffe wissenschaftlich zurückweisen kann. Denn von den Schriften jüdischer Gelehrter nehmen die Zeitungen nur in sehr geringem Maße Notiz. Aus dem Grunde wäre es die Aufgabe jüdischer Jünglingsvereine. Referate über das Wesen und die Ethik des Judentums halten zu lassen und die Gedanken, die in den Werken jüdischer Forscher niedergelegt sind, den Mitgliedern zu eigen zu machen. Schriften wie die von Bäck, Elbogen, Eschelbacher, Güdemann, Schreiner, kurz, Schriften apologetischen Inhaltes müßten in solchen Vereinen unter kundiger Leitung gelesen und eingehend besprochen werden. Daraus werden die jungen Leute das Judentum und das Christentum kennen lernen und in der Lage sein, selbst Vergleiche zwischen Mutter und Tochter zu ziehen. Sie werden finden — was den Eingeweihten und Kundigen längst bekannt ist —-, daß die erhabenen Lehren und ethischen Grundsätze, die von den Christen als unvergleichlich im Christen tum hingestellt werden, dem Judentum entlehnt sind, daß somit die Mutter von der Tochter nicht überstrahlt und in den Schatten gestellt wird. Auf die ägyptische Finsternis, lesen wir in der Bibel, folgte ein Sterben der Kinder. Auch unsere Kinder gehen für uns verloren, weil sie in Finsternis wandeln und das wohltuende Licht ihrer Religion zu sehen keine Gelegenheit haben. Werden aber die Strahlen dieses Lichtes unsere Jünglinge in Jünglingsvereinen erwärmen und erleuchten, so werden sie sicherlich dem angestammten Glauben treu bleiben wie unsere Ahnen. Und somit haben wir wieder eine Materie berührt, die für Jugendvorträge sehr geeignet wäre: das unvergleichliche Ma^rryrlum der Juden. Unsere Jünglinge sollen aus der Leidenszeit Israels erfahren, daß unsere Väter schwerer zu kämpfen hatten als wir und dennoch bei ihrem Volke und ihrem Gotte treu ausharrten. Immer und immer wieder müssen die Worte Leopold Zunzens, des Altmeisters und Begründers der jüdischen Wissenschaft, den jungen Leuten ins Gedächtnis gerufen werden: „Wenn es eine Stufenleiter der Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erklommen, und wenn die Geduld, mit der Schmerzen getragen werden, adelt, so können wir Juden es mit den Hochgeborenen unter allen Völkern aufnehmen." Die jungen Leute sollen aber in den Jünglingsvereinen nicht nur mit jüdischem Bewußtsein erfüllt, sondern auch zur s i t t l i ch e n R e i n h e i t erzogen und angehalten werden. Gipfelt ja doch die Ethik des Judentums in der Forderung: „Heilig sollt Ihr werden." Die sittliche Reinheit und Keuschheit waren es ja auch, die unsere Glaubensgemeinschaft trotz Druckes und Verfolgung erhalten haben, während andere Völker, unter günstigeren Verhältnissen lebend, vom Erdboden geschwunden sind. Wollen wir unseren Bestand für die Zukunft sichern, müssen wir unsere Söhne an Keuschheit und Sittenreinheit gewöhnen- Die laxe Moral, die früher fast nur in nichtjüdischen Kreisen anzutreffen war, hat leider auch bei uns Platz gegriffen. Auch der jüdische junge Mann glaubt jetzt sein „Verhältnis" haben zu müssen, um sich „ausleben" zu können. Aber durch dieses Sichausleben lebt er sich tatsächlich aus und geht zu Grunde. Es wäre daher eine schöne Aufgabe jüdischer Jünglingsvereine, auch nach dieser Richtung eine segensreiche Tätigkeit zu entfalten und durch Vorträge über sexuelle Fragen auf den sittlichen Halt seiner Mitglieder zu wirken. Die Besprechung solcher Themata wünsche ich nicht etwa, weil die Aufklärung über sexuelle Fragen jetzt zu den modernsten Forderungen gehört, sondern weil wir dieser Aufklärung bereits in dem Buche der Bücher begegnen. Neben den erhabenen prophetischen Reden, die noch jetzt uns durch ihren Schwung begeistern, finden sich in den didaktischen Büchern Stellen, die ohne jede Prüderie sexuelle Fragen behandeln. Wie aber die Prophelen, so haben auch die Verfasser dieser Schriften nichts anderes im Auge, als das Volk zur höchsten Stufe der sittlichen Reinheit und Veredelung zu führen. Darum hält es z. B. der Spruchdichter für angemessen, die Jugend vor den buhlerischen Künsten eines verwerflichen Weibes zu warnen (Spr. Sal., Kap. 7). Die Art. wie er das tut, die lebhafte Schilderung der Buhlerin, die bald auf den Straßen, bald auf den Plätzen, an jeder Ecke auf einen unbesonnenen Jüngling lauert, den sie durch ihr eifriges Zureden verfuhrt, und der ihr dann betört folgt, wie ein Vogel zur Schlinge eilt und nicht weiß, daß es sein Leben gilt, könnten sicherlich noch jetzt in einem Jünglingsvereine Eindruck machen. Und vollends die Mahnung: „Nun denn, Ihr Jünglinge, höret mich an und horcht auf 8

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