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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-12-01 · 12 (1.12.1911) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
12 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Stimme angenommen. In ihr werden die Pariser auf die schwere Verantwortung, die sie durch ihr Verhalten auf sich laden, aufmerksam gemacht. Es würde zu weit führen, hier nähere Einzelheiten der außerordentlich interessanten und oft recht stürmischen Versammlung ausznführen. Jedenfalls hat sie auch das Gute gezeitigt, daß sie den Borwurf der „Jnternationalität", den man uns Juden von antisemitischer Seite so gerne macht, schlagend widerlegt hat. Das deutsche Judentum stand hier wie ein Mann gegen ungerechte, chauvinistische Anmaßung seiner französischen Glaubensbrüder. Möchte dort drüben unsere Kundgebung nicht ungehört verhallen! Die Alliance mit ihrem über ein halbes Jahrhundert alten großartigen Werke befindet sich jedenfalls in einer schweren Schicksalsstnnde. Hoffen wir, daß die über den Erdball ineinander geschlungenen Bruderhände, die ihr erprobtes, heiliges Symbol sind, nicht an den Vogesen kraß auseinander gerissen werden. Die lachenden Dritten würden nur unsere Gegner sein, und die sind wahrhaft „international". In der Einigkeit liegt unsere Stärke. Sie durchzog die Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden und gab den „jüdischen Tagen" der ersten Novemberwoche den erhebenden Auftakt. Sie soll auch die Lehre dieser Zeilen sein. Ist sie doch die Grundlage unserer Jugendbewegung. Wir wollen, wenn wir die Heranwachsende Generation zum Eintritt in das jüdische Leben erziehen, die Gegensätze der Parteien zurückstellen und das genreinsame Ideal allen voranleuchten lassen. Dadurch bilden wir dem Verbände der Deutschen Juden, dem es nicht immer leicht füllt, alle unter einer Fahne zu sammeln, die Zukunftskämpfer heran. Schon jetzt stehen wir ja zu ihm in engen Beziehungen. Unser Verband der Jugendvereine ist ihm angeschlossen und in dessen Ausschuß vertreten. Gewiß erwecken auch die anderen geschilderten Vorgänge in den übrigen großen Organisationen unser lebhaflestes Interesse. Aber unserem ureigensten Programm nach steht uns doch der Verband der deutschen Juden besonders nahe. Es. kann unseren Vereinen nur dringend empfohlen werden, sich in ihren Sitzungen mit den demnächst im Stenogramm erscheinenden, oben erwähnten Reden der Hauptversammlung zu beschäftigen. Denn es ist Geist von unserem Geiste, der uns da entgegenweht, und wir, die junge Garde, wollen uns vornehmen, das Streben der Alten zu unterstützen und in Einigkeit und Zähigkeit der jüdischen Sache unsere jungen Kräfte zu weihen! Parleigeist! Um seinen Ausführungen („Die Partei eine Gefahr für die Jugend?") eine glänzende Folie zu geben, stellt Herr Dr. Simon seinem Aufsatze im vorletzten Hefte unserer Mitteilungen bei Gelegenheit einer Kontroverse gegen die Auslassungen des .Herrn Schach über „Jugend und Partei" eine Sentenz aus Goethes „Pandora" voran. Man kann gegen diese irreführende Heranziehung eines Goetheschen Wortes zum Zwecke des Anscheins der Richtigkeit der betreffenden Ausführungen nicht genug protestieren, heißt es doch ausdrücklich: Des tätigen Mannes Behagen sei Parteilichkeit! Von Jugend ist also gar keine Rede! Es dürfte deshalb unfruchtbar und aussichtslos sein, den Geist Goethes zur Unterstützung einer Tendenz heraufzubeschwören, von der er sich selber mit aller Entschiedenheit abgewandt haben würde. Und zwar mit vollem Recht! Wort für Wort wird man die Ausführungen des Herrn Schach unterschreiben müssen! In' der Tat: die Jugend, insbesondere die jüdische Jugend, in Parteien zu zersplittern, ist das größte llebel, das man ihr, >vie überhaupt dem Judentum, antun kann. Alle Reden von selbständigem und „schneidigem" Parteiergreifen, alle Versuche, historische elementare Ereignisse — Ereignisse, die niemals als „Partei"geschehnisse einzukapseln und zu degradieren sind'— zu deuteln, alle Versuche, denjenigen Teil der Jugend, der über, respektive außerhalb der Parteien steht, in seiner Mehrheit herabzusetzen, alle Versuche, großen Worten großer Meister einen kleinen Sinn beizulegen, können uns darüber nicht hinweghelfen. Denn wahrlich, es ist nicht, wie der Herr Verfasser meint, eine Sache des „Sentiments", sondern Sache des kältesten, nacktesten Verstandes, die Jugend eindringlich davor zu warnen, Bestrebungen zürn Opfer zu fallen, die letzten Endes darauf hinauslaufen, sie noch mehr als bisher in Parteien zu zersplittern. Gerade in unseren Jugendvereinen ist das Problem „Jugend und Partei" dadurch in wahrhaft meisterhafter Weise gelöst, daß man sie unter neutraler Leitung und Zusammensetzung doch niit allen Fragen des Judentums, seinen Kämpfen und Bestrebungen unparteiisch in Berührung bringt. Sollte das, was für die Jugendvercine im Allgemeinen gilt, nicht auch für die Jugend im B e - sonderen maßgebend sein? Sollte es nicht möglich sein, sie heranzubilden, ihr Aufklärung über alle wichtigen Gegenwartsprobleme zu verschaffen, sie teilnehmen zu lassen am Schaffen der Gegenwart, am Werden der Zukunft, ohne mit dieser ihr geleisteten, vielleicht dankbar, vielleicht undankbar aufgenommenen Unterweisung zu schachern und zu verlangen, daß sie sich gleich entscheide und sich auf die Seite einer Partei schlage? Muß sie denn sofort, (um mich Gvethescher Worte zu bedienen) ihrem, freien Geiste, ihrem unbefangenen lieberblick Lebewohl sagen und sich die Kappe der Borniertheit und des blinden Hasses über die Ohren ziehen? 5 —

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