Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 11 (1.11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Verschiedenes. I. Es wurde das Protokoll der Delegierten-Versammlung des Bezirksverbandes vom 9. April 1911 genehmigt. 2. Es wurde einstimmig beschlossen: Jeder Verbandsverein soll verpflichtet sein, jedem anderen, sowie auch der Geschäftsstelle des Verbandes sämtliche Drucksachen zugehen zu laßen. 3. Einstimmig wurde beschlossen, daß zur Hebung des Zusammengehörigkeitsgefühles der einzelnen Verbandsmitglieder gegen Ende des Winters ein Bezirksverbandsfest stattfinden soll. Zum sestgebenden Vereine wurde Cöln bestimmt. 4. Es wurde beschlossen, daß die Verbandsvereine gehalten sein sollen, in Zukunft ihren Mitgliedern Karten in der Weise auszustellen, daß jedes Mitglied eines Vereines berechtigt ist, an sämtlichen Veranstaltungen jedes anderen Vereines teilzunehmen. 5. Es wurde einstimmig die Resolution gefaßt: Den Vorständen der Verbandsvereine wird dringend ans Herz gelegt, für Gründung von Turnriegen in ihren Vereinen Sorge zu tragen. Schluß der Sitzung 81/® Uhr. Ein gemeinsames Abendbrot in den Räumen der Rheinlandloge hielt die Delegierten in angeregtem Gespräche noch lange zusammen. Dr. Jsi Kahn, Res. Gatzert, 1. Vorsitzender. Geschäftsführer. Bericht des Jüdischen Jugcndbundes Berlin E. V. Wir beabsichtigen nicht, einen statistischen Ueberblick über die Entwicklung unseres Vereins zu geben. Er würde falsche Vorstellungen erwecken, da in diesem Halbjahre auf Antrag der Kassenverwaltung viele säumige Zahler, die teilweise schon früher nur nichtzahlend e Mitglieder waren, auSgeschlossen wurden. Unsere Stellung nach außen hat sich entschieden gebessert, da die für die Jugendbewegung sich lnteressterenden Kreise sich überzeugten, daß der uns früher — mit Unrecht — vorausgehende Ruf, wir seien eine Pflanzstätte des Zionismus, nicht berechtigt ist. In der ordentlichen Generalversammlung wurde Herr Referendar Dr. Simon zum Vorsitzenden gewählt. Es wurde ferner der Wohl allgemein interessierende Beschluß gefaßt, gegen eine mäßige Erhöhung des Beitrags allen Mitgliedern die Verbandsmitteilungen zuzustellen. Unsere Vereinsräume bieten durch reichlich ausliegende Zeitungen und Zeitschriften Gelegenheit, sich über alle jüdischen und auch über allgemeine Fragen zu orientieren. Unsere Bibliothek hot sich durch Stistungen einzelner Mitglieder und Gönner und durch eine pekuniäre Unterstützung von unserem Jüdischen Diskutier-Klub zwar erheblich vergrößert, zeigt aber dennoch viele Lücken. In unseren Untergruppen pulsiert durchweg ein reges Leben. Die Wandergiuppe, der Jüdische Dtskutier-Klub und der ueugegründete English Debating Club boten eine erfreuliche Ergänzung unserer Veranstaltungen. Unsere Rudergruppe, die aus'sportlichen Gründen den Namen „Jüdischer Ruderklub Jvrea im I. I. B. Berlin" führt, hat sich inbezug auf Milgliederzahl und sportliche Leistungen gut entwickelt. Die in die Berichtszeit fallenden Feste wurden offiziell gestiert. Die P u r i m f e i e r leitete Herr eanci. phil. Michaelis mit einem Vortrag über „Die Bedeutung des Purimfestes für die Gegenwart" ein, dem heitere, dem Tage angemessene Rezitationen folgten. Einen Sederabend hielten wir in unseren Vercinsrüumen ab. Eine Reihe in Berlin alleinstehender Mitglieder war uns für diese Veranstaltung dankbar. lieber jüdische Fragen konnten wir unfern Mitgliedern drei Vorträge von Fachleuten bieten. Am 1 März sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Blau über „Jüdische Bevölkerungssragen", 'am 30. März Herr Prof. Dr. Carl Lewin über „Rassenprobleme". Herr Dr. H. L. Eisenstadt behandelte am 28. April das Thema „Judentum und Sozialismus". Das Interesse, dem alle diese Vorträge begegneten, zeigte sich in der ihnen folgenden Diskussion. An dem im Mai statt« gehabten „Jüdisch-literarischen Abend" erfreuten uns die Herren Dr. Zlocisti und Dr. Rosenkranz durch Borträge und Rezitationen. Im Juni nahmen wir zu der Gedenknummer der „Mitteilungen" in einer außerordentlichen Generalversammlung in der bekannten Weise Stellung. Da Veranstaltungen in 'geschlossenen Sälen in den Sommermonaten erfahrungsgemäß sehr schlecht besucht werden, nahmen wir von weiteren Vorträgen Abstand. Wir arrangierten im Juni einen Dampferausflug nach der Woltersdorfer Schleuse und fuhren einmal zur Besichtigung unserer „Jvrea" nach Niederschöneweide, wo wir uns an den exakten Vorführungen unserer Ruderer erfreuten und uns dann zu einem gemütlichen Bierabend zusammenfanden. Durch das Beispiel unseres Frankfurter Verbandsvereins veranlaßt, boten wir im Juli eine Führung durch die städtische Gasanstalt in Tegel, die allgemeines Interesse fand; an die Besichtigung schloß sich ein Ausflug an. Im August, dem Berliner Ferienmonat, beriefen wir unsere Mitglieder nur einmal zu einem Bierabend in einem Gartenlokal. Am 3. September beging unser eifriger Diskutierklub «ein erstes Stiftungsfest mit einer Motorbootsahrt nach Rauchfangwerder, die bei gutem Wetter und starker Beteiligung unserer Mitglieder angenehm verlief. Durch besonderes Entgegenkommen der Berliner Logen U. O. B. B. waren wir in der Lage, unfern Mitgliedern die Beteiligung an einem im September von den Logen veranstalteten Ausflug nach Dresden zwecks Besichtigung der Hygiene-Ausstellung bieten zu können. Mit Vorträgen haben wir in diesem Monat wieder begonnen. Am 6. referierte Herr Kurt Blumenfeld über den Baseler Zionistenkongreß; an das Referat schloß sich eine sehr eifrige sachlich geführte Debatte an. Am 13. waren ca. 860 Gäste unserer Einladung zu einer Propagandaversammlung gefolgt. Die Herren Dr. Apfel, Dr. Klee und Dr. Walter sprachen über „Jugend und Judentum". Die Veranstaltung brachte uns zahlreiche neue Mitglieder. Am 20. halten wir einen Diskusstonsabend über das Wesen des Antisemitismus. Das Referat hielt Herr Assessor Dr. Fritz Solon. Für den Oktober ist eine zweite Propagandaversammlung und ein Lichtbildervortrag von Herrn Karl Schwarz über Jüdische Kunst geplant. Ende dieses Monats wird ein Zyklus von Atelierführungen unter der Leitung des Herrn Karl Schwarz beginnen. Außer der Gelegenheit zur Ausübung des Ruder- und Wandersports, zur Diskussion und zur Hebung in der englischen Sprache werden wir in diesem Winter Gelegenheit zur Erlernung und Hebung der hebräischen Sprache und der Stenographie geben. Wir hoffen auf eine numerische Stärkung und glauben, durch zielbewußte Arbeit uns und der neutralen Jugendbewegung in diesem Winter in Berlin neues Terrain gewinnen zu können. Schönenberg. Bericht des Jüdischen Jugendvereins Heidelberg. Unser Verein ist noch einer der jüngsten. Im März dieses Jahres wurde er auf Veranlassung der hiesigen Friedrichsloge gegründet. Zunächst hatten die Herren Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß und Rechtsanwalt Dr. Strauß eine Versammlung der jüdischen jungen Leute einberufen, die dann auch schließlich zur Gründung des Vereins führte. Wie stark das Bedürfnis nach Zusammenschluß auch hier war, zeigte die für hiesige Verhältnisse immerhin recht stattliche Zahl von 42 Mitgliedern, die dem Verein sofort beitraten. Zum ersten Vorsitzenden wurde Herr Dr. Pinkuß gewählt, dem ja auch das Hauptverdienst für das Zustandekommen der Sache zukommt. Von der Aufnahme von Damen als ordentliche Mitglieder haben wir vorerst abgesehen und wollen damit warten, bis unser Verein eine gewisse innere Festigkeit erworben hat. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens hat unser Verein doch schon Ansehnliches geleistet. Wenn wir in den paar Monaten, die uns vor dem Eintritt der unvermeidlichen 14