Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 11 (1.11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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des Heils, da die Völker ihre Schwerter umschmieden zu Karsten, ihre Lanzen zu Rebenmessern, oa kein Volk mehr gegen das andere das Schwert erhebt und man das Kriegshandwerk nicht mehr erlernt. In diesen Bildern spiegelt sich die Anschauung aller Propheten vom Endziel der Menschengeschichte. Ein solches Ergebnis der Weltentwicklung, sagt ein hervorragender christlicher Gelehrter (Aug. Wünsche, Die Freude in den Schriften des alten Bundes S. 26), kennt die Literatur weder der orientalischen noch der klassischen Völker. Der große Plato hat zwar in seiner Republik auch einen Jdealstaat entworfen, aber es fehlt darin die Idee des alttestamentlichen Nniversalismus. Nach dem platonischen Universalstaate stehen die Griechen und Nichtgriechen ununterbrochen im Kampfe einander feindlich gegenüber; der Krieg gehört zu den notwendigen Uebeln. Diese universalistische, die höchste Humanität atmende Idee ist aber auch in der Folgezeit in der Geschichte des Judentums bis auf die Gegenwart lebendig geblieben. Trübe Zeiten mochten sie verdunkeln, ganz erlöschen konnte sie nie, denn mit eherner Notwendigkeit wurde sie im Geiste des Judentums durch jene ewigen erhabenen Prophetenworte lebendig erhalten. Es wäre eine verlockende, aber die zu Gebote stehende Zeit weit überschreitende Aufgabe, dies aus der Geschichte des Judentums zu erweisen, zu zeigen, wie in der Makkabäerzeit, besonders durch das Danielbuch die Idee von dem die Erde füllenden, die Weltreiche verdrängenden Himmelreich gewaltigen Einfluß auf die Hoffnungen des Volkes gewinnt; wie naturgemäß in dem kosmopolitisch gerichteten alexandrischen Judentum, in Philo und den Sibyllinen der prophetische Universalismus aufs neue aufflammt; wie in der Römerzeit, in der die weltgeschichtliche Erscheinung des Christentums vorbereitenden pseudepigraphifchen und apokalyptischenLiteratur dieHoffnung auf das messianische Friedensreich geradezu die Leidenschaft der jüdischen Volksseele ist; wie in seiner Art das pharisäische Judentum an ihr festhielt, der Talmud (T. babhl. Tr. Gittin S. 69 b) sich bekennt zu dem bedeutsamen Gedanken: „Alle religiös-sittliche Gesetzgebung hat zuni Ziel die Herstellung des Friedens"; wie auch in der Nacht des Mittelalters der große Gedanke nicht erlischt, ein Moses Maimouides seinen Ritualkodex abschließt mit dem Ausblick in die Zeit, da Völkerhader und Kriegslärm verstummt sind auf Erden, weil „Gotteserkenntnis sie erfüllt wie das Wasser des Meeres Tiefen". Es wäre besonders auch davon zu reden, daß die sittliche Vertiefung, die das Judentum in der Gegenwart durch die Berührung mit der modernen Kultur erfahren hat, den universalistischen Messias und damit auch den Friedensgedanken in den Vordergrund des religiösen Bewußtseins gerückt hat. Gerade den Gebeten, die seit uralten Zeiten ihn ausdrücken, hat die moderne Synagoge mit besonderer Liebe in ihrem Kultus den Platz angewiesen. Das tägliche Gebet schließt mit der Bitte um das Kommen der Heilszeit, das allwöchentliche Gebet für Kaiser und Reich, die Gebete der heiligsten Festtage wie viele andere gipfeln in ihr. Dies alles ließe sich sehr ausführlich weiter Nachweisen, aber es beleuchtet wohl auch in solcher Kürze die Stellung des Judentums zur Frage des Weltfriedens. Es sei mir gestattet, sie zum Schlüsse in einem Symbol zusammenzufassen. Wenige Tage trennen, wie die christlichen Mitbürger von ihren: Osterfest, so uns von unserem Passah, vom Erlösungsfeste. An dessen: letzten Tage läßt uns die religiöse Sitte in unseren Gotteshäusern an hervorragender Stelle der Andacht verlesen Jesajas Schilderung vom Friedensreiche Gottes auf Erden, die da schließt mit den Worten: „Nichts Böses, nichts llebles geschieht auf meinen: heiligen Berge, denn voll ist die Erde der Erkenntnis Gottes, wie das Wasser füllet des Meeres Tiefen". Am Erlösungsfeste schaut der Jude aus auf die Zeit der Erlösung der Menschheit von den sittlichen Uebeln, von Hader, Zwietracht, Haß und Unfrieden. „Dein Reich komme", lautet das Gebet des jüdischen wie des christlichen Gläubigen, wie des Atheisten (Steinthal, Allg. Ethik S. 227), denn solches ist die Sehnsucht aller Religion und aller Ethik. Mn Inbiliium. Von Dr. jur. Erich Marx (Essen-Ruhr). Ein schöner und großer Gedanke feiert am 23. Oktober dieses Jahres sein erstes Jubiläum. 25 Jahre sind verflossen, seitdem an einer deutschen Universität zum ersten Male eine Studentenverbindung entstand, die färben- und waffentragend wie andere Korporationen, sich gegen den AntisemitismuS der Studentenschaft erhob und zur kräftigeren Verfolgung ihres Zieles nur jüdische Studenten in ihre Reihen ausnahm: Die alte Verbindung Viadrina in Breslau, der erste akademische „jüdische Jugendverein". Was war geschehen, daß ein solches Gebilde nötig ward? Gab es nicht genug studentische Korporationen in der Oderstadt, in denen der jüdische Student in Korps- und Waffengeist, in Mütze und Band und allen den tausend kleinen Dingen schwelgen konnte, welche das romantik-