Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 10 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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hochbedeutsam en Periode geleitet haben. Müller hat gerade diese Periode sehr ausführlich behandelt, — sie umfaßt über ein Drittel des ganzen Buches — und mit Recht. Denn das Aufblühen jüdischen Geisteslebens im XIX. Jahrhundert, das Wiedererwachen des jüdischen Volksbewußtseius, die Entwicklung jüdisch-sozialer Bestrebungen und nicht zuletzt die staatlichen Organisationen der jüdischen Religionsgemeinschaften — das sind Dinge, die heutzutage jeden Heranwachsenden Juden interessieren, interessieren müssen, wenn er die öffentliche und soziale Stellung der Juden in der Gegenwart begreifen will. Und nicht nur, daß Müller alle diese Dinge in seiner „Jüdischen Geschichte" ausführlicher behandelt hat, sondern wie der Verfasser eS getan, mit welcher Objektivität er Für und Wider der verschiedenen Strömungen und Richtungen innerhalb des Judentums gegeneinander'abgewogen hat, das kann, glaube ich, in einem Buche, das doch in erster Linie für das Heranwachsende Geschlecht bestimmt ist, nicht hoch genug bewertet werden. So kann sich jeder Jude auf der Grundlage einer genauen Kenntnis der Dinge ein eigenes Urteil über die Dinge bilden. Heidelberg, August 1911. Ludwig Marx, stucl. phil. U. Resrn»b»»rger: „Samson Cohn (christlicher Religion), eine Metamorphose". — Verlag von Louis Lamm, Berlin, Neue Friedlichst!. 61/63. Preis 1 Mk. 20 Pf. . ... du weißt nicht, lieber Freiligrath, was ein Judenkind auf der Welt zu dulden hat; auch ich Hab' viel, viel geduldet, und gottlob, die reine Menschenliebe hat den Sieg davongetragen und soll ihn behalten.-In meinem Innersten sagte mir eine Stimme: Nie mehr will ich mich-von ihrem (ber Juden) Schmerze trennen lassen, und, was ich vermag und tue, möge auch ihnen zugute kommen I — Diese Worte Auerbachs an den Dichter Freiligrath stehen als Leitwort vor der Satire Regensburgers, die »Täuflings Werdegang" schildert. Sie bezeichnen die ethische Tendenz des Buches: Durch ein krasses Gegenbeispiel jüdischen Stolz und treues Festhallen am Judentum besonders unseren jungen Juden vor die Seele zu führen. Man glaubt unseren begeisterten und begeisternden Jugendvereinsführer sprechen, glaubt ihn vor sich auf der Rednertribüne zu sehen, wenn er, im llebersckwang seiner Gefühle die Form der objektiv erzählenden Satire sprengend, dem nun glücklich gelausten Asstmilanten die Worte entgegenschleudert i „Weißt Du, was Du gewesen bist, Samson Cohn, Du gläubiger Christ?- Ein Räuber warst Du von Glück und Freud' Und Liebe und Ellcrnseligkeit I" Aus einer armen jüdischen Schneiderfamilie entsprossen, mit erhungerten Sparpfennigen seiner Eltern und der Unterstützung von Verwandten die Universität beziehend, geht Samson Cohns Laufbahn bis zum Regierungsaffessor. Da es hier eigentlich, d. h. als Jude, nicht weitergeht, muß die Taufe ihr übriges für die Entwicklung zuni Vollnrcnschen tun. „Mein lieber Assessor — Es ist besser — Wenn Sie von der unnützen Last, — Tie nicht mehr zu Ihnen paßt. — Von vornherein — Sich befrei'»!" sind die wahrhaft väterlichen Worte seines Gönners, des GeheimratS Cahn, früher ebenfalls „Cohn" genannt. „Und in kurzer Frist — War Herr Cohn Christ." Die Entwicklung des Assimilanten ist vollendet. Samsons Taufe erregt bei den Behörden Wohlgefallen, er wird Regierungsrat und sogar Reserveoffizier. Er klettert, oder besser gesagt — kriecht munter die Staffel der Ehren weiter hinauf, wird glücklicher Gatte mit l/2 Million Mitgift und Vater von Dagobert, Thusnelda, Tüeoderich und Hildebrand Cohn, die, den Spuren ihres Vaters folgend, in der Schule natürlich die besten in der Religion sind. Nur eines mißlingt unserem nunmehrigen „Christian" Cohn: Die heiß erstrebte Namensänderung, auch nur in „Cahn", lehnt der Minister unbegreiflicherweise ab, sodaß er einmal der höchst peinlichen Frage seines Erstgeborenen Dagobert nicht entgehen kann: „Wir können doch keine Juden sein?" Jedoch schnell gefaßt erwidert er: „Um Gotteswillen nein! — Aber siehst Du, mein Kind, — wie die Namen eben so sind! —" Mit dem beglückenden Ausblick, daß wir unseren früheren Glaubensgenossen Herrn Cohn noch als Kultusminister begrüßen können, schließt die Satire. Nur knapp Umrissen haben wir vorstehend ihren Inhalt gegeben. Aber wir möchten ihre Lektüre nicht entbehrlich machen. Denn das Büchlein verdient wirklich einen recht großen Leserkreis, insbesondere unter unserer jüdischen Jugend, für die es so recht eigentlich geschrieben ist. Es ist auch' vorzüglich zum rezitatorischen Vorträg bei Vereinsveranstaltungen verwendbar. In leichten, freien — vielleicht etwas zu freien — Reimen behandelt es ein sehr ernstes und betrübliches Kapitel, zeichnet das — leider — nur wenig aufgetragene Bild des jüdischen Asstmilanten, dessen Einschätzung und Gefährlichkeit für unser Judentum durch die Tatsache der vollzo genen Taufe nur sehr wenig berührt wird. ** Jeder Verbandsverein hat die Pflicht, die Namen derjenigen Mitglieder, die aus dem Orte seines Bereinssitzes tvegziehen, der Geschäftsstelle des Verbandes unter gleichzeitiger Angabe des neuen Wohnortes und der neuen Wohnung des Wegziehenden mitzuteilen. Der Verbandsverein des neuen Wohnsitzes hat die Pflicht, den neu Hinzugezogenen zum Eintritt zu bewegen und etwaige finanzielle Vorausleistungen in den Vereinen des früheren Wohnsitzes in angemessener Weise in Anrechnung zu bringen. Von der Mitteilung an die Geschäftsstelle ist jedoch dann abzusehen, wenn der Verein des bisherigen Wohnsitzes die Überzeugung gewonnen hat, daß das ausscheidende Mitglied wegen persönlicher Nnehrenhaftigkeit dem Verbände nicht zur Zierde gereicht. (Borstandsbeschluß von 4. Dezember 1910.) Avomierrlenls-Kedmgurigen. I. Diese Zeitschrift kostet für Mitglieder der Verbandsvereine 30 Pfennig pro Quartal. II. Die Uerbandsmitgiieder mnjfen das Blatt durch ihren Uereins vor stand bestellen; dieser tritt dem Verbände gegenüber als Abonnent auf. III. Für Nichtmitglieder beträgt der Abonnementspreis 60 Pfennig pro Hnartal. IV. Nichtmitglieder beziehen das Blatt unmittelbar von der Geschäftsstelle, Berlin W., Kleiststr. 12, oder durch die Post. >—cr~3grz> — 12