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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-10-01 · 10 (1.10.1911) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
10 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Aber der Erfolg wird auch nach anderer Seite hin für die Bewegung selbst von hoher Bedeutung sein. Die Bewegung braucht die jungen Lehrer, denn sie soll auch Lehrer heranziehen, die der Bewegung treu bleiben. Dann aber besitzt die Bewegung in den Lehrern Mitglieder, denen es ihre Bildung ermöglicht, durch ihr immerhin den Durchschnitt überragendes jüdisches Wissen dem einzelnen Verein eine wertvolle Kraft zu werden, selbst da, wo auf profanem Gebiete ebenbürtige Konkurrenz vorhanden ist. Wie, besonders auf kleinen Plätzen, der Lehrer Jugendvereinsarbeit zu leisten habe, das ist eine andere Frage, zu deren Beantwortung sich vielleicht in nächster Zeit Gelegenheit bieten dürfte. Heute galt es nur, allen jungen Lehrern kurz aber eindringlich 'zuzurufen: Jugendverein und Junglehrerschaft gehören zusammen. Der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, Herr Rektor I. Feiner, dem wir die Ausführungen des Herrn Klötzel zur Kenntnisnahme und etwaiger Aeußerung übersandt haben, hat in liebenswürdiger Weise uns seine Ansicht im folgenden mitgeteilt. Gegen die Tendenz des vorstehenden Artikels, die Lehrerschaft noch m e h r für die Jugendvereinssache zu interessieren, läßt sich nichts cinwenden. Mir mißfällt von meinem Standpunkte aus nur der künstlich konstruierte Gegensatz zwischen Jungen und Alten. Wo es sich um die Erhaltung und Förderung des Judentums, um die Stärkung des Selbstbewußtseins handelt, da müssen alle Kräfte mobil gemacht werden, da darf man so „unbescheiden" sein, von allen Volks erziehet » „ein Hineinleben in unsere Sache, eine volle Hingabe an sie zu erwarten". Und in der Tat sind cs nicht wenige bemooste Häupter unter den Lehrern, die die Jugendsvereins-Angelegenheit in Wort und Schrift, in intensiver und begeisterungsvoller Mitarbeit in den Vereinen gefördert haben. Ich darf nur einige Namen nennen, die vielleicht auch dem Herrn Verfasser nicht unbekannt sind: Steinhardt-Magdeburg, Levy-Frankfurt a. M., Abel-Lörrach. Außerdem ist doch wohl anzunehmen, daß dem Kollegen Klötzel nicht unbekannt ist, daß der ü. Lehrer-Verbandstag in Frankfurt a. M. die Jugendvereinsbewegung in ausgiebigster Weise erörtert hat, und daß als Frucht dieser Erörterung in 19 Lehrervereinen das Thema zum Teil schon behandelt worden ist, oder noch behandelt werden wird: „Die Fürsorge des Lehrers für die schulentlassene Jugend." Lassen wir »s also, lieber Herr Kollege, die Mitarbeit der Alten ruhig gefallen. Wer unseren Beruf so auffaßt, wie Sie und ich cs tun — und die übergroße Mehrheit unserer Amtsgenossen ist von dieser Gesinnung beseelt, — der veraltet nicht leicht. Und nun zur Quintessenz des Artikels. In solcher Stärke wie die Herren Referendare, Rechtsanwälte und Aerzte kann die „Junglehrerschaft" nie und nirgendwo anrücken, diese Herren werden uns schon an Zahl überlegen sein. Aber sie bringen auch — das erkenne ich rückhaltlos an — für die Verhandlungen in den Vereinen Kenntnisse und Anschauungen mit, die der Bewegung einen höheren Ideengehalt zu verleihen geeignet sind. Uno ich bin der festen Ueberzeugung, daß wenn die Sturm- und Drangperiode der Jugendvereine vorüber sein wird, wenn das unheilvolle politische Getriebe sein Ende gefunden hat, die führenden Häupter mehr als bisher sich nach der Mitarbeit der Männer sehnen, die aus dem Quell jüdischen Lebens die Strebenden und Kämpfenden zu kräftigen befähigt sind. Dann wird die Sehnsucht nach „Hegemonie", die ein Charakteristikum des jugendlich-feurigen Geistes ist, überwunden werden, dann wird der Wunsch, „Einer über Vielen" zu sein, sich nimmer regen. Eine geschlossene Phalanx, einmütig im Streben und Wollen, werden die im Verbände geeinigten Jungen und Alten, die einen gebend, die anderen empfangend, in treuer Brudergesinnung und Waffengemeinschaft dem gemeinsamen Feinde zu Leibe rücken: DerGleichgültigkeit, dem schnöden Abfall und der Verkümmerung unserer Menschen- und Bürgerrechte. Jos. Feiner- Hamburg. Kucherbesprechrmgen. S. Müller, Indische Geschichte von der Zerstörung des ll. TeinpelS bis zur Gegenwart in Charakterbildern dargcstellt, mit 18 Bildnissen. 388 Seiten. Stuttgart 1911, I. B. Metzlersche Buchhandlung. Preis gbd. 2.76 M. „Jüdische Geschichte in Charakterbildern" so betitelt sich das neueste Buch von S. Müller, des bekannten Verfassers der „Kleinen Bibel". Wer nur einmal einen Blick getan hat in Müllers „Kleine Bibel", wer Müllers vornehme Darstellungsweise kennt, der mußte von vornherein schon das Erscheinen eines neuen „Müller" mit Freuden begrüßen. Und gerade wir Jungen, wir Lernenden, Studierenden haben allen Anlaß, uns oaniit zu freuen. Ist das Buch doch in erster Linie für die jüdische reifere Jugend bestimmt. Es existieren heute schon eine Reihe vortrefflicher Lehrbücher für den jüdischen Geschichtsunterricht. Und doch, glaube ich, füllt das Müllersche Buch eine Lücke in der jüdischen Gesch chtsliteratur aus: es will zugleich Lehr- und Lesebuch sei». Schule und Haus in gleicher Weise befriedigen; und darin liegt wohl der Hauptvorzug des Buches. Geschichtsunterricht ohne gleichzeitige häusliche Lektüre des Schülers wird stets Stückwerk bleiben. Auch der jüdische Schüler wird jüdische Geschichte „lesen" oder auch nur „Nachlesen". so wie er etwa deutsche Geschichte „liest", falls er zu einem richtigen Verständnis der großen hulorischen Bsgebenlieiten gelangen will; und da wird er doppelt gern zu einem Buche greifen, das, wie das Müllersche, zugleich für Schule u u d Haus bestiniml ist. Denn nicht jedem fleht gleich ei» gioßeres jüdisches Geschichtswerk zur Verfügung, oder aber — welche Schülerbibliothek enthält „schon" derartige Werke? Aus dem Inhalte des hübsch ausgestatteten, illustrierten Buches möchte ich hervoiheben: Müllers eingehendere Behandlung der jüdischen Literaturgeschichte alter und n e u e r Z e i t. Daß Müller gerade der spanischen Glanzepoche einen größeren Rauni gewidmet, daß er in den Gang der Darstellung feinsinnig ausgewählte Proben aus den Dichtungen eines Salomo ibn Gablrol, eines Jehuda Halevi, eines Abraham ibn Esra einfügt und uns so die Eigenart jener großen Dichter übermittelt, dafür ist dem Verfasser die lüdische Jugend besonders dankbar, die neben Schiller und Goe'he auch die großen Dichter ihrer eigenen Vergangeuheik kennen zu lernen das Recht und die Pflicht hat! Noch ein zweites möchte ich hervorheben: Müllers Dar - st e l t u n g der n e u e st e n Geschichte. Wenn jenials e l n Jahrhundert für die Entwicklung eines Volkes bedeutsam oewesen ist, so war es das XIX. für das jüdische Volk, oder besser für die deutschen Juden. Diese Entwicklung zu charakterisieren, sie Stufe für Stufe werden zu lassen, sie in ihren markantesten Vertretern jeweils zu fixieren, das waren — so glaube ich aus dem Buche entnehmen zu können — die Grundsätze, die den Verfasser bei der Darstellung dieser 11

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