Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 10 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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haben bei gleichgesinnten Freunden, sondern unendlich reicher als derjenige, der nicht den Mut der Konsequenz findet, der schwankt und schwankt, für den das gewiß erforderliche und wünschenswerte „Suchen und Ringen" nicht zum Resultat, nicht zur selbstbewußten und energischen Stellungnahme führt. Von denen aber, die zu einer solchen Stellungnahme nicht gelangen, ist es kein geringer Teil, bei denen ausschließlich eine gewisse Indolenz, Gleichgültigkeit und geistige Trägheit die Ursache ihrer „Objektivität" darstellt. Es muß jedoch anerkannt werden, das; für viele wirklich der Drang nach Wahrheit die Unfähigkeit, zu einem endgültigen Resultat zu gelangen, begründet. Und „es muß auch solche Käuze geben". Nicht jedem ist es gegeben, die eigene Individualität zu unterdrücken, sich einzuordnen in eine Organisation des Willens vieler, der natürlich niemals bis in alle Einzelheiten für mehrere Individuen genau identisch sein kann. Auch die Individualisten, diejenigen, die ihren eigenen Weg gehen, sind notwendige und vielleicht sogar begrüßenswerte Erscheinungen im sozialen Leben. Aber wohl der Jugend, die fähig ist, zusammenzuhalten und entschlußkräftig einzutreten für das, was sie einmal im Ganzen und im Endziel für richtig erkannt hat. Sie ist wertvoll für dieses Endziel, .'wertvoll auch für dessen Gegner und findet in ihrer selbstlosen Tätigkeit sicherlich eher und mehr Befriedigung als der immer und stets Suchende und Ringende, der Entschlußarme. Und darum darf die jüdische Jugend nicht nur parteiisch sein, sondern aus ganzem Herzen wünsche ich ihr in ihrem Interesse: Partei ergreifen! Iugendverein und Iuriglehrerschaft. Bon Hans Klötzel, Ahlem. Die Sache der jüdischen Jugendvereine darf es für sich in Anspruch nehmen, das Interesse aller jüdischen Kreise zu wecken und aus ihre intensive Mitarbeit an den Zielen des Verbandes zählen zu dürfen. Hängt es doch vom Sein oder Nichtsein unserer zu erhoffenden Erfolge ab, wie die Zukunft des Judentums in Deutschland sich gestalten wird, ob die nächste Generation ein weiteres Abebben des Interesses für jüdische Dinge aufweisen wird, oder ob wir in ihr die erste steigende Welle einer neuen Flut jüdischen Lebens werden erblicken dürfen. Gewisse Kreise hat man mit besonderem Nachdruck zur Mitarbeit aufgerufen, und sie sind dieser Aufforderung in vollem Maße nachgekommen. Man kann nicht behaupten, daß die Lehrerschaft zu diesen Kreisen gehöre. Nicht, als ob sich die Lehrerschaft besonders fern hielt von der Jugendbewegung, auch nicht, als ob die Jugendvereine in den Lehrern nicht die warmen Freunde und wackeren Mitarbeiter jähen, die sie an ihnen haben könnten. Aber die hervorragende Stellung, die der Lehrer innerhalb der Jugendbewegung einnehmen sollte, die nimmt er im Allgemeinen nicht in dem Umfange ein, der für unsere Sache durchaus wünschenswert wäre. Woran das liegt? An unserer Junglehrerschaft. Der Lehrer, der schon seit Jahr und Tag im Ämte ist, wird zwar den Jugendvereinen seine Sympathie entgegenbringen und sie moralisch und materiell unterstützen, aber ein Hineinleben in unsere Sache, eine volle Hingabe an sie werden wir von ihm billigerweise nicht erwarten. Das hieße da das Alter fü? die Jugend arbeiten lassen, wo die Jugend Hand anlegen soll am Bau ihres eignen Schicksals. Wir werden es schon mit Dank begrüßen, wenn diese Herren uns die von ihnen unterwiesene Jugend zuzuführen bestrebt sind, und uns da mit dem Interesse und der Anerkennung begnügen, wo wir wissen, daß mehr zu verlangen Unbescheidenheit wäre. AberdieJ u n g l e h r e r s ch a f t, mitderhapertsnoch. Zwar ist nicht anzunehmen, daß ein junger Lehrer die Gelegenheit heute versäumen wird, einem Jugendvereine beizutreten, es käme das einer unnatürlichen Auflehnung gegen den geistigen Erhaltungstrieb gleich. Aber recht wenig ist noch die Erkenntnis dessen verbreitet, daß gerade der junge Lehrer die sehr dringende Pflicht hat, nicht „Einer unter Vielen" sondern „Einer über Vielen" zu sein, daß er in einen idealen Konkurrenzkampf aufzutrcten habe, mit dem Akademikerstande, der heute die Hegemonie in den Jngendvereinen hat. Wir sagten, es sei eine Pflicht. Wir hätten auch sagen können: amtliche Pflicht, denn auch die Schulbehörden verlangen von ihren Lehrern, daß sie sich um die Jugendvereine kümmern. Aber wir stehen auf dem Standpunkt, daß dem jüdischen jungen Lehrer sticht erst ein Ministerialerlaß sagen muß, daß sein Platz in den jüdischen Jugendvereinen sei und dort an ihrer Spitze. Wo es gilt — und wo gilt das mehr als in den Jugendvereinen? — das Judentum herauszureißen aus feinem Fäulnis- und Zersetzungsprozeß, es wieder lebensfähig zu machen und seine Jugend zu stolzen, stammesbewußten Menschen zu erziehen, da erfüllt der Lehrer seine Aufgabe schlecht, wenn er nicht seine ganze Persönlichkeit für die Sache einsetzt, wenn er nicht auch persönliche Arbeit leistet. Schon sein eigener Vorteil und der Vorteil seines. Standes gebieten es ihm. Unser jüdischer Lehrerstand krankt daran, daß ihm an den einzelnen Orten ein Zentrum mangelt, von dem aus seinen Mitgliedern Anregung, Interesse, Förderung entgegengebracht wird, in denen sie eine Gemeinschaft finden, in der sie über ten Rahmen ihres Berufes hinaus ihren eigenen und eigenartigen Wirkungskreis finden könnten. Solche Zentren könnten die Jugendvereine werden, hier bietet sich dem Lehrer das weiteste Feld. Aber andererseits kann er auf solche Weise selbst zum Zentrum in den Vereinen werden, von dem ein Quell jüdischen Lebens ausgehen könnte. Das käme dann nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der Gesamtheit des Standes zugute, denn auf diesem Wege könnte der Lehrer wieder den so wichtigen Einfluß auf das jüdische Allgemeinleben gewinnen, der seit einiger Zeit so erschreckend zu schwinden droht. Was aber das Wichtigste ist: Wenn die Junglehrerschast mitarbeitet in der Bewegung, dann schafft sie sich selbst ihre Schüler, indem sie deren Eltern erzieht. Die kommende Generation, so hoffen wir, wirb so beschaffen sein, daß die schulentlassene Jugend nicht erst von uns gerufen werden braucht, sondern daß sie zu uns kommt, wie zu einer Fahne, daß sich der Uebergang von der Schule zum Jugendverein ebenso als etwas Natürliches und Freudiges vollzieht, wie der zur Universität. Daran, meinen wir, sollten doch vornehmlich unsere Mitglieder aus dem Lehrerstande Mitarbeiten. 10