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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-10-01 · 10 (1.10.1911) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
10 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Gleiche geleistet werden Auch hier besteht aus gleichen Gründen eine sehr große Unkenntnis, vor. allem des Judentums, seiner Bedeutung, seiner Geschichte. Diese muß doppelt gefährlich werden, heute, da das Christentum, besonders das aufgeklärte, in einen lebhaften Wettbewerb mit dem Judentum eingetreten ist. Tatsächlich besteht in vielen Kreisen eine Ueberschätzung des Christentums auf Kosten des Judentums; eine sehr geringe Einschätzung des letzteren und Bücher wie Harnacks „Wesen des Christentums" richten noch immer Verheerung und Verwirrung an- Auch hier ist es die Aufgabe der Jugendvereine, durch Vorträge und besonders durch zusammenhängende Vortragsreihen Aufklärung über das Wesen und den Wert der jüdischen Religion zu schaffen. Zum Schluß möchte ich noch betonen, daß unsere Jugendbewegung auch denjenigen nicht verloren gehen darf, die aus ihrer seelischen Verfassung heraus sich zu einer religiösen Neberzeugung nicht durchringen können. Diesen Elementen muß der Stolz auf ihre Stammesgemeinschaft als auf einen Kulturträger ersten Ranges eingepflanzt werden; sie müssen vor allen Dingen die unvergänglichen Leistungen der Juden auf religiös-sittlichem sowie geistig-kulturellem Gebiete in Vergangenheit und Neuzeit kennen lernen; dazu muß das Gefühl für die sittliche Bedeutung des Kampfes treten, den das Judentum um sein Daseinsrecht in der Welt führt, und die Erkenntnis, wie schmählich es ist, solchem tief ethischen Kampfe gleichgültig gegenüberzustehen, oder gar die Minderheit, die ihn führt und der man selbst entstammt, im Stich zu lassen. Jugend und Partei. Bon F a b i u s Schn ch. Wer die Jugend liebt — und welcher Kulturmensch täte es nichts — der wird nicht wünschen, sie vor dein Kampfe nms Dasein und vor dem inneren Ringen ganz beivahrt zu sehen. Der äußere Kampf stählt die Kräfte und erzeugt Festigkeit und Selbstzucht, der innere gibt seelische Vertiefung, bildet den Willen und den Charakter aus. Nur im Kampfe erproben wir unsere Kräfte, nur in der lleberwindnng der Hindernisse bahnen wir uns den Weg zur Höhe. Die Hindernisse des Lebens sind kein Unglück. sondern ein Glück, weil wir nur durch sie die Grenzen unseres Könnens erkennen. Arm die Jugend, die ein Leben von Lupus undtleberfluß vorfindet! Was soll sie noch suchend Wonach soll sie streben? Wo es kein Aufwärts gibt, da gibt es nur noch ein Abwärts. Wo es keine klaren, gesunden Ziele mehr gibt, da kommt die Dekadenz mit all ihren Erscheinungen. Armselig auch die Jugend, deren Innenleben sich auf einer geraden Linie bewegt und sich nach einer bestimmten Schablone abspielt, frei von Tiefen und Höhen, von Träumen und Idealen, von Qualen und Hoffnungen! Sie kennt die höchsten seelischen Wonnen und Schmerzen nicht und sie lebt nicht ihr Leben. Trocken und nüchtern, ohne Reiz und ohne Schwung ist ein Leben, das sich wie ein mathematisches Exempel abwickelt. Leben ist Kampf, ein Kämpfen nach hohen Zielen, ein Ringen im Dienste eines Ideals, ein ewiges Aufwärtsstreben. Das ist im Leben des Individuums genau so wie im Leben der Völker. Nur wo man einem großen Ziele zustrebt, da entwickeln sich Leben und Kraft, Energie und Schwung, Poesie und Schönheit. Wo das aufhört, da tritt die Ermüdung, der Vorbote des Todes ein. Die Geschichte, die alte Lehrmeislerin, zeigt uns in fast allen ihren Epochen diese Erscheinung, lind das Leben mit seinen unerbittlichen Gesetzen bietet uns täglich neue Beispiele für die Wahrheit dieser Regel. Leben bedeutet Stoffwechsel, Ausschaltung aller verbrauchten Kräfte und Aufnahme neuer Säfte. Auch das geistige Leben besteht im ewigen Streben. Es soll und muß sich immer erneuern, sich mit jeder Stunde verjüngen, denn nur daun ist es gesund. Wir nennen diesen Prozeß Entwicklung und wir drücken damit das höchste und heiligste Prinzip des Lebens aus. Entwicklung ist alles, in der Natur draußen wie in unserem Innern. Wir leben und wachsen, wenn wir uns entwickeln. Sobald das Wachstum aufhört, sobald wir nicht mehr einer Entwicklung fähig sind, beginnt der Verfall, der Tod. Die Jugend verkörpert dieses Prinzip der Entwicklung im höchsten Maße, sie ist die legitime Repräsentantin der Entwicklungstheorie. Sie ändert sich mit jedem Tage, sie wächst und gedeiht mit jeder Stunde und sie nimmt immer neue Formen an, sie zeigt immer ein neues Antlitz, sie ist nie heute, was sie gestern >var. Diese ihr von der Natur gegebene Norm bezeichnet die Bahn ihres Wirkens, und wir können ihr nichts Besseres wünschen als eine gesunde, natürliche, ungehemmte Entwicklung. Wohl wird man ihr die allzu großen Hindernisse gern aus dem Wege räumen, damit der Kampf nicht die Kräfte ganz verzehrt und mürbe und stumpf macht. Wohl wird man ihr Fingerzeige und Andeutungen geben, ihr Auge schulen und ihren Geschmack bilden, damit sie den Weg zum Höchsten in sich und über sich leichter findet. Darin aber wird sich unsere Aufgabe erschöpfen. Was wir Erziehung nennen, ist eigentlich

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