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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-09-01 · 9 (1.9.1911) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
9 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Die „Gemischte Kommission" wird nun in der Mitte des Monats September zusammentreten, um ihre Entscheidung zu treffen. Man nimmt an, daß es dabei nach der jetzigen Sachlage dennoch nicht zu einer Resignation auf jede weitere Tätigkeit zur Lösung der bedeutsamen Frage kommen wird. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß es von Wichtigkeit ist, gegebenen Falls der Regierung ganz bestimmt formulierte Vorschläge und Wünsche zu unterbreiten, die von der Autorität der großen Mehrheit der Juden getragen sind, wenn sie tatsächlich an die ftüher oder später doch unumgängliche Revision der veralteten preußischen Judengesetzgebung herantritt. Denn seit 1847, da letztmals das noch heute gültige Judengesetz geschaffen worden ist, haben sich die Verhältnisse unvergleichlich verändert. Auf solche große Gemeinwesen, wie sie die Großgemeinden insbesondere aber Berlin darstellt, ist das damalige Gesetz nicht zugeschnitten, ganz abgesehen davon, daß sich inzwischen auch die staatsrechtliche Stellung des jüdischen Gemeindewesens nicht mehr in Einklang mit dem modernen Geist des konstitutionellen Staatswesens befindet. Außer auf der Rabbinerversammlung, die zudem eine ganze Reihe anderer Standes- und Berufsfragen in den Kreis ihrer Beratungen zog, platzten die Gegensätze in fast leidenschaftlicher Weise auf dem letzten außerordentlichen Gemeindetag zusammen. Den Zündstoff bildete der Antrag des Ausschusses des „Gemeindebundes" auf einen anderen Vertretungsmodus der dem Bunde angeschlossenen Gemeinden auf den Gemeindetagen. Die beantragte Aenderung des Grundgesetzes des Gemeindebundes sah eine der Bevölkerungszahl der Gemeinden mehr entsprechende Verteilung der Stimmen auf dem Gemeindetag vor. Man erachtete es als ein Unrecht, wenn den Großgemeinden und jüdischen Zentren auf dem Gemeindetag eine in gar keinem Verhältnis zu ihrer jüdischen Bevölkerungszahl stehende kleine Anzahl von Stimmen zuerteilt wird, wie dies nach dem alten Statut vorgeschrieben ist. Die neuen Vorschläge bewegten sich in der Richtung, daß ziffernmäßig den allerkleinsten Gemeinden mit je einer Stimme immer noch eine Majorität von 82 Stimmen verblieb. Die Vorschläge aber fanden eine heftige Opposition, die sich bei Bekanntwerden der beabsichtigten Statutenveränderung sogar besonders organisiert hatte. Der Ausgang der zuweilen stürmischen Debatte war ein stillschweigender Kompromiß. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die in neuerliche Beratung mit dem Ausschuß über eine Statutenänderung eintreten soll. Diese Kommission wird nun, wie wir erfahren, in den nächsten Tagen zusammentreten. Außer dieser „piöce de resistance“, die stürmische Debatten hervorrief, wurde auch der Einfluß des Privatbeamtenversicherungsgesetzes, das bekanntlich demnächst den Reichstag beschäftigen wird, für die jüdischen Gemeinden beraten. Ueber die Bedeutung, die dies Gesetz auf die jüdischen Ge-, meindeetats und die Angestellten der Gemeinden, besonders auch für Kultusbeamte und Rabbiner hat, wird vielleicht ein andermal etwas eingehender gesprochen werden. Auch zur Beratung über diesen Gegenstand wurde eine Kommission eingesetzt, die gleichfalls Anfang September ihre Arbeiten aufnimmt. Auch sonst fehlte es nicht an beachtenswerten Ereignissen in den letzten Monden. Das jüdische Leben hatte in diesem Sommer kaum Ferien. Der „Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur," dem jetzt über 220 Vereine angeschlossen sind, hielt gleichfalls in dieser Zeitperiode seine Generalversammlung ab. Es war nicht ohne Interesse, hier zu hören, wie sehr man die Rührigkeit und den Eifer in den Jugendvereinen rühmte und geradezu als mustergültig hinstellte. Und es ist nicht ohne Interesse, daß man hier auch den Literaturvereinen die Anregung gab, als besonders geeignete Themata für Vorträge Gegenstände zu wählen, die in Beziehung zur Iahrhundertfeier der Judenemanzipation stehen. Vielleicht wird sich dabei, da unsere Verbandsleitung den Jugendvereinen ähnliche Anregung gegeben hat, hier und da eine ,Kooperationsmöglichkeit" ergeben. Schauen wir über die Grenzen unseres Heimatstaates hinaus, so hat es auch dort nicht an Ereignissen gefehlt, die unser lebhaftestes Interesse und unsere wärmste Anteilnahme finden mußten. Da sind zunächst zwei traurige Ereignisse: einmal die blutigen Vorgänge in Drohobycz bei den Reichsratswahlen in Galizien, wo eine offenbar übereiftige Soldateska in die jüdischen Wählermassen, die ihr staatsbürgerliches Recht ausüben wollten, hineinschoß und eine ganze Anzahl schuldloser Glaubensgenossen niederstreckte. Noch hat die Schuld keine Sühne erhalten, aber nicht nur von jüdischer, sondern auch von anderer Seite ist das energische Begehren nach Bestrafung der Schuldigen im österreichischen Parlament zum Ausdruck gebracht und auch die Erfüllung zugesagt worden. Die Vorgänge in Drohobycz gewährten zugleich einen tiefbetrübenden neuerlichen Einblick in das Kapitel der Judenlage in Galizien. Sodann ist die allzeit bereite jüdische Hilfstätigkeit für die jüdischen Opfer des großen Brandes in Konstantinvpel eingetreten. Der „Hilfsverein der deutschen Juden" hat im Einvernehmen mit der Großloge für Deutschland U. O. B. B. eine besondere Sammlung veranstaltet. Die Ordensleitung der „Bnai Brith" in Amerika hat 10 000 Frcs. und der soeben in Basel abgehaltene X. Zionistenkongreß gleichfalls zur Linderung des Notstandes den Betrag von 6000 Frcs. der türkischen Regierung zur Verfügung gestellt. In den letzten Tagen konzentrierte sich endlich das Interesse der Juden aller Länder wohl auf die Jubiläumstagung der zionistischen Weltorganisation in Basel. Auch jene Kreise, di6 den zionistischen Zielen und der Bewegung fernstehen, liehen den Vorgängen in Basel

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