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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-09-01 · 9 (1.9.1911) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
9 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ihre anteilnehmende Aufmerksamkeit. Der zehnte Zionistenkongreß, der durch die Verlegung der Leitung nach der deutschen Reichshauptstadt und durch die Wahl eines neuen Präsidiums, wie durch die Richtlinien, die der neuen Leitung mit auf den Weg gegeben wurden, anscheinend eine neue Epoche des Zionismus einleiten dürfte, stand diesmal unter den besonders freundlichen Sternen einer nur wenig getrübten harmonischen Friedfertigkeit, Einigkeit und des Willens zur praktischen Arbeit. Das politische Ziel, soweit es durch die neuen Verhältnisse in der Türkei modifiziert worden ist, wurde diesmal fast gar nicht berührt und nur gestreift. Den lebhaftesten Beifall fanden wie immer in den letzten Tagungen, die Reden Wolfsohns und Max Nordaus. Der Letztere gab ein großzügiges Bild der Lage der Juden in allen Ländern, nicht ohne stark subjektive Tendenz. Denn so unerfreulich und alle Wünsche gewiß nicht befriedigend die Lage der Juden in den einzelnen Kulturländern auch dem und jenem erscheinen mag, Fortschritte und eine Besserung in manchen Ländern gesitteter Kultur darf man nicht in Abrede stellen, wie es Nordau getan. Solche Uebertreibungen mußten die Wirkung der sonst so eindrucksvollen Rede, die auch da noch erfreut, wo sie nicht überzeugt, ein wenig in der nichtzionistischen Welt abschwächen. Im übrigen beschäftigte sich der Kongreß mit einer Reihe von praktischen Palästinafragen, mit der Emigrationsorganisation und der Pflege der hebräischen Sprache, alles Gegenstände, denen auch die nichtzivnistische Judenheit sichtliches Interesse entgegen brachte. Es wird sich nun zu zeigen haben, ob die neue Leitung eine neue Epoche aufwärts in praktischer Arbeit oder den Beginn eines Abstieges herbeiführen wird gegenüber der Zeit, da ein H e r z l und nach ihm ein W o l f s o h n an der Spitze der Bewegung standen.*) Alb. I a c o b y. Die jüdische Iirgendvereinsbewegung in Deutschland. Von Or. G. Löffler- Frankfurt a. M. DaS Frankfurter .Israelitische Familienblatt", eine bei ausgeprägter zionistischer Tendenz noch möglichster Objektivität allen Betätigungen der gegenwärtigen Judenheit gegenüber strebende jüdische Zeitung, nahm in Nr. 30 dieses Jahrganges unter der tlebeischnft „Die jüdische Jugendvereinrbewegung in Deutschland" Stellung zur „Neutralität" der dem „Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" angeschlossenen Jugendvereine. Der (im redaktionellen Teile stehende) Artikel betont zufölderst die Bedeutung des jüdischen Jugendproblems *i ffit beschränken uns auf diese kurze Besprechung des X. Zioniste> kongresses, da wir annehmen, daß unsere Mitglieder die ausführlichen Kongreßberichie in anderen jüdischen Zeitungen gelesen haben. D R. und meint, die frühere Sorglosigkeit und Indifferenz ihm gegenüber sei unter dem „mächtigen Impulse, den die neuentstandene nationale Bewegung dem moderneil Judentum verliehen hat," gewichen, und unter seinem Einflüsse sei die jüdische Jugendbewegung entstanden, die zur Gründung des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" geführt hat. Es wird dann konstatiert, daß der Verband neutral sei, „das heißt, er nimmt zu allen politischen, religiösen und sozialen (?1) Fragen des modernen Judentums keine ausgesprochene Stellung ein," und verurteilt, daß manche Vereine «überhaupt keine Debatte über all diese Fragen zuließen". Der Artikel nimmt dann Bezug auf unlängfl erschienene Aeußeruvgen in liberalen jüdischen Zeitungsorganen, die Klage führten, weil es innerhalb unseres Verbandes Jugendvereine gebe, die dem Namen nach neutral, „in Wahrheit aber zionistisch seien" und ironisiert diese. Ihm erschiene es nicht „ungesund", wenn dem so wäre, „ungesund" sei aber der Zustand, daß diese Vereine ihre „zionistische Gesinnung verbergen müssen," da sie doch dem Gesamtverbande angehören wollen. Der „ideale" Ausweg aus diesem Dilemma wäre nach Ansicht des „Israelitischen Familimblattes" natürlich, „wenn der Gesomtverband sich auf den Boden des nationalen Judentums stellen würde". Bei der heutigen Lage der Dinge aber müsse der Verband vorerst neutral bleiben; daß aber die einzelnen Vereine auch immer neutral seien, entspräche keinem gesunden Zustande. „Es müsse den einzelnen Parteien im Judentum die Möglichkeit gegeben werden, sich zu bekämpfen. Wo dies innerhalb der einzelnen Vereine geht, — gutl Wenn aber die Gesamtheit der Mitglieder eines Vereines zufällig auf demselben Boden steht, warum sollen sie es nicht offen erklären dürfen?" Daran schließt das „Israelitische Familienblatt" die Bemerkung, daß „die liberalen Heißsporne — mit Recht — befürchten, daß in diesem Falle den zionistischen Mitgliedern des Verbandes mehr Spielraum für ihre Agitanon geboten ist," und aus diesem Grunde seinen Vorschlag ablehnen würden. Der Vorstand des Verbandes aber müsse aus Verbandsinteressen sich für den Vorschlag erklären; tue er es nicht, „so zeigt er, daß er von der Zionistensurcht beherrscht wird, daß auch er unbedingt einen Fortschritt des Zionismus unterbinden will" und beweise dadurch, daß „auch er in Wahrheit gar nicht neutral" sei. Zu diesem Artikel de- „Frankfurter Israelitischen Familienblattes" nahm ich in folgenden Bemerkungen Stellung, denen genannte Zeitung in Nr. 32 ihrer Ausgabe unter der gleichen Ueberschrift — in durchaus loyaler Weise — Raum gab: Als langjähriger Mitarbeiter und derzeitiger Vorsitzender des größten jüdischen Jugendvereins in Deutschland, zugleich als einer der frühesten Befürworter des Zusammenschlusses aller neuiralen jüdischen Jugeudvereine in einem sich über Deutschland erstreckenden Verbände halte ich mich für berechtigt und verpflichtet, zu den unter obigem Titel in Nr. 30 dieses Blattes veröffentlichten Ansichten Stellung zu nehmen. Ausschließlich im Interesse der historischen Gerechtigkeit möchte ich zunächst feststellen, daß die zur Schaffung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine führende Bewegung unter der jüdischen Jugend zu einer Zeit erfolgte und ihre ersten schönen Erfolge errang, da der Zionismus noch mühsam um die Anhängerschaft reifer Männer warb, an die jüdischen Jugendvereine noch nicht dachte. Man dürfte es in Frankfurt a. M. wissen, daß hier vor 14'/, Jahren in dem Verein „Montefiore" — «

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