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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-09-01 · 9 (1.9.1911) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
9 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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versehen, da dies ein Privilegium der Zunftmeister war. So werden wohl viele Werke, die jüdischen Ursprunges find, noch existieren, ohne als solche erkannt zu werden. Als Baumeister, Werk- und Zimmerleute war eine Betätigung nicht gestattet. Die hohe Kunst, Architektur, Plastik und Malerei, blieb den Juden bis auf die neueste Z>it mit ganz wenigen Ausnahmen verschlossen. Es mangelte die Anregung, sich diesen Gebieten zu widmen, da die Nachfrage so gut wie gar nicht vorhanden war Die Synagogen waren ohne Schmuck hergestellt, andere Baulichkeiten kamen nicht in Betracht. Aber in der Illustration von Handschriften haben jüdische Künstler Bedeutendes geleistet. Wenngleich auf diesem Gebiete die Forschungen noch nicht abgeschlossen sind, so verdanken wir doch der interessanten Schrift D. Kaufmanns <Anhang zur „Haggadah von Serajevo", Wien 1898) den Nachweis, daß die Illustrationen der jüdischen Handschriften größtenteils von jüdischen Künstlern angefertigt sind, und daß auch die Holzschneider und Kupferstecher, die die Werke von Juden schmückten, Juden waren. Der älteste bekannte jüdische Kupferstecher ist David Laudi, der um 1550 in Cremona tätig war. Salom Jtalia arbeitete in Holland und porträtierte 1642 Menasse ben Israel, den großen Verfechter der Anerkennung der Juden, in England, dessen Bildnis uns auch von der Hand Rembrandts erhalten ist. In Holland ist um diese Zeit ein ganzes Heer von jüdischen Künstlern tätig gewesen; am Ende des 18. Jahrhunderts sind hier besonders Abraham Lion Zeelander und Moritz Dessauer zu nennen. Auch einige Maler sind bekannt, so Mose dal Castellazzo in Venedig als Porträtmaler, JacobdaCarpi, I685in Verona geboren und in Amsterdam als Historienmaler tätig u. a. m. In den letzten Jahrhunderten ist die Zahl der jüdischen Künstler gewiß sehr groß gewesen; eine stattliche Reihe von Namen ließe sich aufführen. Wenn viele uns nicht bekannt sind, so ist der Grund darin zu suchen, daß die Lexika und Kunstbücher nur ausnahmsweise die Konfession aufführen. Die Archive der jüdischen Gemeinden müssen hier herangezogen werden, und es wird sich sicherlich die bereits heute nicht unbeträchtliche Liste noch um vieles vermehren lassen. Daß die Juden nicht bereits früher der Geschichte der Kunst große Namen eingereiht haben, ist in der Entziehung aller Rechte begründet. Die Kunsthandwerker mußten gerade zu der Zeit, da das Kunstgewerbe zu blühen begann, ihre Werkstätten ruhen lassen, da die Zünfte ein Weiterarbeiten unmöglich machten; die Kunstakademien waren ihnen verschlossen, christliche Meister weigerten sich, Juden aufzunehmen. Ja sogar der Besuch der Galerien war ihnen verboten, wie Dohm in seinem Werke „Ueber die bürgerliche Verfassung der Juden" berichtet: In den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurde einem jüdischen Maler, der in einer deutschen Stadt die Museen besuchen wollte, der Eintritt verwehrt! — Seit dieser Bann gebrochen und dem Juden die freie Betätigung nach seinem Willen gestattet ist, hat die jüdische Rasse glänzende Beweise dafür geliefert, daß der Geist des alten Volkes auch befähigt ist, mit den Größen auf allen Gebieten der Kunst zu rivalisieren, und daß wir auch hier, wo die Knechtung am längsten gewährt hat, den Lorbeer verdienen. Erst seit einem Menschenalter sind wir mit in die Reihen der großen bildenden Künstler getreten und schon können wir mit Stolz eine ganze Reihe, die einen Weltruf erlangt haben, als die Unseren nennen. Der Nestor der holländischen Malerei, der in diesen Tagen verstorbene 87jährige Jozef Israels*), gilt als der würdige Nachfolger seines großen Landsmannes Rembrandt. Max Liebermann ist der unstreitige Führer der deutschen Kunst, der mit weitschauendem Blick die Sezession, diejenige Künstlervereinignng, gegründet hat, aus deren Mitte der lebensfähige Sproß der jüngeren Künstlergeneration hervorgeht. Camille Pissarro wird als einer derjenigen Franzosen verehrt, die die moderne Malerei eingeleitet haben. Schwedens bedeutendster Maler aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, Ernst Josefson, ist hier zu nennen. In der Plastik genügen Namen wie Antokolski, Glicenstein und Siegfried Wagner in Kopenhagen, in der Graphik wiederum Liebermann und Israels und von der jüngeren Generation Hermann Struck, um unseren Wert zu dokumentieren. Wenngleich Alfred Messel, der bedeutende Baumeister, getauft war, so zählt er doch der Abstammung nach zu uns. Viele Hunderte in aller Herren Ländern schaffen zum Ruhme der Kunst und ihrer Rasse. In allen Zweigen der Kunst haben sich unsere Glaubensbrüder rühmlichst hervorgetan, als Architekten, Bildhauer, Maler und Kunstgewerbler wissen sie ihren Platz auszufüllen und Werke zu schaffen, die zum deutlichen Beweise dafür dienen, daß auch die Juden den Sinn für die bildende Kunst besitzen und wie auf anderen Gebieten nur der freien Schwingen bedürfen, um sich hoch in die Lüfte zu erheben. Rundschau. Seit den Schebuoth-Tagen, da sonst im öffentlichen Leben sich die Spuren der sommerlichen Stille bemerkbar machen, hat die jüdische Oeffentlichkeit eine ganze Reihe bemerkenswerter Ereignisse zu verzeichnen. Innerhalb der großen Organisationen der deutschen Judenheit herrschte fast bis in den gegenwärtigen Monat hinein ein selten reges Leben. Zunächst waren es die A l l i a n c e w a h l e n, die die jüdischen Gemüter fast der ganzen Welt in leb- *) Eine ausführliche Würdigung dieses großen Meisters werden wir in der nächsten Nummer bringen. s

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