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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-09-01 · 9 (1.9.1911) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
9 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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an diesem Tage wird Gott Euch entsühnen, Euch zu reinigen von allen Euren Sünden. Vor dem Ewigen sollt Ihr rein sein." Andere Farbe als die „ehrfurchtgebietenden Tage" trägt der Abschluß unsrer Festzeit, Sukkoth. Fröhliche Tage bringt es uns, es führt uns zurück in uralte Zeiten, in die längstvergangenen und nie vergessenen Jahre, da unsre Väter durch die Wüste zogen. Ihre Zelte waren klein und ihre Hütten leicht. Gefahren rings herum. Und doch gelangten sie durch die Wüste nach Kanaan. Auch wir sollen an diesem Feste in Hütten wohnen. Die Sukkoth soll in uns das Vertrauen erwecken, daß über uns Gott waltet wie einst über den Vätern in der Wüste — eine Erinnerung an die Vergangenheit, ein Symbol für Gegenwart und Zukunft! Jüdische Kunst und jüdische Künstler. Von Karl Schwarz. Ein altes Vorurteil, das noch heute weit verbreitet ist, spricht dem Judentum jeglichen Sinn auf dem Gebiete der bildenden Kunst ab. Während Babylon und Aegypten eine überaus hohe Stufe der künstlerischen Bildung erlangt hatten, sollen die Hebräer ein direkt kunstfeindliches Element in der Geschichte gebildet haben. Diese Ansicht ist durch namhafte Gelehrte in den letzten dreißig Jahren zur Genüge widerlegt worden. Zwar hat das Verbot, plastische Darstellungen von Göttern und Anbetungsgegenständen zu verfertigen, wie auch die strenge Scheu, daß ein Kunstwerk zur Anbetung verleiten könnte, der Entwicklung der jüdischen Kunst schwere Fesseln auferlegt. Daß aber auf diesem Gebiete in dem alten Reiche überhaupt nichts und späterhin so gut wie nichts geleistet worden sei, beruht auf Unkenntnis und der noch ungenügenden Ausbeute der erhaltenen Nachrichten, die von der Kultur auf künstlerischem Gebiet aus der Zeit vor der gewöhnlichen Zeitrechnung bis auf unsere Tage gekommen sind. Bereits die Bundeslade, die im II. Buche Moses ausführlich beschrieben ist, muß ein hervorragendes Werk der Goldschmiedekunst gewesen sein. Ihr Verfertiger Bezalel, wird mit Namen genannt und ausdrücklich betont, daß er zu dem großen Unternehmen mit göttlichem Geiste, mit Einsicht und besonderer Fingerfertigkeit versehen worden sei. Der Tempel Salomonis war für die damalige Zeit ein Wunderwerk der Baukunst. Wenngleich der weise König bedeutende Künstler aus anderen Ländern, in denen bereits große Paläste errichtet waren, zu dem Werke heranzog, so werden doch sicherlich auch einheimische Kräfte mitgearbeitet und den Bau durch ihre infolge des anderen Volksstammes geschiedene Anschauungswelt zu einem nationalen Heiligtum gestaltet haben. Wenn wir für die Zeit des Altertums auf teilweise Vermutungen angewiesen sind, so betreten wir mit dem Mittelalter festeren Boden. Der synagogale und häusliche Kultus erforderte manche Gerätschaften, die je nach dem Wohlstand der Gemeinden oder Familien mehr oder weniger wertwoll hergestellt wurden. Ein besonders reiches Feld eröffnete sich da für die Kunsthandwerker, für Gold- Silber-, und Kupferschmiede, Ziseleure und Kunstweber. Der Talmud berichtet, daß in der großen Synagoge zu Alexandria den Gold- und Silberarbeitern wie auch den Webern besondere Plätze angewiesen waren. Im 6. Jahrhundert betrieb der jüdische Stamm Kaimukaa in Nordarabien die Goldschmiedekunst. Im l l. Jahrhundert finden wir in der Languedoc, im 14. Jahrhundert in Navarra Juden, die als Goldschmiede tätig waren; später werden in Italien, Marokko, Polen und Mexiko solche Arbeiter genannt. Die Betätigung mit den wertvollen Metallen führte auch zur Ausschmückung der Gerätschaften mit Edelsteinen, zur Gravierung und zum Schneiden derselben. „Fast jede größere jüdische Gemeinde zählte einen oder einige jüdische Petschirstecher unter ihren Gliedern," berichtet Bondi. Das Schneiden der Steine war lange Zeit ein Geheimnis der holländischen Juden. Friedrich l. von Preußen hatte einen königlichen Petschirstecher namens Levin Joseph. M. Löser aus Güstrow wurde vom König von Schweden berufen, um das königliche Wappen in Stein zu schneiden. In allen Ländern nahmen die Juden im 15. bis 18. Jahrhundert wegen ihrer großen Geschicklichkeit in diesen Techniken des Kunsthandwerkes angesehene und auch mehrfach Hofstellen ein. Kupfer- und Silberschmiede werden 1490 in Palermo und im 10. Jahrhundert in Polen genannt. War doch gerade auf diesem Gebiete die Nachfrage eine sehr große, da jede Familie ihren Kidduschbecher und ihre Menorah, jede Synagoge ihren Leuchter und ihren Thorarollenschmuck benötigte. Aehnlich verhielt es sich mit den Stickereien und Webereien zum Schmucke der Thorarollen und des Thoraschrankes. In Spanien und Portugal trieben die Juden die Seidenweberei noch im 10. Jahrhundert, auch Teppich- und Tapetenweberei wurde von ihnen gepflegt. Benjamin aus Tudela*) berichtet, daß er in Theben 2000 Juden fand, die die besten Arbeiten in Seide in ganz Griechenland fertigten, und daß auch in Konstantinopel jüdische Seidenarbeiter lebten. In späteren Jahren wurde den Juden fast überall die Ausübung dieser Gewerbe verboten, nur die Stickkunst wurde hin und wieder erlaubt. Die Zünfte, die allenthalben entstanden, nahmen keine Juden auf; diejenigen, die außerhalb der Gilden Kunstwerke anfertigten, durften diese Arbeiten nicht mit ihren Namen und Zeichen *) Bekannt durch seine ausgedehnten Reisen in der ll. Hälfte des Xll. Jahrhunderts. 2

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