Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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des Herrn Benno Pincrower über „Die Geschichte der EmanzipationSkämpfe der deutschen Juden im 19. Jahrhundert". Am 20. April ein wissenschaftliches Referat deS Herrn stuct. mecl. Wiener über das Thema „Die Grundbegriffe der Sozialdemokratie". Außerdem fand am 1. Februar ein Herrenabend statt, der viele Mitglieder und Gäste in launiger Stinimung bis zum Morgengrauen beisammenhielt. Der 11. März, der Tag, an dem wir unfern Purim-Ball hatten, bewies uns, daß wir nicht mehr vegetieren, sondern leben und beachtet werden. In dem etwas kleinen Saal der Braukommune hatten sich an 175 Personen eingefunden. Ein von den Herren Max Reich und Fritz Wiener verfaßtes Festspiel „Im Zauberland der Poesie" gab dem Abend den Namen. Theatralische und Tanzaufiührungen wechselten in bunter Reihenfolge; der Abend verlief zur allgemeinen Befriedigung. Am 29. April fand noch ein Rezitationsabend statt, an welchem Herr Max Reich Rezitationen in schlesischer Mundart brachte, während die Herren Bodlünder, Erich Cohn und Marcus uns mit anderen Rezitationen erfreuten. Den Schluß des Winterhalbjahres bildete ein Abschiedskommers für unseren stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Erich Cohn, der zu unser aller Bedauern Liegnitz verließ. Nochmals sei ihm hier für seine recht ersprießliche Tätigkeit Dank gesagt. Während so der Winter verlief und der Verein nach außen hin an Ansehen und Stärke zunahm — wir haben jetzt an 110 Mitglieder —, ging im Vereinsleben auch eine kleine Veränderung vor sich. Unser bisheriger Vorsitzender, Herr Bodländer, legte sein Amt wegen zu starker Inanspruchnahme im Geschäft nieder; der zweite Vorsitzende, Herr Erich Cohn, ging nach Mannheim und Herr Juliusburger, unser zweiter Schriftführer, will uns am 1. Juli auch verlaffen. Der Vorstand ergänzte sich vorläufig bis zur nächsten-Hauptversammlung durch Kooption. Der Vorstand besieht nun aus folgenden Herren: Zahnarzt Kramer (I. Vors.), Max Reich (II Vors.), Alex Doctor (Kassierer), Herr Marcus (I. Schristwart, Herr Salomon (II. Schriftwart). Am 18. Juni fand unser SonrmerauSflug nach Bad Hermsdorf statt. Die Beteiligung — es waren an 60 Teilnehmer erschienen — litt unter der ungünstigen Witterung. Der Ausflug verlief trotz einiger Regenschauer bei bester Laune. Bei der Kaffeetafel im Waldschlößchen begrüßte der Vorsitzende die Erschienenen aufs herzlichste. Dann wurde, so lange das Wetter anhielt, im Walde gespielt. Gesellschaftsspiele im Saale waren die Fortsetzung, als uns der Regen ins Haus jagte. Wir beabsichtigen, uns während des Sonimers alle 14 Tage in einem Gartenlokale zu treffen, um auf diese Weise die Geselligkeit unter den Mitgliedern zu fördern. H. Kramer. Lörrach. (Tätigkeitsbericht). Zwei Jahre find verstrichen, seitdem wir dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands angehören; auf eine zehnjährige Tätigkeit können wir diesen Sommer zurückblickcn. Wir gedenken das Fest des zehnjährigen Bestehens in den Weihnachtsferien dieses Jahres feierlich zu begehen, und hoffen, daß wir eine Tagung des Bezirks Verbandes damit verbinden könne». Freudig blicken wir auf unser bisheriges mühseliges Schaffen zurück. Die Jugendvereine, die in jüngster Zeit entstanden oder erst in. Entstehen begriffen sind, haben alle im Verbände ein festes Rückgrat, auf das sie sich stützen können; ja sogar wird der Verband in den meisten Fällen die Vorarbeit verrichten. Anders war es bei uns. Kein Verband bestand damals. Keine bedeutenden Männer warfen sich für uns in die Zügel, sondern wir waren auf die kleine aber wackere Schar eigener Kräfte angewiesen, die von dem Jntereffe beseelt war, mit aller Kraft für unsere Sache einzutreten. Gegen manche Schwierigkeiten, die man uns in völliger Verkennung unserer idealen Bestrebungen machte, hatten wir anzukämpfen. Wenn es auch um uns schäumte und wogte, so konnten doch diese Hemmnisse, die man uns in den Weg legte, nicht dazu angetan sein, das Interesse abzuschwächen und zu vermindern, sondern forderten auf, die Kräfte enger zusammenzuschließen, eingedenk der dichterischen Worte „Denn aus der Kräfte schön vereintem Streben erhebt sich wirklich erst das wahre Leben". Die Anforderungen, die der Verband heute an die Vereine stellt, haben wir schon vor Gründung desselben zum größten Teile erfüllt. Wir haben die Sache gleich von der richtigen Warte aus betrachtet, indem wir zur Erkenntnis gelangt sind, daß sich ein gedeihliches Schaffen nur auf dem Boden neutraler Basis ermöglichen läßt, um den Anforderungen aller unserer Mitglieder gerecht zu werden. Trotzdem daß wir uns nach dieser Richtung hin betätigt haben, hat die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte und Literatur, der wir immer große Aufmerksamkeit gewidmet haben, doch manchen veranlaßt, sich eingehender mit jüdischen Dingen zu befassen. , Daß das Sportliche bei uns etwas in den Hintergrund getreten ist, war nur dem Mangel an günstiger Gelegenh eit zuzuschreiben. Heute haben wir uns durchEinrichtung vonKeqelabenden beholfen, die sich eines guten Besuches erfreuen. Seit unserer letzten Generalversammlung, die im Monat Oktober letzten Jahres stattfand, haben wir eine reiche Tätigkeit entfaltet. Gleich am 26. November haben wir für unsere gesamte Mitgliedschaft einen musikalisch-deklamatorischen Abend veranstaltet, der auch von auswärtigen Mitgliedern sehr stark besucht war. Die Leistungen, die diesmal geboten wurden, bewegten sich auf einem ganz anderen Niveau als unsere früheren Vorstellungen, da wir uns zum größten Teile fremder Kräfte bedienten. Dadurch war unseren aktiven Mitgliedern auch ein Genuß geboten, da sie von der Mitwirkung entlastet waren. Es war uns gelungen, ein Mailänder Streichorchester aus Basel zu engagieren, das sowohl während der Aufführung als auch während des darauffolgenden Tanzes seine schönen Weisen erklingen ließ. Auch hatten wir einen prächtigen Tenor für unseren Abend verpflichtet. Deklamatorische Darbietungen, teils aus der jüdischen Literatur, teils in alemannischer Mundart, vervollständigten das Programm. Einen Vortrag des Herrn Rechtsanwalt E. E. Deutsch haben wir mit der Aufführung verknüpft. — Um einigermaßen auf unsere Kosten zu kommen, hatten wir einen Blumenbazar eingerichtet, der uns in liebenswürdiger Weise von unserem Mitglied in Nizza übersandt worden war. — Herr Lehrer Abel hielt den Winter hindurch einen Zyklusvortrag über die Bibel. Unsere aktiven Mitglieder Herren Eli Pintö über die „Phalaschas", David Bloch über den „Schaden des Alkohols" und Moritz Weil über „Handlungsgehilfen und Antisemitismus". Alle diese Vorträge gaben zu recht intercffanten Diskussionen Anlaß. Mit unserer Vertretung an dem Verbandstag in Hannover hatten wir Herrn Lehrer Abel betraut, der uns auch einen fesselnden Bericht darüber erstattet hat. Ein Punkt, der uns auch viel Gunst in der Gemeinde verschafft hat, ist das M i n j a n. Es ist jedem hier die Möglichkeit geboten, Minjan abzuhalten, da der Verein durch drei Mitglieder stets vertreten ist. Nach einer zehnjährigen Tätigkeit haben wir ein Fundanient errichtet. An uns und an der kommenden Generation ist es nun gelegen, dieses Fundament zu einem Gebäude auszubauen, und unseren Verein als nützliches Glied dem Verbände zu erhalten. D. B l o ch. Stettin. Der Jüdische Jugendbund schloß mit der Generalversammung am 28. März sein 2. Geschäftsjahr. In dem Geschäftsberichte wird noch immer über einen gewissen Mangel an Jntereffe der Mitglieder geklagt. Die Kassenverhältnisse sind mittelmäßig. Bedauert wird das Fehlen einer geeigneten Bibliothek; die Loge hat zwar etwa 100, meist apologetische Schriften zur Mitbenutzung überlassen, diese Art der Lektüre findet aber keinen besonderen Zuspruch. Der neue Vorstand setzt sich zusammen aus folgenden Herren: Herr Dr. Kurnik, Vorsitzender, Herr Dr. Baer, stellvertr. Vorsitzender, Herr Danziger, Schriftführer, Herr Hehmann, stellvertr. Schriftführer, Herr Kupferberg, Kassierer, Herr R.-A. Dr. Marcuse und Herr Dr. Cohn, Beisitzer. Der neue Vorstand wird sich über wichtige Punkte — Stellungnahme zu den hiesigen dem israelitischen Frauenverein korporativ angegliederten jungen Mädchen, sowie tatkräftige Propagandaarbeit nach innen wie nach außen — schlüssig zu machen haben. 18