Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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und Ausflügen so viel Damen und Herren teil, daß wir für uns besondere Wagen bestellen. Endstehend sei das Programm der gröheren Veranstaltungen der letzten Monate wiedergegeben. Mit dem Deutschen Theater haben wir einen Vertrag geschlossen, auf Grund dessen unsere Mitglieder und deren Angehörige bei unserem Kassierer zu außerordentlich ermäßigtem Preise Billets erhalten. Wir legen auf jedes Billet im Interesse der Vereinskaffe einen kleinen Zusqlag. Als weitere Institutionen unseres Vereins zählen wir eine gut und reichlich ausgeftattete Bibliothek auf. Ferner haben wir eine Beratungsstelle eingeführt, die über alle Fälle des Lebens, ffeien sie juristischer oder sozialer Natur, unentgeltlich Auskunft erteilt. In unseren behaglich eingerichteten Klubzimmern, in denen nach einem mäßigen Tarife Speise und Trank verabreicht wird, liegen fast alle jüdischen Zeitungen, sowie alle bedeutenderen Tageszeitungen des In- und Auslandes aus. Zu den Veranstaltungen des Literalurvereins ist unseren Mitgliedern der Eintritt ermöglicht. Zur Erleichterung der Einziehung der Beiträge und Spenden hat der Verein ein Postscheckkonto. So dürfen wir behaupten, daß überall da, wo der Name unseres Vereins genannt wird, er stark und achtunggebietend dasteht. Dies gilt nicht nur innerhalb des Rahmens der jüdischen Gesamtheit. Auch nach außen den anderen Kontessionen gegenüber haben wir stets auf ein freundschaftliches und friedliches Verhältnis hohen Wert gelegt. Durch unsere absolute Parteilosigkeit sind >vir zwar kein Faktor im politischen Leben: Daß aber, wo im öffentlichen Leben von Juden gesprochen wird, die Judenheit sich ihrer Jugend nicht zu schämen braucht, ist unser heißes Bemühen. So wollen wir auch fernerhin unser ganzes Ich im Dienste unserer hohen Ideale einsetzen. Januar 1910. Referendar Ist Kahn, 1. Vorsitzender. Programm für November 1910. 1. November 1910: Herr Georg Kiesau von den vereinigten Stadtlheatern zu Cöln: Heinrich Lcuthold (1827—1879). Penthesilea. Ein Epos. 8. November: Herr Dr. Scheftelowitz: «Faustnaturen in der hebräischen Literatur". 11. November: I. großer Freitag- Abend: 1. Teil: Herr Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthai: «Grundprinzipien des Judentums". 2. Teil: Fräulein Charlotte Landau vom Stadttheater zu Barmen: „Perlen der Poesie aus jüdischer Geschichte und Literatur". 16. November: Rechtsanwalt am Oberlandcsgericht Dr. Siegmund Klein: «Koalitionsfreiheit und Streik". 22. November: Herr Rabbiner Dr. Ludwig Nosenthal: «Die Stellung unserer großen Organisationen zur Falaschafrage". 27. November (Sonntag) nachmittags 5 Uhr : I. Five o’clock tea mit literarisch-musikalischen Darbietungen. II. Tanz. Weiterhin haben ihre Mitwirkung für Dezember rmd folgende Monate bisher zugesagt: Herr Musikdirektor Sternberg: Richard Strauß: Also sprach Zaratustra. Frei nach Nietzsche (mit Erläuterungen am Klavier). Herr Tr. de Jongh: «Die Frauenfrage im Lichte des Judentums." Herr Dr. med. Meirowskh: Phpsikalischexperimenteller Vortrag. Herr cand. jur. Leo Adler: „Volkswirtschaftliches im alten Judentum". Herr Bernhard Feilchenseld: „Die Wanderorganisation". Herr Redakteur Adolf Bollack: „Herzl als Schriststeller". Programm für Dezember 1910. 4. Dezember 1910: (Sonntag) nachmittags Ausflug nach Thielenbruch-Berg.» Gladbach mit anschließendem Tanz. 6. Dezember 1910: Großer Vortrags- und Diskussionsabend unter Teilnahme sämtlicher kaufmännischen Vereine Cölns über die Stellung der kaufmännischen Organisationen zum Antisemitismus; Kaufmannsgerichtswahlen. 10. Dezember 1910 (Samstag): Literarischer Abend: Frau Sclma Zivi-Freiburg i. Br. „Mensch und Dichter Hebbel." 13. Dezember 1910: Herr Dr. jur. de Jonge-Cöln «Die Frauenfrage im Lichte des Judentums." 17. Dezember 1910: (Samstag Abend) Gemütliche Zusammenkunft des Vorstandes und der Kommissionen. Begrüßung der auswärtigen Gäste. 18. Dezember 1910: (Sonntag) 1. nachmittags 2 Uhr: Bezirkstag der west- und süddeutschen Jugendvereine zwecks Gründung eines Bezirksverbandcs; 2. abends 81/, Uhr: Herr Musikdirektor Sternberg : Richard Wagner: Rbeingold. 20. Dezember 1910: Herr cand. jur. Leo Adler-Cöln: Volkswirtschaft im alten Judentum. 80. Dezember 1910: II. großer Freitag-Abend Chanukkafeier. Außerdem jeden Freitag Abend Zusammenkunft in üblicher Weise. Programm für Januar 1911. 8. Januar abends Punkt 9 Uhr 1. Rede- und Diskutierübung. Herr Paul Gottschalk, Cöln, referiert über: „Jugendliteratur und Schundliteratur". 10. Januar: Herr Moritz Levh jr., Cöln: „Die Bewohner Asgards. Urgestalten der Richard Wagner'schen Götterdämmerung". 15. Januar (Sonntag): „Ausflug". 17. Januar: Herr Adolf Pollak, Cöln: „Herzl als Schriftsteller". 22. Januar (Sonntag): „Musikalische Soiree". 24. Januar: Herr Bernhard Feilchenfeld, Cöln: „Eine neue Errungenschaft auf dem Gebiete jüdischer Sozialtätigkeit". 31. Januar: Herr Emil BUimenau, Cöln: „Toleranz und Kultur". Außerdem jeden Freitag-Abend gemütliche Zusammenkunft in gewohnter Weise. Königshütte O.-S. Tätigkeits-Bericht des Jüdischen Jugendvereins. Am 9. März d. I. sprach in unserem Verein Herr Rabb. I. Niesckikowskh-Kattowitz über „Jacob Frank, ein falscher Messias". Der Redner zeichnete in längeren interessanten Austührungen ein Bild von dem Wirken dieses Abenteurers, dem es durch sein betrügerisches Gaukelspiel gelang, sogar fürstliche Kreise für sich zu interessieren. Der Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen. Am 23. März sprach bei uns Herr Or. mecl. O. Aronade- Kattowitz über „Die Krankheiten der Juden, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung". Redner führte aus, daß gewiffe Krankheiten zwar bei den Juden verhältnismäßig häustger vorkämen als bei anderen Völkern, daß diese Krankheiten aber nicht „spezifisch jüdische" seien. Ihre Entwickelung hänge mit den Lebensverhältnifsen und der Lebensweise zusammen. Die ersteren bedingten eine stärkere Inanspruchnahme der geistigen Kräfte, die letztere zeichne sich durch Bevorzugung guter Ernährung und Enthaltsamkeit gegenüber Alkohol aus. Dem Vortrage, der mit großem Jntereffe ausgenommen wurde, folgte eine Diskussion. Am 26. März veranstalteten wir unfern Purimball, der in jeder Beziehung glänzend Zeugnis ablegte von dem trefflichen Geiste, der in unserm aufblühenden Verein herrscht. Von den mannigfachen Darbietungen seien besonders hervorgehoben der ausgezeichnete Prolog von einem unserer wackersten Mitglieder versaßt uud die Aufführung eines Theaterstückes, das flott und gur gespielt wurde. Ein schneidiger Tanz in Kostümen, Lieder unserer beiden Herren Kantoren und andere humoristische Vorträge sorgten für echt gemütliche Stimmung, die die Teilnehmer bis in die Morgenstunden zusammenhielt. Am Freitag den 7. April hatten wir unsere dritte große Freitagabendveranstaltung, der ein Referat unseres Delegierten über den Delegierientag in Hannover voranging. Wir hatten die Freude, an diesem Abend unsere Räume bis auf den letzten Platz gefüllt zu sehen und die Teilnahme vieler Gemcindemitglieder lieferte uns den Beweis, daß diese unsere Veranstaltungen allenthalben verstündnisvoUe Würdigung erfahren. Wir wollen vorläufig über den Erfolg dieser Abende in ideeller Beziehung noch kein Urteil fällen, nur soviel sei heute schon getagt, daß unsere Mitglieder diese Veranstaltungen bereits für einen dauernden Bestandteil unseres Vereinsprogramms ansehen und daß die Beteiligung die Erwartungen bei weitem übersteigt, ist ein Zeichen, daß damit einen! Bedürfnis entsprochen Ivird. Demgemäß ist unser Streben darauf gerichtet, diese Abende auch inbezug der gebotenen Vorträge immer mehr auszugestalten, besonders letzü re den Zweckeu dieser Abende anzupassen und wir hoffen, darüber noch sehr Erfreuliches zu berichten. Likszuitz. (Bericht von> Januar bis Jum 1911.) Die im Programm vorgesehenen Veranstaltungen fanden fast alle statt. An Borträgen wurden gehalten: Am 19. Januar ein Referat des Herrn Referendar Dr. Lomnitz über „Die Verfassung des Deutschen Reiches". Am 16. Februar ein Vortrag