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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-07-01 · 7/8 (Juli/August 1911) · p. Seite 16

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
7/8 (Juli/August 1911)
Date
1911-07-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Freunde, insbesondere der Berg. Loge und der Elberselder Gemeinde. Stellte sich doch unser Etat aus annähernd 8800 M. Aber auch allen denen, welche uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben, schulden wir viel Dank, vor allem den Herren Robb. Dr. Norden und Rechtsanwalt Brück, die wir am Schluffe des Jahres zu unserer großen Freude zu Ehrenmitgliedern ernennen konnten. Das in so reichem Maße bewiesene Interesse an der Tätigkeit unseres Vereins läßt es uns zur Gewißheit werden, daß unser Jugendverein auf dem rechten Wege ist. Unser Bestreben wird es sein, in der einmal eingeschlagenen Richtung weiter zu arbeiten, zielbewußt und mit allen Kräften! Der Vorstand des Vereinsjahres 1911/12 setzt sich wie folgt zusammen: Herren Dr. med. 2oeb, I. Vorsitzender; Paul Epstein, II. Vorsitzender, Walter Grabowski - Barmen, I. Schriftführer; Paul Weyl, Kassierer; Or. jur. Wetzstein, Bücherwart; Referendar Aaron, Alfred Alsberg, und die Damen: Ella Block, Claire Neumann, Beisitzende. Emden. Monte fiore-Berein. Auf vielfachen Wunsch der Mitglieder hot Herr Oberkantor A. Weiß einen Vortragszyklus über „Ptrke Owaus und Thoraerklärung" eröffnet, welcher allsabbatlich ftattfinden wird. Insterburg. Der Jugendbund Hasch ach ar veranstalteie anläßlich seines 1. Stiftungsfestes am 19. März ein Kinderpurimfest mit daranschließendem Familienfest. Zum ersten Male gelang cs, die gesamte jüdische Bürgerschaft von Insterburg zu vereinigen. Unter den Aufführungen zum Kinderfeste wirkte besonders das Schattenspiel von Dr. Stein. Es folgten hierauf Bewirtung und Tanz der Kinder. Abends 8 Uhr begann das eigentliche Stistungsfest, verbunden mit Konzert, theatralischen Aufführungen sowie musikaltschcn Vorträgen und Tanz. Die Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende Herr Apotheker Bernstein. Die Herren Stadtrat Eichelbaum. Amtsgerichtsrat Blumenfeld und Rabbiner Tr. Beermann hielten gleichfalls Ansprachen, worin sie ihr reges Interesse an dem Verein kundgaben. Arnold Finke, Schriftführer. Köln. (Bericht aus Januar unliebsam verspätet.) Ein Blick >n das Leben des Rietzer Vereins zu Köln. Tic Vereinsleitung richtet ihr oberstes Streben dahin, den Verein zur geistigen Zentrale seiner Mitglieder zu machen. Der Sä wierigkeit und Verantwortung eines solchen Versuches ist sie sich in vollem llmfange bewußt. Die Vereinsleitung allein wäre nicht imstande, auch nur im entferntesten dieses Ziel zu erreichen, wenn nicht alle Mitglieder des Vereins, alle Kreise unserer Kölner Gemeinschaft sich freudig und ganz im Dienste dieser Sache stellten. Mit Genugtuung dürfen wir es aussprechen, daß dies uns voll und ganz gelungen ist. Denn Wer sollte sich auch da ausschließen dürfen, wo eS gilt, den vielen Hunderten und Aberhunderten unserer Mitglieder von den großen Schätzen der jüdischen und allgemeinen Kultur vom Guten das Beste zu bieten? Gibt es eine Partei, eine Richtung innerhalb der Judenheit, die sich hier nicht betätigen könnre? So ist cs gelungen, in unserem Verein die Plattform zu schaffen, auf der alle Schattierungen der Judenheit, — sofern sie bewußt jüdisch sind — friedlich nebeneinander stehen können. Aber keine Neutralität, die zum Schweigen, zur Verleugnung der eigenen Ueberzeugung verurteilt: sie alle sollen sich hier ausleben und sich gegenseitig davon überzeugen lassen, daß wir alle doch nur die Größe und Ehre des Judentums im Auge haben. Wer je einem Abend im Rießer Vereine beigewohnt hat, wer da steht, wie zwar die Meinungen energisch und scharf einander gegenüberstehen mögen, über all dem aber doch der echt jüdische Geist der Zusammengehörigkeit waltet, wird diese Tatsache allein schon als eine bedeutsame Eigenart unseres Vereins registrieren müflen. ■ Zur geistigen Zentrale soll unser Verein den Mitgliedern werden I Der Weg, auf dem wir dies zu erreichen suchen, besteht darin, daß wir eine möglichst große Anzahl unserer Mitglieder soweit bringen, daß sie selbst diesem Ziele ihre tätige Mitarbeit zuwenden. Sie müssen einsehen lernen, daß sie selbst am meisten von der Schaffung von Bereinswerten haben. Es bestehen daher ca. 10 Kommissionen, von denen eine jede ihren Vorsitzenden selbst wählt; jede Kommission soll mit möglichster Selbständigkeit ihr Spezialgebiet bearbeiten. Zur Information der Kommissionen und zur Berichterstattung an die Vereinsleitung ist in jede Kommission mindestens ein Mitglied des Vorstandes delegiert. In jeder Vorstands sitzung hat dieses delegierte Mitglied über die Tätigkeit der Kommission, der er angehört, zu referieren. So wird dafür Sorge getragen, daß die Kommissionen stets das ihnen unterstehende Ressort Hand in Hand mit dem Vorstande bearbeiten. Möglichst alle sechs Wochen treten Vorstand und Kommissionen zu einer Plenarsitzung zusammen. Hier werden wichtige Fragen des Vercinslebens beraten, den Kommissionen ist Gelegenheit gegeben, den Vorstand zu interpellieren und Kritik in unbeschränkter Weise zu üben. Als wichtigste Kommissionen seien genannt: Freitag-Abend, Kurse, Bibliothek, Kunst, Lokal, Vergnügungs, Presse. Ballotage, Sport und Wirtschaftskommission. Jede Kommission besteht durchschnittlich aus 10—12 Mitgliedern. Ihnen obliegt zugleich die Sorge für die Propaganda. Wie in den Kommissionen, so herrscht im neungliedrigen Vorstände das Prinzip der Arveitsteilung. Jedes Vorstandsmitglied hat sein Ressort, er trägt hier die Verantwortung. Mindestens zweimal monatlich soll eine Sitzung des Vorstandes ftattfinden. Wir haben oben als oberstes Streben der Vereinsleitung daS Ziel hingestellt, den Verein zum Mittelpunkt des Geisteslebens der jüdischen Jugend Kölns zu machen. Es soll nach Möglichkeit versucht werden, die Jugend auszustatten mit dem geistrgen Rüstzeug für den Kamps ums Dasein. Zugleich soll dafür Sorge getragen iverden, daß in diesem Kampfe das jüdische Ideal nicht geschmälert wird. Diese Ausgaben soll die jüdische Wiffenschaft übernehmen. In drei systematischen Vorlesungen soll daher jüdisches Wissen vermittelt werden. Die Herren Rabbiner Dr. Caro, Dr. Hanover, Dr. Schefdelowitz haben sich freundlichst dem Verein als Dozenten zur Verfügung gestellt. An den Freitag Abenden liest Herr Referendar Bernhard Kahn die Ethik des Judentums. (Ueber die Freitag Abende vergl. meine Abhandlung in Nr. 1 dieses Blattes). WaS die Freitag-Abende uns geworden sind, kann mit Worten nicht ausgedrückt oder abgeschätzt werden. Der große Saal der Rheinlandloge vermag an den großen Abenden unsere Sabbathgäste oft kaum zu fassen Die kleinen Freitag Abende haben ein erstaunlich großes Stammpublikum. Ist dies angeführte das mindeste, was die jüdische Wissenschaft für sich beanspruchen muß, so sind wir aus dem Gebiete der profanen Wissenschaften ebenfalls bemüht, das zu geben, was hierin dem jungen Manne unentbehrlich ist. Zunächst vier Sprachkurse: zwei französische iAnfänger und Vorgerücktere), ein englischer, ein italienischer Kur». Die Teilnahme an diesen Kursen ist durch den niedrigen Satz von 4—5 Mark jedem ermöglicht. Unentgeltlich — wie alle Kurse in der jüdischen Wiffenschaft - sind: der Kurs im bürgerlichen und kaufmännischrii Disziplinen (Handels-, Wechsel-, See-, Patentrecht, Nationalökonomie); der stenographische Kurs. Tie Kurse sind alle sehr gut frequentiert. Sie sind das Barometer, an dem sich ein blühende» Vereinsleben am besten abmessen läßt. Dienstag abend ist der offizielle Vereinsabend. Durch' seine Tätigkeit in vielen Verbandrvereinen hat Verfasser Gelegenheit, da» Leben in diesen Vereinen zu beobachten. Das eine darf als seine Feststellung wiedergegeben werden: Ein Besuch der Vortragsabende, wie er bei uns ist, überhaupt ein solch begeistertes Eintreten aller Mitglieder für unsere Sache, traf er fast nirgends im gleichen Maße an. Längst reichen unsere Bereinsräume für unsere Veranstaltungen nicht mehr aus. Haben sich doch allein seit Oktober dieses Jahres über 400 Personen zur Ausnahme in den Verein gemeldet. Für unsere geselligen Veranstaltungen reichen längst die großen Säle der Loge nicht mehr aus. Sie haben sich durch ihre Gediegenheit und vornehme Einfachheit einen Namen erworben. Trotz Winterrzeil nehmen an unseren Wanderungen

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