Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Aurich. Seit etwa drei Jahren besteht hier der Montefiore-Verein, der sich Anfang dieses Jahres dem Verbände der Jugendvereine angeschlofscn hat. Daß seine Bestrebungen, der jüdischen Jugend Aurichs eine jüdische Wirkungsstätte zu schaffen, volles Verständnis finden, beweist die verhältnismäßig hohe Zahl der Mitglieder (etwa 60 bei einer Gemeinde von ca, 400 Seelen). Im vergangenen Winter hat der Verein vor allem durch seine Lesehalle, deren Einrichtung für kleinere Vereine geradezu vorbildlich ist, Ersprießliches geleistet. Alle Freitag-Abende und Sonnabende versammelte sich die Jugend in den Räumlichkeiten der hiesigen Schule, die von dem Gemeindevorstande — mit Genehmigung der Regierung — bereitwillig zur Verfügung gestellt wurden; auch trug die Gemeinde einen Teil der tzeizungs- und Beleuchtungskosten. Eine Reihe von Zeitschriften und Büchern jüdischen und allgemeinen Inhalts waren ausgelegt, die eifrige Benutzung fanden. — Während der Lesestunden fanden häufig Vorträge statt. Sonnabend mittag hielt Herr Hauptlehrer Wolfs regelniäßig Lehrvorträge aus der Thora oder dem Schulchan Aruch, während an mehreren Freiiagabenden die Vorstandsmitglieder Referendar Wolf und Ludwig Gordon jüdische Gegenwartsftagen behandelten. — Auch drei öffentliche Abende wurden veranstaltet; an ihnen sprachen Herr Katzenstein-Bremen über die Jugendbewegung, Herr Gordon über Gabriel Rießer und Herr Hofschauspieler Maihes-Bremen brachte ausgewählte Stücke aus der neueren jüdischen Dichtung (Morris Rosenfeld u. a.) zum Vortrag. — Sämtliche Veranstaltungen waren gut besucht. Die Chanukka- und Purim-Feier nahmen einen würdigen Verlauf. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß der Verein sich auch weiterhin gedeihlich entwickeln wird. Cottbuö. Einen Bericht bis zum 8. Februar 1911 habe ich bereits früher gegeben und lasse jetzt noch einige Daten folgen. Vortläge hielten: Herr Referendar Hammerschmidt über: Wesen des Zivilprozeffes. Herr Rabb. Dr. Posner über: Die Propheten Israels. . Herr Referendar Hammerschmidt über: Das Konkursverfahren. I.Teil. lieber dasselbe II. Teil. Kegelabende haben wir ebenfalls regelmäßig veranstaltet, doch waren diese leider nicht mehr so gut besucht wie anfangs. Die „Gedenknummer" oer Mitteilungen des Jugendbundes erregte bei unserem Verein sehr großes Interesse; wir haben deshalb am 26. April einen Distussionsabend mit dem Thema „Die Emanzipation der deutschen Juden" vcraniialtet. Wir werden auch im Sommer noch Vorträge veranstalten und zwar religiöse und juristische. Ferner wird wohl ein Herr über Staatsrecht sowie über die politischen Parteien Deutschlands sprechen. Das Interesse der Mitglieder an den Vorträgen ist sehr groß und wir haben uns entschlossen, bis Ende Mai vierzehnlägig, von da an alle 4—6 Wochen einen Vortrag zu veranstalten. Doch auch unser sonstiges Sommerprogramm ist sehr rei^haltig. Außer bestimmten Fußwanderungen find noch in Aussicht genommen: Ausflüge nach dem Spreewald, nach Rossow usw-, statt der Kegeläbende werden wir auf der Spree regelmäßig rudern. Das Interesse der Mitglieder an den Veranstaltungen ist gegenwärtig sehr rege und ich hoffe, daß bei schönem Wetter alles zu voller Zufriedenheit ausfallcn wird. Alfred R o t h e n st e i n. Der Indische Jngcndvercin Elberfeld-Barmen hat sein zweites Vereinsjahr vollendet; es war ein Jahr der Arbeit, aber auch eine Zeit des Erfolges. Schon die Tatsache, daß die Zahl der Mitglieder sich im vergangenen Jahre verdoppelt hat und gegenwärtig etwa 260 beträgt, zeugt davon, daß es sich der Vorstand hat angelegen sein lassen, und daß es ihm auch gelungen ist, die jüdische Jugendbewegung hier im Wuppertal in erfolgreicher Weise zu fördern. Zu Beginn des Jahres fällt die Einrichtung fremdsprachlicher Unterrichtskurse, deren über Erwarten guter Besuch uns den Ansporn gab, zur besseren Durchführung dieser Seite unserer Tätigkeit eigene Räumlichkeiten zu erwerben. Und wenn wir von einem erfolgreichen Jahre sprechen können, so ist das nicht zum geringsten Teile auf das Konto unseres Jugendheims zu setzen, welches unserer Bildungsarbeit die weitesten Perspektiven eröffnete. Wir vermochten unseren Mitgliedern in fünf von Lehrern der betr. Nationen geleiteten Sprachkursen lzwei französischen, zwei englischen und einem italienischen Kursus) Gelegenheit zu bieten, ihren Sprachschatz zu erweitern. Die Kosten wurden teils durch den Verein als solchen, teils durch äußerst gering bemessene Beiträge aufgebracht; das gleiche gilt auch von dem Buchführungsunterricht. — Auf vielseitigen Wunsch wurde auch in diesem Jahre wieder ein Kursus für Krankenpflege veranstaltet und fand wiedermu großen Anklang. Der Vortragszhklus über jüdische Geschichte beseitigte einen von der älteren Jugend längst gefühlten Mangel an einer Möglichkeit, sich mit dieser Materie mehr vertraut zu machen. In unserem Heime fand ferner der Diskussionskursus statt, welcher unseren jungen Leuten einen willkomttrenen Tummelplatz der verschiedenartigsten Meinungen darbot und ihre kritische Beobachtungsfähigkeit schärfte. Unsere eigene Behausung gestattete es uns schließlich, den Grundstock für eine eigene Bibliothek zu legen und etwa 130 Bücher fast ausschließlich jüdischen Inhalts anzuschaffen, _ die sehr rege benutzt werden. — Der Vorteil unseres geschmackvoll eingerichteten Heinis liegt aber vor allem darin, daß wir uns an jedem Abend zwanglos zu angeregter Unterhaltung und lehrreichem Austausch von Meinungen lind Erfahrungen zusammenfindcn können und uns näher kennen und schätzen lernen. — Zeitungen, Wochenschriften und Spiele (außer Kartenspiel) bieten hinreichende Zerstreuung, während durch Verabreichung von Erfrischungen gegen geringes Entgelt auch für das leibliche Wohl Sorge getragen wird. Getreu dem Grundsätze „mens sann in corpore sano" veranstalteten wir im verflossenen Jahre zum ersten Male eine Reihe von Morgenwanüerungen in das schöne belgische Land, ivelche sich großer Beliebtheit erfreuten. Für Rasenspiele und Sport war uns ferner der Spielplatz der Elberfelder Oberrealschule unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden, den wir verschiedene Male in Anspruch genommen haben. Leider litten diese Veranstaltungen wiederholt unter der Ungunst der Witterung, doch hoffen wir, uns in diesem Jahre noch niehr der Körperpflege widmen zu können, umsomehr als sich vor kurzer Zeit eine Sport- und Turnabteilung gebildet hat, welche sich die Pflege von Sport und Spiel zur besonderen Aufgabe gemacht hat. Die eifrige Vortragstätigkeit des hiesigen Mendelssohnvereins, dem wir korporativ als Mitglied angehören und zu dessen Vorträgen unsere aktiven Mitglieder freien Zuirirt haben, sowie das rege geistige Leben in den anderen jüdischen Vereinen des Wuppertales, mit denen wir gleichfalls freundschaftliche Beziehungen unterhalten, machte die Veranstaliung von Vortragsabenden weniger notwendig. Trotzdem waren unsere 12 Vortrags« und allgemeinen Diskussiousabenüe gut besucht und hatten oft angeregte Debatten zur Folge. In dem Bestreben, unsere Mitglieder mit allen Ereignissen in der Judenheit bekannt zu machen und vor allem ihr Interesse an der Jugendbewegung wach zn halten, unterstützte uns das Verbandsorgan, welches unseren Mitgliedern auf V e r e i n s k o st e n zugestellt wird. Ileberhanpt fand die Verbandsidee in unserem Kreise kräftigen Widerhall, dies bekundet auch die von uns in die Wege geleitete Gründung der Jugendvereme in Hagen und Solingen, sowie unsere Teilnahme an der Gründung des Bezirksverbandes für Westdeutschland. Pessach, Chanukka und Purim boten uns willkommenen Anlaß, das Alter und die Jugend in froher Geselligkeit zu vereinen. Einen besonders schönen Verlauf nahm unser Purim-Kostümfest, dem als Motiv „Ein Abend am Hose der Königin Esther" zu Grunde lag. Daß aber auch die Kunst bei uns eine Heimstätte findet, davon zeugen unsere musikalischen und deklamatorischen Abende. Haben wir doch in unseren Reihen eine ganze Anzahl Kräfte, deren künstlerische Leistungen auf einem bemerkenswert hohen Niveau stehen. Daß unser Verein im vergangenen Jahre seinen Mitgliedern so viel zu bieten vermochte, verdanken wir nicht zuletzt der reichen finanziellen Unterstützung unserer zahlreichen \ 15